Unternehmen Der Betongigant auf Rügen

Drei Kilometer lang ist der Betonriegel am Strand von Rügen, von den Nazis als Urlaubsparadies geplant. Seit der Wende verfallen die Gebäude. Mehrere Investoren stiegen bereits ein - und verschwanden wieder. Jetzt ist ein neuer Visionär am Start.

Am Rügener Strand, eingerahmt vom Fährhafen Mukran im Norden und dem Seebad Binz im Süden, wird das einsame Paradies zum Häuserwald. Hinter einem Kiefernstreifen erhebt sich der Betonriegel: Übergangslos reihen sich sechsstöckige Gebäude aneinander: kasernenhaft, abweisend, kalt. Knapp drei Kilometer schmiegt sich der Koloss an die Küste. Die Fenster sind blind, zerschlagen, die Fassade schmutzig, in den unteren Stockwerken sind Türen und Fenster vernagelt.

„Hier ist seit der Wende nicht viel passiert“, hatte Ulrich Busch bereits am Telefon gesagt. „Es braucht ein wenig Fantasie, um sich die Zukunft vorzustellen.“ Jetzt stapft Busch durch den Ostseesand. Ein kräftiger Mann mit breiten Schultern, in Designerjeans und Wanderstiefeln. „Das lässt sich in ein Kultobjekt verwandeln“, ruft der 46-Jährige, während er Richtung Düne läuft. 2006 hat er gemeinsam mit einem Partner zwei Blöcke der Anlage vom Bund gekauft: 36 Hektar beste Strandlage für 455.000 Euro. Bald sollen die Bauarbeiten beginnen, um die bröselnden Blöcke in schicke Ferienwohnungen und Hotels zu verwandeln. „Es ist ein einmaliges Objekt: diese Lage, die Architektur und die Geschichte.“

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Willkommen in Prora, Zeugnis nationalsozialistischen Größenwahns: In den 30ern als „Kraft durch Freude“-Seebad geplant, sollten hier nach dem Willen der Nazis 20.000 „Volksgenossen“ in acht Blöcken mit jeweils 1250 Räumen gleichzeitig Urlaub machen können, ideologische Stählung und Wehrertüchtigung inklusive. Daraus wurde nie etwas: Nach der Grundsteinlegung 1936 wurden die Bauarbeiter mit Kriegsbeginn nach Peenemünde abbeordert, später mussten Zwangsarbeiter den Rohbau mit Dächern versehen, 1943 stellte man die Bauarbeiten ganz ein. Zurück blieb ein Rohbau, in den nach Kriegsende die Rote Armee einrückte: Erfolglos versuchte sie, die Stahlbetonanlage zu sprengen. Fünf der Blöcke blieben erhalten, ihr Rohbau wurde eher notdürftig vollendet und zum militärischen Sperrgebiet erklärt, mit einem Erholungsheim für DDR-Offiziere. 1990 fiel Prora an die Bundeswehr, zwei Jahre später zog sie wieder ab. Der Bund blieb Besitzer der Liegenschaft.

Seitdem steht Prora größtenteils leer, ein Block wird seit Ende 2009 in eine Jugendherberge umgebaut, im Sommer wird sie eröffnet. Doch im Großen und Ganzen ist das denkmalgeschützte Areal im Frühjahr 2011 ein maroder Betongigant.

Und ein fortdauernder Stein des Anstoßes: Politiker, Investoren und Historiker streiten seit fast 20 Jahren über die Nutzung des Monuments. Wissenschaftler plädieren dafür, Prora so originalgetreu wie möglich zu erhalten. Doch das Geld dafür fehlt.

Das Geld für spektakuläre Visionen wollten Idealisten und Finanzjongleure immer mal wieder mitbringen. Etliche Male schien die Wende zum Greifen nah. Jetzt ist mit Busch erneut Rettung in Sicht. Seine Anhänger und Förderer gestehen ihm zu, so weit gekommen zu sein wie niemand zuvor. Andere sprechen von Selbstüberschätzung.

Das Scheitern der Investoren

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Aus dem Magazin
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