Unternehmen Chinesische Investoren greifen nach „Made in Germany“

Chinas Präsident Xi Jinping nach seiner Wahl am 17. März 2013 im Nationalen Volkskongress der Kommunistischen Partei in Peking.

Chinas Präsident Xi Jinping nach seiner Wahl am 17. März 2013 im Nationalen Volkskongress der Kommunistischen Partei in Peking.© Getty Images/163833969

Begehrte "Hidden Champions": China will mehr in deutsche Firmen investieren - vor allem in mittelständische Betriebe, die auf dem Weltmarkt aktiv sind, sagen Experten. In Berlin macht Peking jetzt die erste eigene Handelskammer in Europa auf.

Wenn ein Chinese Brecht zitiert, ist das schon mal ein gutes Zeichen. „Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“ Mithilfe des berühmten Spruchs aus der Dreigroschenoper erklärt Chinas Botschafter in Deutschland, Shi Mingde, hierzulande gerne das Politik- und Gesellschaftsmodell Pekings.

Nach dem rasanten Aufstieg Chinas zur weltgrößten Handelsmacht, bei dem über Jahrzehnte Menschenrechte oder Umweltschutz unter die Räder kamen, neige sich die Zeit des Fressens dem Ende zu, glaubt der Spitzendiplomat, der einst in der DDR studierte. Peking will auf der Weltbühne auf Augenhöhe agieren – und dabei vor allem in Deutschland als verlässlicher Investor eine gute Figur machen.

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An Geld für Übernahmen mangelt es nicht. Ende 2013 beliefen sich die chinesischen Devisenreserven auf umgerechnet 2,79 Billionen Euro. So sollen auf der Pekinger Einkaufsliste derzeit namhafte deutsche Mittelständler stehen, heißt es in Industriekreisen. An einen Dax-Konzern hat sich China noch nicht herangewagt – aber das scheint auch nicht für alle Zeiten ausgeschlossen zu sein.

Erste Handelskammer in Berlin

Dazu passt, dass die Volksrepublik jetzt ihre erste Handelskammer in Europa in Berlin angesiedelt hat. DIHK-Präsident Eric Schweitzer spricht von einem „wichtigen Brückenkopf“. Als Chinas neuer Ministerpräsident Li Keqiang im vergangenen Sommer die Hauptstadt und Kanzlerin Angela Merkel besuchte, hatte er angekündigt: „China wird mehr gesunde und vertrauenswürdige Unternehmen zu Investitionen in Deutschland ermuntern.“

China ist längst keine „verlängerte Werkbank“ der Welt mehr – aber der Weg zu Relevanz in Schlüsselindustrien ist weit. Während Deutschland rund 39 Milliarden Euro im Reich der Mitte investiert hat, sind es umgekehrt nur etwa zwei Milliarden Euro. Die Liste der Firmen, bei denen Chinesen das Sagen haben oder nennenswert beteiligt sind, wird aber langsam länger – und prominenter: Aldi-Technik-Lieferant Medion, Betonpumpenspezialist Putzmeister, Nähmaschinenbauer Pfaff und Dürkopp Adler, Erfinder der Zentralverriegelung Kiekert oder Solarspezialist Sunways.

Know-how und Zugang zu Managementwissen

Auf Übernahmen spezialisierte Banken und Kanzleien berichten, dass chinesische Investoren gezielt nach bekannten deutschen Marken mit gutem Weltmarktanteil Ausschau halten. Es geht natürlich um Know-how, aber auch um den Zugang zu Managementwissen auf internationalem Niveau. Deutsche Firmen gelten zudem immer noch als günstig im Vergleich zu US-Konkurrenten.

Allerdings haben viele Chinesen in Bieterverfahren oft Probleme, weil sie sich mit Buchprüfungen (Due Dilligence), deutschen Gesetzen und Gepflogenheiten zu wenig auskennen. Es geht aber auch anders. Als Musterbeispiel für einen gelungenen Einstieg gilt der größte europäische Gabelstapler- und Lagertechnik-Herstellers Kion in Wiesbaden. Dort hat der chinesische Staatskonzern Weichai Power gerade seinen Anteil von 30 auf 33,3 Prozent aufgestockt. Mit 1,2 Milliarden Euro ist es die größte chinesische Einzelinvestition in Deutschland. Die ebenfalls beteiligten Finanzinvestoren KKR und Goldman Sachs haben nach dem Börsengang Kasse gemacht – die Chinesen aber sind es, die als langfristig orientierte Partner dabei bleiben.

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