Unternehmen Das Glaslinsenspiel von Zwiesel

140 Jahre Erfahrung hat Zwiesel Kristallglas bei der Produktion von Trinkgläsern. Die setzt das Unternehmen jetzt auch bei Scheinwerfern ein. impulse war mit Abonnenten vor Ort.

Ein zäher, feuerfarbener Tropfen quillt aus der Maschine, wie Wasser aus ­einem undichten Hahn. Von jeder ­Seite saust eine Schneide heran und trennt das leuchtende Glasoval ab. Es plumpst in eine runde Form, von oben drückt eine Stanze herab. Was bleibt, glüht noch immer und erinnert an einen Teelichthalter. Der würde in der Kollektion von Zwiesel Kristallglas nicht weiter aus dem Rahmen fallen zwischen Sektflöten, Teegläsern und Blumenvasen. Was diese Maschine fabriziert, ist aber etwas, das sich auf ­keinem Esszimmertisch findet: eine Linse für Autoscheinwerfer mit Xenonlicht.


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„Man muss sich auf das besinnen, was man gut kann“, hatte Zwiesel-Chef Robert Hartel vor dem Gang durch die Produktion gesagt. Glas schmelzen und formen in seinem Fall. Egal ob zu Linsen oder Cocktailgläsern. Zwiesel hat es geschafft, diese Expertise auf ein völlig neues Segment zu übertragen.

Das interessiert alle Teilnehmer, ob Managementberater oder Hafenbetreiber, unabhängig davon, ob sie sich gerade selbst ein neues Standbein geschaffen haben wie etwa Thomas Reitmeier, Gründer von Digitech, einem Ausrüster von Konferenztechnik. Früher verbaute er nur die Telefone und Tische anderer Hersteller. Anfang des Jahres aber hat er eine Manufaktur gegründet und schon das erste Patent angemeldet, für einen Konferenztisch, dessen hölzerne Oberfläche wie ein Touchscreen funktioniert.

Erfindergeist ist auch bei Zwiesel der Erfolgsfaktor. Drei Jahre etwa dauerte es, bis Zwiesel ein automatisiertes Produktionsverfahren für die Scheinwerferlinsen entwickelt hatte. Wie alle Maschinen in der riesigen, glühend heißen Fertigungshalle hat das Unternehmen auch diese selbst entworfen und hergestellt. Die schwitzende Unternehmertruppe schart sich dicht um Hartel, um ihn trotz Produktionslärm zu ver­stehen: Die Besonderheit der Linsentechnik sei, dass beide Seiten gepresst würden. Andere Hersteller pressten nur eine Seite und müssten die andere aufwendig schleifen. Das kostet.

So wie Hartel von der Einführung des neuen Geschäftsfelds erzählt, klingt sie wie ein Spaziergang. Gut, in Sachen Fertigungs- und Prüfnachweisen sei die Automobilindustrie ein anspruchsvollerer Kunde, sagt Hartel – „da sind wir noch ein Handwerksbetrieb“. Aber sonst: Ein Mitarbeiter wurde abgestellt, später einige mehr, inzwischen läuft die Linsenproduktion unter der eigens gegründeten Tochter Ullrich GmbH. 10 Mio. Euro setzt die jährlich um.

Doch ganz so einfach ist es mit dem Neu­geschäft nicht. Bei Autoscheinwerfern wird zunehmend mit LED-Technik gearbeitet, Xenon verliert schon wieder an Bedeutung. Und die feinen LED-Linsen kann Zwiesel mit seiner Technik nicht fertigen. „Wenn ich Platz in der Produktionshalle bekäme“, sagt Hartel, „würde ich wieder eine Kelchstraße hinstellen.“ Weingläser statt Linsen. Denn der technische Wandel sei bei den Konsumprodukten wesentlich langsamer. Trinkgläser stellen sie schließlich schon seit 140 Jahren her.

Gemacht sind beide aus dem gleichen Material, Linsen wie Trinkgläser. Eine eigens kre­ierte Melange aus Marmor, Mehl, Quarzsand, Pottasche. Spülmaschinenfest und vor allem: bruchsicher. Hartel greift ein langstieliges Weinglas vom Produktionsband und drückt es einem der Unternehmer in die Hand. Er soll es gegen die Ecke eines Metallcontainers schlagen. Zaghaft tippt der das fragile Gefäß gegen das Metall. Nichts passiert. Hartel nickt kurz energisch – fester! Zweimal, dreimal schlägt Glas auf Metall. Nichts. Ungläubiges Staunen bei den Umstehenden. Der Nächste versucht sich. Nun haut das Glas mit einiger Wucht auf die Ecke. Nichts. „Mit meinen Gläsern daheim ginge das nicht“, sagt einer. Hartel lächelt, nimmt das Glas, wirft es mit Schwung in den Container, in dem Ausschussware liegt. Mit lautem Klirren setzt sich das Metall doch noch gegen das Glas durch.

Eine Stunde und 20 Minuten dauert es, bis aus dem Glasgemisch in den Schmelzwannen ein Weinglas im Zweierkarton geworden ist. Zart greifen die Zangen der Produktionsroboter die Stiele und heben die Gläser weiter. Seit 1872 wird hier im Bayerischen Wald Glas produziert, seit den 60er-Jahren maschinell. Um die eigenen Ingenieure auszulasten, die diese Maschinen entwerfen, hat Zwiesel begonnen, auch für andere Firmen Maschinen herzustellen. Expertise ist eben immer auch in anderen Segmenten gefragt.Ein zäher, feuerfarbener Tropfen quillt aus der Maschine, wie Wasser aus ­einem undichten Hahn. Von jeder ­Seite saust eine Schneide heran und trennt das leuchtende Glasoval ab. Es plumpst in eine runde Form, von oben drückt eine Stanze herab. Was bleibt, glüht noch immer und erinnert an einen Teelichthalter. Der würde in der Kollektion von Zwiesel Kristallglas nicht weiter aus dem Rahmen fallen zwischen Sektflöten, Teegläsern und Blumenvasen. Was diese Maschine fabriziert, ist aber etwas, das sich auf ­keinem Esszimmertisch findet: eine Linse für Autoscheinwerfer mit Xenonlicht.

„Man muss sich auf das besinnen, was man gut kann“, hatte Zwiesel-Chef Robert Hartel vor dem Gang durch die Produktion gesagt. Glas schmelzen und formen in seinem Fall. Egal ob zu Linsen oder Cocktailgläsern. Zwiesel hat es geschafft, diese Expertise auf ein völlig neues Segment zu übertragen.

Das interessiert alle Teilnehmer, ob Managementberater oder Hafenbetreiber, unabhängig davon, ob sie sich gerade selbst ein neues Standbein geschaffen haben wie etwa Thomas Reitmeier, Gründer von Digitech, einem Ausrüster von Konferenztechnik. Früher verbaute er nur die Telefone und Tische anderer Hersteller. Anfang des Jahres aber hat er eine Manufaktur gegründet und schon das erste Patent angemeldet, für einen Konferenztisch, dessen hölzerne Oberfläche wie ein Touchscreen funktioniert.

Erfindergeist ist auch bei Zwiesel der Erfolgsfaktor. Drei Jahre etwa dauerte es, bis Zwiesel ein automatisiertes Produktionsverfahren für die Scheinwerferlinsen entwickelt hatte. Wie alle Maschinen in der riesigen, glühend heißen Fertigungshalle hat das Unternehmen auch diese selbst entworfen und hergestellt. Die schwitzende Unternehmertruppe schart sich dicht um Hartel, um ihn trotz Produktionslärm zu ver­stehen: Die Besonderheit der Linsentechnik sei, dass beide Seiten gepresst würden. Andere Hersteller pressten nur eine Seite und müssten die andere aufwendig schleifen. Das kostet.

So wie Hartel von der Einführung des neuen Geschäftsfelds erzählt, klingt sie wie ein Spaziergang. Gut, in Sachen Fertigungs- und Prüfnachweisen sei die Automobilindustrie ein anspruchsvollerer Kunde, sagt Hartel – „da sind wir noch ein Handwerksbetrieb“. Aber sonst: Ein Mitarbeiter wurde abgestellt, später einige mehr, inzwischen läuft die Linsenproduktion unter der eigens gegründeten Tochter Ullrich GmbH. 10 Mio. Euro setzt die jährlich um.

Doch ganz so einfach ist es mit dem Neu­geschäft nicht. Bei Autoscheinwerfern wird zunehmend mit LED-Technik gearbeitet, Xenon verliert schon wieder an Bedeutung. Und die feinen LED-Linsen kann Zwiesel mit seiner Technik nicht fertigen. „Wenn ich Platz in der Produktionshalle bekäme“, sagt Hartel, „würde ich wieder eine Kelchstraße hinstellen.“ Weingläser statt Linsen. Denn der technische Wandel sei bei den Konsumprodukten wesentlich langsamer. Trinkgläser stellen sie schließlich schon seit 140 Jahren her.

Gemacht sind beide aus dem gleichen Material, Linsen wie Trinkgläser. Eine eigens kre­ierte Melange aus Marmor, Mehl, Quarzsand, Pottasche. Spülmaschinenfest und vor allem: bruchsicher. Hartel greift ein langstieliges Weinglas vom Produktionsband und drückt es einem der Unternehmer in die Hand. Er soll es gegen die Ecke eines Metallcontainers schlagen. Zaghaft tippt der das fragile Gefäß gegen das Metall. Nichts passiert. Hartel nickt kurz energisch – fester! Zweimal, dreimal schlägt Glas auf Metall. Nichts. Ungläubiges Staunen bei den Umstehenden. Der Nächste versucht sich. Nun haut das Glas mit einiger Wucht auf die Ecke. Nichts. „Mit meinen Gläsern daheim ginge das nicht“, sagt einer. Hartel lächelt, nimmt das Glas, wirft es mit Schwung in den Container, in dem Ausschussware liegt. Mit lautem Klirren setzt sich das Metall doch noch gegen das Glas durch.

Eine Stunde und 20 Minuten dauert es, bis aus dem Glasgemisch in den Schmelzwannen ein Weinglas im Zweierkarton geworden ist. Zart greifen die Zangen der Produktionsroboter die Stiele und heben die Gläser weiter. Seit 1872 wird hier im Bayerischen Wald Glas produziert, seit den 60er-Jahren maschinell. Um die eigenen Ingenieure auszulasten, die diese Maschinen entwerfen, hat Zwiesel begonnen, auch für andere Firmen Maschinen herzustellen. Expertise ist eben immer auch in anderen Segmenten gefragt.

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