Unternehmen Der Euro ist tot, es lebe der Euro

Provokationen, politische Zwänge - und Ratlosigkeit: Nichts dominiert den diesjährigen Tag des deutschen Familienunternehmens so sehr wie die Euro-Krise.

Er stelle sich vor, erzählt Thilo Sarrazin den 400 Familienunternehmern, die sich im Berliner Hotel Adlon versammelt haben, wie die Kanzlerin mit einer langen Salami und einem scharfen Messer am Tisch sitze. Immer wenn wieder jemand gerettet werden müsse, schneide sie ein Stück ab. Nur: Die deutsche Salami sei keine Dauerwurst. Klatschen im Saal. Schluss mit den Transfers nach Südeuropa!

Als der Autor Hans Magnus Enzensberger über pseudodemokratische Zustände in Brüssel polemisiert, ist auch ihm der Applaus sicher. Die Familienunternehmer – geschlossen gegen Europa und die Rettungsschirme? Da erhebt sich im Saal ein Unternehmer: „Sie reduzieren Europa auf die finanzielle Seite“, ruft er. Es tue weh zu sehen, wie die Idee Europas am Boden zertreten werde. Applaus. Nach der Veranstaltung drücken Firmenchefs ihm die Hand: „Danke für Ihren Beitrag!“

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Selten waren die Familienunternehmer in ­einer Frage so zerrissen wie beim Euro. Es sei höchste Zeit, die Finanztransfers zu stoppen, hatte Gastgeber Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, zu Beginn der Berliner Tagung gefordert, der „Austritt und Ausschluss eines Landes aus der Euro-Zone“ müsse möglich sein. Die eingeladenen Politiker aber – ob Peer Steinbrück, Rainer ­Brüderle oder Ex-Kanzler Gerhard Schröder – halten nichts von radikalen Schritten. „Ohne den Euro“, erinnert Angela Merkel, „wären wir nicht so glimpflich durch die Krise gekommen.“ Und: „Deutschland geht es nur gut, wenn wir auch exportieren können.“

Der Unmut über das Krisenmanagement und Griechenland ist unter den Unternehmern dennoch groß – ebenso die Ratlosigkeit: Was ist zu tun? Allzu leicht aber lassen sich die Chefs nicht von einfachen Antworten blenden. Als der tschechische Präsident Vaclav Klaus bei einer Tischrede den Nationalstaat wieder aufleben lässt und die soziale Marktwirtschaft verdammt, verweigern ihm einige demonstrativ den Applaus. Zumindest Schraubenkönig Reinhold Würth gewinnt der Krise etwas Positives ab. „Wenn man in 50 Jahren zurückschaut“, blickt er nach vorn, „wird man sagen: Es konnte gar nichts Besseres passieren. So entstanden die Vereinigten Staaten von Europa.“

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 07/2012.

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