Unternehmen Commerzbank dämpft Hoffnung auf rasche Besserung

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt© Commerzbank AG

Die Commerzbank kämpft an vielen Fronten: Harte Konkurrenz im Privatkundengeschäft, Stellenabbau, Altlasten. An schnelle Erfolge glaubt Vorstandschef Blessing nach Jahren der Krise nicht mehr.

Die krisengeschüttelte Commerzbank dämpft nach einem erneut schwachen Geschäftsjahr die Hoffnung auf schnelle Besserung. „Wir haben 2012 die Voraussetzungen geschaffen, um die Bank neu auszurichten“, sagte Konzernchef Martin Blessing am Freitag in Frankfurt. „Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang.“

„Unser Ziel ist das Jahr 2016. Wir wollen keine Schnellschüsse, wir wollen die Bank wieder nachhaltig erfolgreich machen. Und das wird uns auch gelingen“, sagte Blessing. Allerdings werde auch das laufende Jahr nicht einfach werden: „2013 wird das Jahr des Umbaus. Und dieser Umbau wird Kraft, Geld und Zeit kosten.“

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Blessing verteidigte den geplanten Abbau von 4000 bis 6000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2016. Er bestätigte Betriebsratsangaben, wonach im Privatkundengeschäft 1800 bis 3400 Stellen auf der Kippe stehen. Die Anpassung der Personalstruktur sei „leider notwendig“, sagte Blessing: „Die Rahmenbedingungen sprechen eine klare Sprache.“ Zur Begründung führte er das niedrige Zinsniveau, den Trend zum Onlinebanking und die „ökonomische Situation der Bank“ an. In Bereichen mit „Wachstumspotenzial“ werde gleichzeitig investiert, etwa in der Mittelstandsbank. Nach letzten Angaben beschäftigt die Bank weltweit gut 56.000 Mitarbeiter.

Probleme hat Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus nach wie vor insbesondere im wichtigen Privatkundengeschäft. Der Vorsteuergewinn in diesem Segment sank im Schlussquartal auf 30 (Vorjahreszeitraum: 140) Millionen Euro und damit auf den niedrigsten Wert seit dem Jahresende 2010. Über das Jahr gesehen hat sich Vorsteuergewinn im Privatkundengeschäft nahezu halbiert: auf 245 (476) Millionen Euro. Ein Drittel davon steuerte die Onlinetochter Comdirect bei.

Keine Schließung von Filialen

Im ersten Halbjahr soll das Onlinebanking ausgebaut werden, für das zweite Halbjahr 2013 sind erste Spezialistenfilialen – zum Beispiel mit einem Fokus auf Baufinanzierung oder Wertpapiergeschäfte – geplant. Blessing bekräftigte, dass keine Filialen geschlossen werden sollen.

Zuversichtlich stimmt den Vorstand, dass im vergangenen Jahr 236.000 zusätzliche Kunden gewonnen werden konnten. Allein im vierten Quartal hätten sich die Einlagen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Milliarden Euro erhöht. Im Gesamtjahr habe in der Filialbank das Neugeschäftsvolumen – Einlagen, Wertpapiere, Kredite – um 11 Milliarden auf mehr als 15 Milliarden Euro zugelegt. Der Konzern bediene inzwischen etwa 16 Millionen Kunden.

Insgesamt brachte das vierte Quartal der Bank mit 716 Millionen Euro Verlust tiefrote Zahlen, im Gesamtjahr erreichte der teilverstaatlichte DAX-Konzern mit einem Mini-Überschuss von 6 (Vorjahr: 638) Millionen Euro mit Ach und Krach gerade noch die Gewinnzone.

Weil diese Werte noch schlechter ausfielen als am Markt erwartet, hatte die Bank sie schon am 4. Februar veröffentlicht. Abschreibungen auf Steueransprüche und Belastungen durch den Verkauf der Bank Forum in der Ukraine fraßen operative Gewinne fast völlig auf.

Keine Dividende

Konzern-Chef Blessing verzichtet wegen des Gewinneinbruchs und des anstehenden Stellenabbaus – der nach Einschätzung des Managements allein im ersten Quartal 2013 rund 500 Millionen Euro kosten wird – auf seinen Bonus für das abgelaufene Geschäftsjahr. „Dies ist eine sehr ehrenwerte Entscheidung, die Martin Blessing mit seiner besonderen Verantwortung für die Bank begründet hat“, ließ Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller mitteilen. Konzernweit wurden die variablen Vergütungen um gut 17 Prozent auf etwa 317 Millionen Euro gekappt.

Die Aktionäre sollen einmal mehr leer ausgehen: Für 2012 wird keine Dividende ausgeschüttet. Dagegen will das kurz nach der Dresdner-Bank-Übernahme mitten in der Finanzkrise mit staatlichen Milliarden gerettete Institut erstmals Zinsen auf die verbliebenen Rettungsgelder des Bundes zahlen.

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