Unternehmen Dauerbrenner Glühbirne

Die Riva hat 100 Watt. Darf sie haben. Zwar gaben Konzerne wegen EU-Vorschriften die Produktion auf, doch Familie Schrickel füllt die Nische. Die Rarität kostet 1,85 Euro.

Sie hieß Glühlampe, im Volksmund auch Birne. Dann sorgte die EU dafür, dass sie, wenn sie mehr als 100 Watt hat, in Wohnungen nicht mehr reingeschraubt werden darf. Osram, Philips, General Electric hörten auf zu produzieren, konzentrierten sich auf Energiesparlampen. Das war die Lücke. In die stieß die Walter Schrickel Süddeutsche Glühlampenfabrik. Als „Allgebrauchslampe für Spezialzwecke“ genügt sie so den EU-Vorschriften und erlebt jetzt einen eigenen Boom.

Die Firma ist die einzige, die in die lukrativen Nischen liefern kann. Peter Sprenger, Vertriebsleiter des Familienbetriebs: „Nur wenige Lampen sind verboten, die meisten nicht, und ohne sie geht nichts, alles würde zusammenbrechen.“

Anzeige

Tatsächlich hat die EU viele Lücken gelassen: Allgebrauchslampen für Spezialzwecke dürfen noch 100 Watt haben, wenn sie in Industriegebäuden, auf Flughäfen, Bahnhöfen, in Zügen, Maschinen, Kühlschränken, Backöfen (die 300 Grad oder 500 Grad Hitze schaffen) glühen. Oder in wetterfesten Lampen, in stoßfesten – und auch auf Taxi-Dächern. Vielleicht sogar im Freien, das ist juristisch noch nicht ganz klar.

Die Produktion einer Glühbirne:

Starten Sie die Präsentation mit dem Play-Symbol. Dieses Symbol führt Sie durch die Präsentation.

Das Drumherum

Der Mittelständler stellt als einziger in Europa noch ein volles Lampenprogramm her. Jetzt deutet sich ein Problem an: Die Schrickel-Zulieferer, darunter Tochterfirmen von Osram und Philips, können den Bedarf des letzten Glühlampenmachers an Vorprodukten kaum noch decken, die Schrickels suchen jetzt „ständig und überall Vormaterial-Zulieferer“.

Die 100-Watt-Lampe ist teurer geworden. Sie kostete etwa 98 Cent, bevor die EU loslegte, inzwischen bereits 1,85 Euro. Die Deutsche Bahn zahle Schrickel für solche Lampen, ohne die Züge nicht fahren können, jetzt 60 Prozent mehr. Schrickel produziert auch in Shanghai, die 100-Watt-Lampen aber nur im Heimatwerk Philippsburg.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...