Unternehmen Das Luxusproblem von Steve Jobs

Apple hat mehr als 25 Mrd. Dollar Bargeld in der Kriegskasse, die der Konzernchef nicht an die Aktionäre ausschütten will. Das befeuert Übernahmegerüchte - genannt werden Adobe, Disney, ARM und sogar Sony.

Apple ist um ein angebliches Übernahmeziel reicher: Seit Jahren machen diverse Namen die Runde – nun gesellt sich noch Sony dazu. In Tokio machten Medienberichte die Runde, denen zufolge Sony ins Visier von Apple geraten sei. Beide Unternehmen kommentierten die Übernahmegerüchte nicht. Das Papier des japanischen Herstellers von Unterhaltungselektronik notiert auf einem Dreimonatshoch.

Fakt ist: Wie viele IT-Konzerne sitzt Apple auf hohen Bargeldreserven – 25,6 Mrd. Dollar hat der Konzern aus Cupertino angehäuft, wenn nur der reine Cash-Bestand und solche Wertpapiere zugrunde gelegt werden, die kurzfristig zu Geld gemacht werden können. Inklusive langfristig handelbarer Wertpapiere kommt Apple auf rund 51 Mrd. Dollar. Aktionäre murren: Sie wollen Dividende. Wer zu viel Bargeld hortet, wird inzwischen an der Börse abgestraft. Die Investoren fürchten Experten zufolge, dass das Geld am Ende beim Kauf viel zu hoch bewerteter Startups oder Wettbewerber verplempert werden könnte.

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Zunehmend fragwürdig ist nach Einschätzung von Experten auch die Neigung der Branchengrößen, sich über den Kauf von Startups Innovationen zu sichern. Hier würden ebenfalls oft überhöhte Preise geboten, während die besten Leute die Entwicklungsabteilungen die Konzerne verließen, um ihr Wissen in eigenen Unternehmen zu Geld zu machen.

Also flammen erneut Übernahmegerüchte auf. Neben Sony, Facebook und Nvidia interessiert sich Apple angeblich auch für den Flash-Pionier Adobe, den Chipdesigner ARM und den Medienkonzern Disney. Bislang hat Apple noch nie mehr als 500 Mio. Dollar für einen Zukauf ausgegeben.

Hier eine Auswahl, wie realistisch die Szenarien sind:

Sony – Spielesparte im Fokus

Apple soll angeblich ein Auge auf die Spielesparte geworfen haben. Offenbar soll der US-Technologiekonzern auch an dem Spielehersteller Electronic Arts interessiert sein, der an der Nasdaq nur noch mit 5,16 Mrd. Dollar bewertet wird und damit weniger wert ist als Zynga, das mit Online-Spielen wie Farmville und Frontierville für das weltgrößte Soziale Netzwerk Facebook bekannt geworden ist. Ob sich Sony-Chef Howard Stringer aber ausgerechnet von der Playstation trennen will, ist mehr als unwahrscheinlich. Die Spielekonsole ist einer der elementarsten Bestandteile von Sonys Onlinestrategie, mit der die Japaner Apple Paroli bieten wollen.

Dass sich Apple Sonys verlustbringendes TV-Geschäft ins Haus holt, gilt ebenfalls als unwahrscheinlich. Hier haben sich die Japaner mit Apples Rivalen Google verbündet und erste Fernseher mit der Software des Internetkonzerns auf den Markt gebracht. Apples Mac-Rechner mit Sonys Vaio-Computern zu vereinen, erscheint nicht sinnvoll, und auch Sonys Cyber-Shot-Kameras spielen für Steve Jobs keine Rolle, zumal er den MP3-Spieler iPod mit Camcorder-Funktion ausgestattet hat und iPhones mit Kameras ausgerüstet sind.

Apple würde Sony ebenso keinesfalls komplett übernehmen. Die Japaner kommen aktuell auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 33,9 Mrd. Dollar. Mit einem entsprechenden Aufschlag würde sich Apple finanziell übernehmen und hätte kein Geld für weitere Investitionen mehr übrig.

„Wir legen Wert auf Unabhängigkeit“, hat Adobe-Chef Shantanu Narayen der FTD erst kürzlich im Interview gesagt. Adobes Flash-Technologie sei durchsetzt mit Sicherheitslöchern und erhöhe den Energieverbrauch mobiler Endgeräte dramatisch, wettert Apple-Chef Steve Jobs. Die Ausgangslage für eine Liaison zwischen Apple und Adobe scheint wenig erfolgversprechend.

Und doch könnte der Softwarekonzern für Apple ein ausgemachtes Übernahmeziel sein: Auf der Basis von Adobes Multimediasoftware läuft die Mehrzahl aller Videos im Internet. Flash ist auf Millionen von Internetsites vertreten, auf Apples populärem Tablet-Rechner iPad und dem iPhone aber nicht darstellbar. Natürlich könnte Apple Adobe kaufen – bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 14,3 Mrd. Dollar durchaus realistisch – und die Flash-Technologie optimieren. Allerdings widerspricht das Apples Plänen, auf die schon teils einsatzfähige alternative Webtechnologie HTML5 zu setzen, die die Darstellung von Videos ermöglicht. Flash ist allerdings deutlich leistungsfähiger zur Präsentation multimedialer Inhalte.

Insofern ist eine Übernahme von Adobe deutlich realistischer als von Sony oder von Teilen der Japaner. Steve Jobs wäre nicht allein: Erst kürzlich wurde Microsoft-Chef Steve Ballmer in der Adobe-Zentrale gesichtet, wonach Übernahmegerüchte ins Kraut schossen – und Adobes Aktienkurs in die Höhe.

Disney – In tiefer Verbundenheit mit Jobs

Apple hat mit Mac-Rechnern den PC-Markt aufgerollt, mit dem iPhone den Grundstein für den Smartphone-Boom gelegt und mit dem iPad den Tablet-Markt wiederbelebt. Als nächstes knöpft sich der US-Technologiekonzern internetbasiertes Fernsehen vor, vermuten Experten. Zwar hat Apple Monitore und eine Multimedia-Streamingbox namens Apple TV im Bestand – für die Inhalte ist der Konzern aber von anderen abhängig.

Disney ist mit dem derzeitigen Börsenwert von 67,8 Mrd. Dollar viel zu groß für Apple. Aber schon vor vier Jahren tauchten entsprechende Übernahmegerüchte auf. Zudem ist Apple-Chef Jobs Disneys größter Einzelaktionär. Vielleicht gelingt es ihm wenigstens, Inhalte des Medienkonzerns exklusiv zu bekommen.

ARM – begehrte Chiparchitektur

Die Spekulationen um eine Übernahme des weltgrößten Handychipdesigners halten sich seit Jahren. Die Architektur der Briten findet sich in fast allen weltweit verkauften Mobiltelefonen. Dem weltgrößten Chipkonzern Intel ist es bis heute nicht gelungen, ein ähnlich energieeffizientes Chipset vorzulegen. ARM macht Intel auch in neuen Geschäftsfeldern wie der Vernetzung von Produkten der Unterhaltungselektronik und internetbasierten Fernsehern Konkurrenz.

Eine ARM-Übernahme wäre für Apple vergleichsweise locker zu stemmen – die Briten bringen es auf eine Marktkapitalisierung von derzeit umgerechnet 7,7 Mrd. Dollar. Allerdings ist die Sinnhaftigkeit zweifelhaft. Apple zahlt wie die Konkurrenten Lizenzgebühren an ARM für die Verwendung der Chiparchitektur. Es würde sehr lange dauern, bis sich ein Zukauf amortisiert.

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