Gründung Das 100-Millionen-Dollar-Startup

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Zalando auf philippinisch: Shoppen mit Zalora

Zalando auf philippinisch: Shoppen mit Zalora© Zalora

Mit Zalora will die Berliner Startup-Fabrik Rocket Internet im Eiltempo eine asiatische Version von Zalando aufbauen. Auf den Philippinen locken ein riesiger Markt und eine wachsende Mittelschicht, deren Kaufkraft rasant steigt. Ein Hausbesuch in Manila.

Draußen geht gerade die Welt unter. Die Regenzeit auf den Philippinen fällt dieses Jahr noch feuchter aus als sonst, in der Millionenstadt Manila stehen die Straßen unter Wasser. Drinnen lassen sich die jungen Leute vor ihren Rechnern nicht weiter stören. Sie stellen neue Produkte in virtuelle Warenregale, beantworten Kundenanfragen oder organisieren die Auslieferung bestellter Klamotten, so weit es die sturzbachartigen Regenfälle eben zulassen. Sie alle arbeiten für Zalora, die südostasiatische Variante von Zalando. Hinter beiden Online-Händlern steckt Rocket Internet.

Der Internetkonzern aus Berlin rollt weltweit neue Geschäftsmodelle aus – meistens schneller als alle anderen. Auf den Philippinen lockt ein riesiger Markt: 100 Millionen Einwohner und eine wachsende Mittelschicht, deren Kaufkraft rasant steigt. In Manila haben sich die als Workaholics geltenden Rocket-Leute ausgerechnet ein altes Spa als Zentrale für ihre Markterschließung ausgesucht. Einen Blick für die kunstvollen Verzierungen an den Wänden hat hier aber niemand.

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In der Mitte des Großraumbüros steht Paulo Campos vor einer grünen Tafel, auf der für alle gut sichtbar die nackten Zahlen des Tages stehen. Klicks, Facebook-Likes, Bestellungen, Auslieferungen, Umsätze. Es braucht keinen MBA, um zu sehen: Hier wächst etwas in gewaltigem Tempo heran. Campos war Mitarbeiter Nr. 1 in Manila, inzwischen hat er mehr als 160 Leute angestellt. Bis Ende des Jahres sollen es 200 sein, viele kommen frisch vom College. Anfang 2012 sind sie mit 2000 Produkten gestartet, inzwischen ist das Sortiment auf 50.000 Produkte angewachsen.

In Taiwan sind sie gescheitert

Online-Handel kann auf den Philippinen gar nicht funktionieren, sagen Skeptiker. Schließlich sei Zalora sogar in Taiwan gescheitert, einem Land, das wesentlich weiter entwickelt ist. Campos will das Gegenteil beweisen. Der gebürtige Philippino passt genau ins Beuteschema von Rocket Internet: erst Harvard, dann Boston Consulting Group. Die Berliner fragten ihn via LinkedIn, ob er nicht als Mitgründer an Bord kommen wolle, und er hat Ja gesagt. „Wir haben genau zum richtigen Zeitpunkt angefangen“, meint Campos, „nämlich dann, als noch niemand daran glaubte.“ Drei Argumente führen die Skeptiker für das vorprogrammierte Scheitern von Online-Handel auf den Philippinen an. Bei Zalora arbeiten sie jeden Tag daran, alle drei zu widerlegen.

Argument Nummer 1: Nur die wenigsten Menschen haben Kreditkarten. Wie sollen sie online einkaufen? „Die einfache Lösung für uns war, Barzahlung bei Lieferung zu ermöglichen“, erzählt Campos. „Aber die etablierten Paketdienste waren darauf gar nicht eingestellt und wollten das nicht.“ Also macht Zalora es selbst. Eigene Kuriere bringen die Pakete mit Motorrollern zu den Kunden, die dann bar bezahlen können. „Inzwischen haben die traditionellen Paketdienste diese Möglichkeit auch im Angebot“, freut sich Campos. Einen Markt haben sie also schon einmal verändert.

Argument Nummer 2: Die Infrastruktur im Land ist katastrophal. Wie soll man da einen Versandhandel aufbauen? Die Lösung: Im Großraum Manila ist es die eigene Flotte an Motorrollern, die sich durch die Staus der Hauptstadt schlängelt. „Außerhalb greifen wir auf klassische Paketdienste zurück“, sagt Campos. Per Fähre gelangen die Pakete auf einer der vielen philippinischen Inseln, dann geht es mit Autos irgendwie weiter zum Ziel. Sie liefern landesweit innerhalb von 48 Stunden, lautet das Versprechen auf der Homepage.

Zalora-Mitgründer Paulo Campos in der Firmenzentrale in Manila

Zalora-Mitgründer Paulo Campos in der Firmenzentrale in Manila ©fw

Argument Nummer 3: Die Philippinos lieben ihre riesigen, angenehm kühlen Shoppingcenter, weshalb sie mit E-Commerce nichts anfangen könnten. Eine Hürde, die laut Paulo Campos gar keine ist. „Die Leute rennen für alles Mögliche in die Mall“, meint Campos, „um Leute zu treffen, ins Kino zu gehen oder abzuhängen. Das alles hält sie nicht davon ab, ihre Sachen online einzukaufen, etwa während der Mittagspause im Büro.“ Die Philippinos seien zudem begeistert von Smartphones: Der Anteil der Bestellungen über mobile Endgeräte sei deutlich höher als bei Online-Händlern in Europa. So könnte die südostasiatische Variante von Zalando in einigen Bereichen zum Vorbild für Zalando selbst werden.

Zalora ist längst ein länderübergreifendes Phänomen, buhlt nicht nur auf den Philippinen, sondern auch in Malaysia, Thailand, Singapur, Vietnam, Indonesien und weiteren asiatischen Märkten um Kunden – mit eigenen Tochtergesellschaften und in den jeweiligen Landessprachen. Das schnelle und aufwändige Wachstum wird auch mit den 100 Millionen Dollar finanziert, die Zalora im Frühjahr von Investoren wie der Tengelmann-Gruppe eingesammelt hat. Zuvor war schon die US-Investmentbank JP Morgan eingestiegen. Im vergangenen Jahr sollen die Anlaufkosten von Zalora angeblich doppelt so hoch gewesen sein wie der Umsatz, berichtete das Manager Magazin kürzlich.

Alles im Rahmen, wiegelt Paulo Campos ab. Er peilt für die Philippinen bis zum Jahr 2015 die Gewinnzone an. Über seine Strategie wacht Deutschlands Internetkönig Oliver Samwer. Der Mann, der Rocket Internet geschaffen hat, steht zweimal im Jahr höchstpersönlich in Manila auf der Matte.

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