Unternehmen Das Greenhorn

Mit 16 Jahren kam dem mexikanischen Schüler Daniel Gómez Iñiguez die Idee, Kleinanlagen für Biodiesel zu entwickeln. Niemand nahm ihn ernst - bis er den Markt aufrollte.

Daniel, mach eine gute Ausbildung, dann bekommst du später einen guten Job“, sagte mir stets mein Vater, ein Buchhalter. „Was immer er dir auch sagt“, konterte meine Mutter, „mach das Gegenteil!“ Ich folgte ihrem Rat – und wurde Unternehmer. Schon als Junge hatte ich keine Scheu, Menschen anzusprechen. Mit acht Jahren verkaufte ich auf der Straße Nüsse aus unserem Garten. Mein Vater gab mir den Tipp, sie zu knacken. Mit Erfolg: Ohne Schalen konnte ich doppelt so viel Geld dafür verlangen!

Später zogen wir in die Nähe von Monterrey, im Nordosten von Mexiko. Meine Onkel und Großeltern dagegen träumten den amerikanischen Traum und ließen sich in Texas nieder. Immer wenn wir sie dort besuchten, brachte ich billige Ware zurück, die ich bei Garagenverkäufen erstanden hatte. In Mexiko verkaufte ich sie für ein Vielfaches. Für ein Paar Jeans zum Beispiel bezahlte ich in Texas 1 Dollar, in Mexiko bekam ich dafür 10 Dollar. Manchmal verkaufte ich allein an einem Wochenende 100 Jeans, damals war ich zwölf Jahre alt.

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Als wir uns in der Highschool für einen Schwerpunkt entscheiden mussten, wählte ich Chemie – obwohl mir viele davon abrieten. „Daniel, wir haben nicht einmal ein Labor“, warnte mich ein Lehrer. „Du wirst scheitern.“ Davon ließ ich mich nicht schrecken. Ich recherchierte, welche Themen gerade wichtig wurden: Klimawandel, erneuerbare Energie, Biokraftstoffe. Im Internet stieß ich auf einen Artikel, der behauptete, man könne in der eigenen Küche Biodiesel herstellen. Da war mir klar: Das will ich machen! Ich hatte ein Forschungsthema gefunden! So kam ich als 16-jähriger Schüler mit Biodiesel in Berührung – und verliebte mich in das Thema. Mir war klar, dass es einen großen Bedarf gab. Und ich hatte Lust, etwas Neues zu lernen.

Ohnehin ist mir in den vergangenen fünf Jahren klar geworden, dass man Geschäfte macht, um zu lernen – nicht um Geld zu verdienen. Das kommt dann von allein. Ich fuhr zu Hochschulen, traf Wissenschaftler und lernte alles Mögliche über die theoretischen Grundlagen von Biokraftstoffen. In einer privaten Hochschule traf ich auf eine kleine Gruppe von Leuten, die ebenfalls für das Thema brannten. Wenn wir auf Energiekonferenzen gingen, trieb uns nur eine Frage um: Wer macht mexikanischen Biodiesel? Die Leute runzelten die Stirn. „Mexikanische Technologie?“, fragten sie ungläubig. „Dazu müsst ihr nach Deutschland oder in die Schweiz gehen“, sagten sie uns, „nach England, Brasilien oder die USA.“ Doch warum sollte es nicht möglich sein, etwas Eigenes zu entwickeln?

Der erste Deal – was für ein Gefühl!

So begann unser Traum. Wir weihten Vertraute in unser Projekt ein. „Ihr seid ja verrückt“, sagten sie. „Ihr kennt ja nicht einmal das Periodensystem!“ Aber wir ließen uns nicht beirren – obwohl wir kein Geld und keine Unternehmer in der Familie hatten. Dennoch waren wir zuversichtlich, innerhalb von fünf Jahren eine Technologie entwickeln und vermarkten zu können. So gründeten wir zunächst die Non-Profit-Organisation mit dem Namen Solben: ein Physiker aus Bolivien, ein Chemiker, ein Maschinenbauer und ich.

Jetzt brauchten wir Kapital. Zuschüsse zu bekommen ist in Mexiko schwierig, wenn man kein großer Konzern ist. Um Kunden etwas zeigen und sie zum Kauf bewegen zu können, mussten wir aber unbedingt eine erste Anlage bauen, da reichten keine Entwürfe. Überall wurden wir abgewiesen. Unsere Rettung waren die Hochschulen. Sie mussten ihre Fördergelder bis Jahresende ausgeben oder sie an die Regierung zurückzahlen. So fanden wir einige Unis, die noch Geld übrig hatten – genug, um unsere Anlagen zu kaufen. Obwohl wir noch keine fertig gebaut hatten, zahlten sie uns eine Summe im Voraus – für sie ein Risiko, aber allemal besser, als das Geld zurückzuzahlen. Was für ein großer Moment, als wir unsere erste Anlage verkauft hatten! So konnten wir ein Team aufbauen, ein Büro mieten, die Technologie weiterentwickeln und Patente anmelden.

In Europa oder Brasilien baut man riesige Bio-dieselanlagen, über Ebay lassen sich aber auch billige Anlagen aus Plastik bestellen, allerdings mit einer solch schlechten Qualität, dass die Autos schon bald Probleme bekommen. Wir sagten uns: Warum schaffen wir nicht eine Technologie, die das verarbeitet, was die Leute haben, beispielsweise Pflanzenöl? Wir wollten Kleinanlagen schaffen, die wenig kosteten, großen Nutzen versprachen und einfach zu bedienen waren. Gerade auf dem Land gibt es viele Leute, die nicht mit komplizierter Technologie zurechtkommen. Bei uns musste man nur einen Startknopf bedienen. Man schüttet auf der einen Seite Öl rein, auf der anderen kommt der Biokraftstoff heraus. Das war sehr attraktiv.

So eroberten wir sehr schnell den mexikanischen Markt. Inzwischen liegt unser Marktanteil bei 60 Prozent, wir beschäftigen 25 Mitarbeiter und entwickeln auch Technologien im Bereich Biogas, Wasseraufbereitung und Bergbau. Internationale Konzerne, etwa aus Mittel- und Südamerika, wurden auf uns aufmerksam, auch Afrikaner und Inder interessieren sich für uns, weil sie sich die Technologie leisten können und die Qualität stimmt. Konzerne wie Pepsico nutzen uns als Dienstleister. Sie lassen Ölreste von uns in Biodiesel umwandeln und nutzen ihn dann für ihre Fahrzeuge.

Als Unternehmer sollte man klare Werte und Prinzipien festlegen, damit das Team weiß, wofür es arbeitet. Wir verstehen uns als grüne Firma, das spiegelt sich auch in unserem Alltag. Unser zweiter Grundsatz besteht darin, ständig Neues zu entwickeln. Das dritte Prinzip schließlich ist etwas sehr Grundlegendes: Teamarbeit. Man muss nicht selbst der Beste sein, aber die Besten für sich gewinnen, egal ob in der Technologie oder Verwaltung. Es handelt sich immer um ein gemeinsames Werk.

Ich stelle mir vor, dass wir in zehn Jahren einen Marktanteil von 75 Prozent erreicht haben. Wir werden börsennotiert und attraktiv für Investoren sein. Damit können wir auch anderen jungen Unternehmern zeigen, dass das Alter keine Rolle spielt. Was auch immer man sich vornimmt: Man kann es erreichen.

Protokoll: Nikolaus Förster

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 10/2012.

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