Unternehmen Dem Baugewerbe gehen die Fachkräfte aus

Die Bauwirtschaft floriert im allgemeinen Aufschwung. Die Unternehmen fürchten aber, der Mangel an Fachkräften könne das Wachstum bremsen.

Die deutsche Bauindustrie sieht sich einem Fachkräftemangel gegenüber, der das Wachstum der Branche gefährdet. „Auch am Bau gibt es inzwischen einen Ingenieurmangel“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Michael Knipper, der Nachrichtenagentur dpa. Und bei den Baufacharbeitern seien die Reserven ebenso beinahe ausgeschöpft, wie die jüngsten Arbeitsmarktzahlen belegten. Werde nicht gehandelt, dürften dem Bau im Jahr 2020 etwa 60.000 Fachkräfte fehlen.

Im Juli kamen auf knapp 1800 gemeldete offene Stellen für Bauingenieure lediglich 2900 Arbeitslose. Da aber erfahrungsgemäß nur etwa 15 Prozent der offenen Stellen an die Bundesagentur gemeldet würden, dürfte es tatsächlich mehr als 10.000 unbesetzte Stellen für Bauingenieure in Deutschland geben, sagte Knipper. Das Problem werde dadurch verschärft, dass Jahr für Jahr deutlich mehr qualifizierte Mitarbeiter in Rente gingen als Nachwuchs vorhanden sei.

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Anders als beim Maschinenbau, Fahrzeugbau und in der Elektroindustrie sei der Ingenieurmangel am Bau noch nicht anerkannt. Bauunternehmer müssten daher nach wie vor in jedem Einzelfall nachweisen, dass ein gesuchter Ingenieur nicht auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu bekommen sei, bevor sie eine ausländische Fachkraft einstellen könnten. Diese Einzellfallprüfung dauere oft drei bis sechs Monate, sagte Knipper. Er forderte das Bundesarbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit auf, diese „Vorrangprüfung“ auch für das Baugewerbe aufzuheben.

Die Lage sei inzwischen so ernst, dass jedes achte Unternehmen bereits darüber klage, dass ihm Fachkräfte von der Konkurrenz abgeworben würden. Die Arbeitsmarktstatistik habe ihm Juli erstmals die Baufacharbeiter – ohne die ungelernten Kräfte – gesondert ausgewiesen, berichtete Knipper. Demnach gebe es etwa 32.000 arbeitslose Baufacharbeiter. Ihnen stünden 10.400 gemeldete offene Stellen gegenüber, aber auch hier sei die tatsächliche Zahl deutlich höher. Um die Lage zu verbessern, wolle das Baugewerbe nun Schulabgänger mit mangelnder Ausbildungsreife in ihren Ausbildungszentren in Extra-Lehrgängen „nachschulen“.

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