Unternehmen Der Backhelfer

Bekam man Mehl, dann fehlte Zucker. Kaufte man Zucker, waren weder Mehl noch Stärke zu bekommen. Umso mehr ließ die Einführung der Backmischung Kathi die Herzen der Hausfrauen höher schlagen. Die Geschichte eines Familienbetriebs.

Backmischungen verbindet man vor allem mit dem Namen Dr. Oetker. Doch die erste Backmischung in Deutschland verkaufte 1951 das kleine Hallesche Unternehmen Kathi, fast 20 Jahre bevor Dr. Oetker aus Bielefeld mit eigenen Backmischungen auf den Markt kam. Selten gab es damals alle Backzutaten zur gleichen Zeit. Bekam man Mehl, dann fehlte Stärke oder der nötige Zucker. Kaufte man Zucker, waren kein Mehl und keine Stärke zu bekommen.

Das Ehepaar Kaethe und Kurt Thiele aus Halle entwickelt in der Nachkriegszeit die Idee, ein Kuchenmehl herzustellen, das alle wichtigen Zutaten bereits enthält. Sie wollen auf diese Weise das Backen vereinfachen. Das ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern ein Versuch, den ständigen Mangel nach dem Krieg zu umgehen. Aus dieser Idee entsteht ein Unternehmen, das bald neben dem Tortenmehl auch Suppen und Saucen produziert.

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Die Thieles benennen ihre Firma nach den Anfangsbuchstaben Kaethe Thieles. Sie ist der kreative Kopf des Unternehmerpaares, zuständig für die Produktenwicklung und Werbeslogans.

Zwangsenteignung in Mitte der 70er

Sieben Jahre später, 1958, erzwingt die DDR eine staatliche Beteiligung an dem Betrieb. Dem Staat gehören bald mehr als 50 Prozent des Unternehmens. 1969 darf Kathi nur noch Backmischungen produzieren, muss die Suppen- und Saucenherstellung an andere Firmen abtreten. Mitte der siebziger Jahre enteignet die DDR die Thieles vollständig. Ihr Sohn Rainer Thiele bleibt zunächst Betriebsdirektor, wird jedoch wenig später entlassen, weil er sich weigert, in die SED einzutreten.

Vielleicht spürt Kaethe Thiele kurz vor ihrem Tod 1989, dass das DDR-System nicht mehr lange Bestand haben wird. Am Sterbebett jedenfalls nimmt sie ihrem Sohn ein Versprechen ab: die Firma zurückzugewinnen, sollte es mit der DDR einst zu Ende gehen. Und so bemüht sich Rainer Thiele schon kurz nach der Wende um die Reprivatisierung. Nach langen Verhandlungen mit der Treuhand muss er vor einen Ausschuss der Reprivatisierungskommission.

„Alte Bekannte“ in der Reprivatisierungskommission

Hier trifft er zwei alte Bekannte wieder, die an der Zwangsenteignung der Eltern in den Siebzigern beteiligt waren und nun ihre Entscheidung von damals rückgängig machen sollen. Thiele lässt die Anhörung platzen, erzwingt einen neuen Termin. Die beiden Personen werden aus der Kommission ausgeschlossen. 1991 erhält die Familie nach fast 20 Jahren ihr Eigentum zurück. Heute hat sich Thiele in den Beirat zurückgezogen, das Geschäft führen seine beiden Söhne. Die dritte Generation hat übernommen.

Kathi ist Marktführer für Backmischungen in Ostdeutschland und auf Platz drei im gesamtdeutschen Markt. Mit 90 Mitarbeitern macht das Unternehmen im vergangenen Jahr knapp 21 Millionen Euro Umsatz. Im Vergleich: Dr. Oetker erwirtschaftete mit mehr als 7000 Mitarbeitern weltweit 2008 einen Umsatz von fast 1,7 Milliarden Euro.
Das Tortenmehl gehört auch heute zu den meistverkauften Produkten aus dem Kathi-Sortiment. Es besteht noch heute, nach knapp 60 Jahren, aus den gleichen Zutaten wie nach dem Krieg.

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