Unternehmen Chinas Finanzminister spielt Wachstumsziel herunter

Rund 7,5 Prozent soll die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr wachsen, kündigte Regierungschef Li Keqiang am Mittwoch in Peking an. Jetzt spielt sein Finanzminister das Wachstumsziel herunter - und will sich auch mit weniger zufrieden geben.

Nach Kritik an dem ehrgeizigen Wachstumsziel Chinas von rund 7,5 Prozent hat Finanzminister Lou Jiwei die Bedeutung dieser Vorgabe heruntergespielt. Wichtiger sei vielmehr die geplante Schaffung von zehn Millionen Arbeitsplätzen und die Kontrolle der Inflation bei 3,5 Prozent. Auch wenn dann dieses Jahr nur 7,2 oder 7,3 Prozent Wachstum erreicht würden, wäre das selbst gesteckte Ziel erfüllt, sagte der Minister am Donnerstag auf einer Pressekonferenz während der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking.

Regierungschef Li Keqiang hatte Ökonomen am Vortag damit überrascht, dass er trotz geplanter Reformen und der Abschwächung der Konjunktur wie im Vorjahr wieder 7,5 Prozent vorgegeben hatte. „Dieses Ziel wird den Reformen, die Chinas Führer in diesem Jahr verfolgen wollen, enge Grenzen setzen“, sagte der frühere Professor der Tsinghua Universität in Peking und heutige Chefstratege der US-Anlagenverwaltung Silvercrest, Patrick Chovanec.

Anzeige

Er sieht ein „ernstes Hindernis“ für tiefgreifende Reformen, die notwendig seien, aber kurzfristig die Wirtschaft verlangsamen würden. Ein Ziel zu setzen, ermutige alles, was schlechtes Wachstum erzeuge: „Mehr Kredite, mehr Investitionen, mehr Überkapazitäten, was bereits heute ein großes Problem ist“, sagte Chovanec. Das führe zu noch mehr faulen Krediten und weniger Möglichkeiten, gesund zu wachsen.

Schuldenlast in China stieg seit 2008 von 150 auf 210 Prozent

„Es wird zunehmend finanzielle Anfälligkeiten geben“, sagte auch Andrew Polk vom US-Forschungsinstitut Conference Board. Die finanziellen Pläne mit dem Abbau der Schuldenberge und die jetzt vorgegebenen Wachstumsziele stünden „im Widerspruch zueinander“, sagte Polk. Denn die Geldpolitik müsse gelockert werden, um 7,5 Prozent zu erreichen. „Das heißt, dass die finanziellen Risiken mit Sicherheit wieder zunehmen werden.“

Auf eine Frage nach den Gefahren durch einen weiter anwachsenden Schuldenberg ging der Finanzminister allerdings nicht ein. Ökonomen wiesen darauf hin, dass das Kreditwachstum in diesem Jahr mehr als doppelt so schnell wachsen werde wie das Wirtschaftswachstum. Außerdem warnten sie davor, dass in diesem Jahr Anleihen der hoch verschuldeten lokalen Regierungen sowie dubioser Treuhandfonds im Wert von einigen Billionen Yuan, umgerechnet einige hundert Milliarden Euro, fällig werden. Viele der Verpflichtungen könnten nur durch neue Kredite bedient werden.

Seit Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 hat Peking den Kredithahn aufgedreht, so dass die gesamte Schuldenlast von 150 auf 210 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen ist. Viel Geld ist in unproduktive, verschwenderische Investitionen, in Überkapazitäten oder die Immobilienblase geflossen. Erst im Januar hat das Kreditwachstum wieder kräftig angezogen. Die faulen Kredite erreichten im vierten Quartal den höchsten Stand seit 2008. Im vergangenen Jahr wuchs Chinas Wirtschaft wie im Vorjahr mit 7,7 Prozent.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...