Unternehmen Damit das Vermögen überlebt

Sie bereiten die Firmennachfolge vor, geben Anlagetipps oder helfen beim Steuersparen: Family-Offices bieten Unternehmen eine Rundumbetreuung über Generationen hinweg. Doch die Dienstboten fürs Depot haben ihren Preis.

Die Banken wollen Geld sehen? Das Finanzamt drängt auf die Steuererklärung? Aber der Betrieb ist ohne Geschäftsführer? Wer in Zeiten des Umbruchs ein Family-Office an seiner Seite hat, braucht sich vor nichts zu fürchten. Denn diese Büros betreuen Betriebe rundum – oft über Generationen hinweg. „Das Vermögensmanagement ist heute auf die Bedürfnisse der Familie gerichtet und nicht mehr auf den Verkauf von Produkten“, sagt Peter Schaubach, Leiter des Center for Family Office (CFFO) an der EBS Business School in Oestrich-Winkel.

Welche Strategie ist die richtige? Welche Anlagen eignen sich? Und welche Geschäftspartner sollte man besser austauschen? Antworten darauf geben die 18 Mitarbeiter der Firma Münster Stegmaier Rombach Family Office in Bad Waldsee, die derzeit 25 bis 30 Familien betreuen – von der Beratung über Businessmanagement bis zur Sachbearbeitung. „Ein neues Mandat beginnen wir immer mit einer allumfassenden Bestandsaufnahme, in der alle Vermögensteile in unser Controllingsystem eingebracht werden“, erläutert Werner Gasser, Prokurist und Gesellschafter der Firma.

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Je nach Wunsch der Familienmitglieder übernimmt ein Family-Office auch Aufgaben wie Postdienste und Steuerbelange, stellt Hausmädchen ein oder kümmert sich um den Autokauf. „Wenn ein Unternehmer seine Firma samt Verwaltung verkauft hat, also auch das Sekretariat weggebrochen ist, dann gehört manchmal auch so etwas zur Aufgabenstellung“, sagt Schaubach.

Nicht selten spielt auch die Frage der Generationenfolge eine Rolle. Der Vermögensinhaber will sicherstellen, dass das von ihm geschaffene Vermögen erhalten bleibt – und seine Angehörigen es nicht sinnlos verprassen. „Wir helfen dabei, die nächste Generation an das Vermögen heranzuführen und unterstützen die Familie beispielsweise bei der Auswahl und Besetzung von Gremien“, sagt Gasser. Er hält es für wichtig, Regeln für die Unternehmensnachfolge aufzustellen und diesen Fall genau durchzuplanen.

Auf Rockefellers Spuren

Family-Offices sind bereits Ende des 19. Jahrhunderts während der Industrialisierung in den USA entstanden. So lagerten große Dynastien wie die Rockefellers ihr Vermögensmanagement aus. Auch in Deutschland entschieden sich einzelne Familien schon früh zu diesem Schritt. Auftrieb bekam das Geschäft Ende der 90er-Jahre, als durch den Internetboom schnell große Vermögen entstanden. „Der Markt für Multi-Family-Offices war damit geschaffen“, sagt Schaubach von der EBS. Er schätzt, dass es in Deutschland derzeit etwa 50 reine Multi-Family-Offices gibt.

Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwei Formen von Family-Offices: Single-Family-Offices sind für die Betreuung einer einzelnen Familie konzipiert. Sie sind sehr diskret – und entsprechend teuer, da eine Familie allein Mitarbeiter, Computerprogramme, Räumlichkeiten und Verwaltung finanzieren muss. Das muss sich lohnen. „Wir sprechen hier von einem dreistelligen Millionenbetrag“, sagt Schaubach.

Multi-Family-Offices dagegen betreuen mehrere Familien aus einer Hand. Oft bieten auch Banken oder Wirtschaftsprüfer Family-Office-Dienstleistungen an. Im Multi-Family-Office werden schon Vermögen in Höhe von 25 Millionen Euro gehegt und gepflegt. Allerdings zulasten der Individualität: Je größer das zu verwaltende Vermögen, umso spezifischer werden die Wünsche der Kunden erfüllt.

Teures Rundum-sorglos-Paket

Honoriert wird die Arbeit von Family-Officers meist über einen Prozentsatz, der abhängig vom verwalteten Vermögen ist: „So schafft man eine Interessengleichheit, da das Family-Office mit wachsendem Vermögen mehr verdient“, sagt Alexander Ruis von der Firma SK Family Office in Karlsruhe. In manchen Fällen, zum Beispiel bei Kurzzeitberatung, wird ein Pauschalsatz verabredet. Allgemein gilt: „Einem Family-Office sollte nicht an der Vermittlung einzelner Produkte gelegen sein“, sagt Schaubach von der EBS.

Ob sich eine Familie für ein Multi- oder ein Single-Family-Office entscheidet, ist laut Gasser eine Philosophiefrage: Für ein einzelnes Büro sei es aufwendiger, den Markt im Auge zu behalten. In einem Multi-Family-Office können die betreuten Familien dagegen auch von den Erfahrungen der anderen Familien profitieren. Gasser: „Die Kostenstruktur wird auf mehrere Familien verteilt und aufgrund der Anzahl von Mitarbeitern mit unterschiedlichen Qualifikationen kann die Familie auf eine breite Fachkompetenz zurückgreifen.“ Dem stimmt auch Alexander Ruis vom SK Family Office zu. „Aber für ein Rundum-sorglos-Paket muss man natürlich auch von entsprechenden Kosten ausgehen.“

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