Unternehmen Das Aus für die traditionellen Kornbrenner?

Das Bundesmonopol für Branntwein endet, kleine Brenner verlieren den sicheren Abnehmer. Gerade Betriebe, die keinen Trinkalkohol herstellen, sehen ihre Existenz bedroht. Andere setzen auf Spezialitäten.

Johannes Böckenhoff lebt zwischen grünen Wiesen, Weiden und Bauernhöfen im idyllischen Münsterland. Seit sechs Generationen brennt seine Familie Korn. Im Laden gegenüber vom Hof verkauft er seine alkoholischen Kreationen. Der 63-Jährige ist Präsident der Deutschen Korn- und Getreidebrenner, eines alten, traditionellen Gewerbes in der Landwirtschaft.

Doch Böckenhoff sieht die Zukunft der Branche in Gefahr. Denn das Bundesmonopol für Branntwein fällt zum 30. September 2013. Die europaweit einmalige Subventionierung von kleinen Schnapsbrennereien läuft aus. Der Brenner-Präsident bangt um die Zukunft der rund 160 Kornbrenner in Nordrhein-Westfalen. Es geht um Subventionen von 80 Millionen Euro bundesweit.

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Böckenhoffs Getreidebrennerei in Raesfeld liegt in einem Hof hinter dem Verkaufsgeschäft. Es riecht nach Gärung und Alkohol. In einem 72 Stunden langen Prozess entsteht hier die hochprozentige klare Flüssigkeit: der nicht trinkbare Rohalkohol. «Bei den meisten Brennereien hört der Prozess hier auf», erklärt Böckenhoff. Dieses 80-prozentige Rohdestillat wird an die Bundesmonopolverwaltung verkauft – bislang.

Die Monopolverwaltung verarbeitet den Rohalkohol weiter und verkauft ihn unter anderem an die Trinkbranntweinindustrie. Die Mehrheit der kleinen Getreidebrenner kann die aufwendige Weiterverarbeitung selber nicht leisten. Dazu wird ein Feinbrenngerät benötigt, das nur wenige haben. „Ihnen wird die Existenzgrundlage entzogen“, kritisiert der Präsident der Kornbrenner den Wegfall des Monopols. „In Deutschland konnten 600 Brennereien von den 80 Millionen Euro Subventionen leben. Da hängen Arbeitsplätze mit dran, nicht nur in den Brennereien, sondern auch bei den Zuliefern.“

Doch Böckenhoff ist auch selbstkritisch: „Die Italiener haben das mit dem Grappa besser gemacht.“ Mit dem Getränk verbinde man ein Lebensgefühl. Das sei deutschen Getreidebrennern nicht gelungen. Man habe sich ein Stück weit in der Bequemlichkeit des Monopols eingerichtet.

Eine Jahrhunderte alte Tradition stehe vor dem Aus, warnt er. Wie es in der eigenen, 181 Jahre alten Brennerei weitergeht, weiß er noch nicht. Obwohl der Münsterländer zu den wenigen gehört, die ein Feinbrenngerät haben und selbst Korn herstellen. „Aber wir werden mit Sicherheit weniger produzieren.“ Bisher habe man alles Überschüssige an die Monopolverwaltung abgegeben und nur einen Teil des Rohdestillats weiterverarbeitet. Im Laden steht eine bunte Vielfalt aus seiner Produktion: Schoko-Chili-Likör, Quittenbrand und der klassische Münsterländer Edelkorn. Sogar eine Tinktur zum Einreiben auf der Haut ist dabei – mit einem Alkoholgehalt von 70 Prozent.

Ein Kunde fährt vor und parkt sein Auto vor dem Laden. Er steigt aus, leere Kornflaschen in der Hand. «Ich wollte mal unsere lokalen Brenner unterstützen», sagt der ältere Herr mit verschmitztem Grinsen. Böckenhoff lächelt. So stellt er sich die Zukunft vor. Er hofft, dass sich sein Motto „Aus der Region, für die Region“ durchsetzt.

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