Unternehmen Busbetreiber Arriva will deutsch werden

Konzernchef Grube schwärmt von einer "neuen Dimension des Personenverkehrs", und den Eignern des britischen konzerns gefällt das Geschäft auch: Der Übernahme von Arriva durch die Deutsche Bahn steht fast nichts mehr im Wege - außer Kartellfragen.

Die Deutsche Bahn (DB) hat die wichtigste Hürde zum Kauf des größten privaten Nahverkehrsanbieters Europas überwunden: Die Aktionäre des britischen Arriva-Konzerns haben am Donnerstag die Offerte der Bahn mit großer Mehrheit akzeptiert. Dank des künftigen Tochterunternehmens, das Busse und Züge in zwölf Ländern betreibt, werde die Bahn „in eine neue Dimension des Personenverkehrs vorstoßen“, sagte Konzernchef Rüdiger Grube.

Arriva ist der teuerste Zukauf der DB-Geschichte, was bei Kritikern die Befürchtung nährt, das Geld könnte künftig für Investitionen in Deutschland fehlen. Der Staatskonzern bot den Arriva-Aktionären 775 Pence je Anteil. Das entspricht einer Bewertung von Arriva mit 1,8 Milliarden Euro und enthält eine Übernahmeprämie von 31 Prozent.

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Einschließlich der Schulden muss die Bahn sogar 2,8 Milliarden Euro bezahlen. Dafür erhält sie ein Unternehmen, das bei 3,15 Milliarden Pfund Umsatz rund 160 Millionen Pfund verdient. Arriva besitzt in vielen Ländern ein beträchtliches Nahverkehrsnetz. Versuche der Bahn, selbst in diese Märkte vorzudringen, hatten nur mäßigen Erfolg.

Aus internen Unterlagen geht hervor, dass die DB-Spitze Arriva für noch wertvoller als den nun gebotenen Preis hält: In einer DCF-Bewertung, die das Wachstumspotenzial berücksichtigt, wird die Firma auf 2,98 Milliarden Pfund taxiert. Demnach ergibt sich nach Abzug der Schulden und anderer Positionen ein tatsächlicher Wert von sogar 863 Pence je Aktie.

Der Arriva-Kauf fußt allerdings auf sehr optimistischen Annahmen: Die Bahn erwartet von Arriva bis 2014 bei geringem Umsatzplus doppelt so starkes Gewinnwachstum wie in den sehr erfolgreichen Jahren seit 2005.

Die Übernahme muss nun durch die EU-Kommission genehmigt werden. Der Chef der französischen Bahn SNCF, Guillaume Pepy, hatte jüngst vor einer erdrückenden Dominanz der DB in Europa gewarnt und die Kommission aufgefordert, das Geschäft besonders kritisch zu prüfen. SNCF hatte im Winter selbst einen Kauf von Arriva durchgespielt.

Brüssel erkennt nun nur wenige Kartellprobleme. Bei der DB richtet man sich darauf ein, zumindest das Arriva-Geschäft mit Personenzügen und einige Busfirmen in Deutschland abzugeben. Sie will die Übernahme bis 27. August abschließen.

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