Unternehmen Conergy arbeitet in Brandenburg weiter

Conergy-Produktionshalle in Frankfurt an der Order

Conergy-Produktionshalle in Frankfurt an der Order© Conergy

Langsam lichtet sich der Nebel um die Zukunft des insolventen Solarunternehmens Conergy. In Deutschland gehen wohl mindestens 140 Jobs verloren. Die Produktion in Brandenburg läuft aber erst einmal weiter, bis endgültig ein Investor gefunden ist.

Der US-Finanzinvestor Kawa kauft nach seinem Einstieg beim insolventen Solarunternehmen Conergy weitere Teile des Konzerns. Zum 1. Oktober werde Kawa die deutschen Vertriebs- und Servicegesellschaften sowie die internationalen Einheiten in Italien, Großbritannien und Australien übernehmen, teilte Conergy am Donnerstag in Hamburg mit. Die beiden Produktionsbetriebe in Brandenburg arbeiten im Oktober auch nach dem Auslaufen des Insolvenzgeldes zunächst weiter, wie das Unternehmen am Abend mitteilte.

Da das staatliche Insolvenzgeld für die Beschäftigten in Frankfurt/Oder und Rangsdorf bei Berlin zu Beginn des nächsten Monats wegfalle, werde derzeit geprüft, „ob der Geschäftsbetrieb ab Oktober nur mit einem Teil der Belegschaft weitergeführt werden kann und ob gegebenenfalls Mitarbeiter freigestellt werden müssen“. Eine Entscheidung dazu wird laut Mitteilung bis zum kommenden Montagnachmittag erwartet.

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Rund 140 Jobs fallen weg

Klar ist bereits, dass der US-Finanzinvestor Kawa weitere Teile des Konzerns kauft. Damit würden nun insgesamt 350 der einst 600 Arbeitsplätze in Vertrieb, Service und Verwaltung gesichert – davon 140 in Deutschland. Genauso viele Jobs in Deutschland gehen jedoch verloren, vor allem in der Hamburger Verwaltung von Conergy.

Weitere Auslandseinheiten in fünf Ländern mit 110 Mitarbeitern sind nicht Teil der Übernahme. Kawa hatte bereits Ende August die Vertriebseinheiten in den USA, Kanada, Singapur und Thailand übernommen. Diese Ableger sollen allerdings künftig mit weniger Beschäftigten auskommen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir für große Teile der Mitarbeiter in den weltweiten Conergy-Vertriebs- und -Serviceeinheiten eine hervorragende Lösung gefunden haben“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz. Es sei sehr schmerzlich, aber unvermeidlich, dass nicht alle Arbeitsplätze gerettet werden konnten und viele hochqualifizierte Mitarbeiter nun entlassen werden müssten.

Insolvenzerfahren wird wahrscheinlich am Dienstag eröffnet

Mit dem neuen Investor im Rücken will Conergy nicht nur Solarkraftwerke und Dienstleistungen anbieten, sondern auch Finanzierungsleistungen. „Das war seit jeher unser Ziel“, sagte Conergy-Chef Philip Comberg. „Mit Kawa als Eigentümer haben wir das letzte noch fehlende Puzzleteil in unserer Strategie ergänzt.“ Das eröffne Conergy sehr gute Chancen und große Potenziale. Zuvor muss noch der Gläubigerausschuss zustimmen und das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Dies sei am kommenden Dienstag zu erwarten.

In Brandenburg dauerten die Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten noch an und sollen bis Ende Oktober zu Ende geführt werden. Sieben Investoren aus Europa und Asien würden sich für die dortige Modulfabrik interessieren, hieß es.

Conergy beschäftigt in der Modulfertigung in Frankfurt/Oder rund 300 Mitarbeiter und weitere 200 bei dem Gestellproduzenten Mounting Systems in Rangsdorf bei Berlin. Es liegen genügend Aufträge vor, um die Betriebe im Oktober ohne staatliche Unterstützung weiterführen zu können, möglicherweise allerdings nicht mit allen Beschäftigten. Das sei aber noch nicht sicher, hieß es. Die IG Metall befürchtet, dass in den beiden Niederlassungen etwa 150 Jobs auf der Streichliste stehen könnten. Kurzfristig seien am Donnerstag Mitarbeiterversammlungen einberufen worden.

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