Unternehmen Der Küchenhelfer

Vom Brummifahrer zum Fachmann an Herd und Spüle: Kein anderer Partner des Franchisesystems von Küche & Co. erzielte im ersten Jahr einen so hohen Umsatz wie René Olbricht. Er ist der Sieger beim Preis Franchise-Gründer des Jahres 2012.

René Olbricht hat sich bei der Berufswahl nach der Schule gründlich geirrt: Nach einer Kfz-Mechanikerlehre fuhr er sechs Jahre als Berufskraftfahrer durchs Land. Ein einsames Dasein zwischen Raststätten und Parkplätzen. Wer den 40-Jährigen heute erlebt, kann sich dieses Leben kaum für ihn vorstellen. Olbricht ist einer, der gern plaudert. Ein offener Typ, der seine Zuhörer charmant in Diskussionen verwickelt. Ein geborener Verkäufer.

Das bemerkten auch seine Chefs. Bei einem Thüringer Feinkostunternehmen schaffte er in den 90er-Jahren den Sprung vom Fahrer zum Außendienstmitarbeiter, wenig später wurde er Filialleiter. Anschließend wechselte er in die Küchenabteilung des Versandhauses Quelle. Dort blieb er, bis der Mutterkonzern Arcandor 2009 in die Insolvenz ging.

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Olbricht haderte nicht lang, sondern heuerte als freier Handelsvertreter bei Küche & Co an. Nur ein Jahr später machte er sich dort als Franchisenehmer selbstständig. „Das Risiko schien mir überschaubar, und das Gefühl hat gestimmt“, sagt Olbricht. Bereits in den ersten zwölf Monaten schrieb er mit seinem Küchenstudio in München-Bogenhausen einen Umsatz von 1,25 Mio. Euro – mehr als jeder andere der 94 Franchisepartner bislang. Der Durchschnitt liegt bei 400 000 Euro im Gründungsjahr. „Olbricht zeigt, dass man in einem guten System auch ohne Erfahrung als Selbstständiger erfolgreich sein kann“, sagt Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer beim Deutschen Franchise-Verband und Jurymitglied.

Olbricht erklärt sich seinen Erfolg mit dem Spaß, den er heute bei der Arbeit hat. „Und wenn ich bestimmte Vorstellungen habe, lasse ich nicht locker.“ Dann verhandelt er mit Lieferanten, bis sie auch ausgefallene Sonderwünsche seiner Kunden erfüllen – im noblen Stadtteil Bogenhausen ist das nicht unwichtig. Für eine russische Familie etwa musste es unbedingt eine weiße Granitarbeitsplatte mit rotem Stern sein. Olbricht machte das möglich.

Eine weitere Besonderheit: Da sein Geschäft in einer Wohnstraße liegt und wenige Laufkunden kommen, erschloss er sich weitere Umsatzfelder. So kooperiert er mit Hausverwaltungen und baut Küchen in deren Mietwohnungen ein. Angesichts der guten Zahlen wurde Olbricht vom Franchisegeber und anderen Partnern bereits nach Expansionsplänen gefragt. Seine Antwort: „Das nächste Studio wird erst eröffnet, wenn das alte auf soliden Beinen steht.“

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 05/2012.

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