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Stephan Scholtissek, Chef des IT-Trainingsanbieters New Horizons

Stephan Scholtissek, Chef des IT-Trainingsanbieters New Horizons© Achim Multhaupt

Vom Topmanager zum Romanautor und Unternehmer: Der Chef des IT-Trainingsanbieters New Horizons hat schon einiges hinter sich.

Schon das Brot schmeckt, als käme es nicht aus der realen Welt, sondern frisch aus einem Stephan-Scholtissek-Roman: Nach Anis, mit der Konsistenz eines feinen Kuchens, nichts was es beim Bäcker um die Ecke gibt. So hat sich Scholtissek einmal die nahe Zukunft vorgestellt, in der sich Menschen ihr Brot wünschen und kaufen, ganz individuell, jeder genau so, wie er es mag. In „Stromland“, 2006 erschienen, skizziert Scholtissek ein Deutschland, in dem sich Menschen voller Unternehmergeist tummeln, Magnet­schwebezüge und Elektroautos durch die Landschaft sausen. Und in der Bahn gibt es ­sogar genug Platz zum Beineausstrecken. „Ich habe das geschrieben, um den Inhalt zu vermitteln“, sagt Scholtissek. „Einen Literaturnobelpreis gibt es dafür nicht.“

Der Unternehmer nimmt eine Gabel vom gebratenen Kaisergranat mit Gelbflossenmakrele und Dashi-Soße, der Vorspeise. Scholtissek hat das Restaurant „Küchenwerkstatt“ unweit des Ostufers der Hamburger Außenalster gewählt. Dort will der Michelin-Stern-gekürte Küchenchef Gerald Zogbaum nach eigenen Angaben „Bewährtes und Neues“ zusammenführen. Die Vorspeise zeigt: Er verbindet auch europäische Küche mit japanischen Elementen – wie Dashi.

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Hamburg ist seit zwei Jahren Stephan Scholtisseks zweite Heimat, seit er den Neuanfang als Unternehmer wagte. Davor gehörte er, wie es auf dem Romandeckel so schön steht, „zu den Topmanagern des Landes“, war Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture. Seine Frau und zwei Kinder im Teenageralter leben in München. 2011 übernahm Scholtissek die Mehrheit und die Geschäftsführung des IT-Trainingsanbieters New Horizons, Marktführer in Deutschland. Er schult Mitarbeiter vieler Firmen und bietet Computerkurse für Arbeitslose. Der Firmensitz war in Hamburg, also zog Scholtissek, zumindest für unter der Woche, in den Norden.

Eigentlich könnte er mit seinen 53 Jahren nur noch auf Mallorca am Strand liegen, so wie er es am liebsten im Urlaub macht. Er könnte den ganzen Tag klettern oder schwimmen. Unternehmensberater gehen oft mit Anfang 50 in den Ruhestand. „Ein Vorstand holt sich einen Berater, weil er etwas haben will, was jünger ist als er selbst“, sagt Scholtissek. Dazu kommt der stressige Arbeitsalltag, den die wenigsten bis zur Rente durchhalten. Scholtissek schlief zu Accenture-Zeiten mindestens drei Tage die ­Woche außer Haus. Müdigkeit war ihm aber fremd. Statt zu schlafen, schrieb er im Flieger lieber Bücher. Das hat er geschafft, weil er ein disziplinierter Mensch ist, obwohl er gern genießt. An diesem Mittag schiebt er die Weinkarte zur Seite und lässt sich eine tief dunkelrote Johannisbeerschorle ins Weinglas gießen. Wer etwas erreichen will, muss eben wach und fit sein. „Der Wunsch, alles selbst in der Hand zu haben, ist schon immer da gewesen“, sagt Scholtissek und lächelt auf eine Art, die der Romanautor Scholtissek wohl als „unternehmungs­lustiges Lächeln“ beschrieben hätte.

Eigentlich hätte er schon früher gründen können. Der Antrieb war da. Nach dem Studium als Biochemiker ging er in die Industrie, mit großen Plänen. Damals hatte man entdeckt, dass viele Möbel gesundheitsschädliches Formaldehyd ausdünsteten. Scholtissek entwickelte einen Schnelltest, bekam sogar ein Patent. Doch den Test auf den Markt zu bringen lag in der Verantwortung anderer Abteilungen. Es verging Zeit, so viel Zeit, dass die größte Formaldehyd-Panik in der Bevölkerung schon verflogen war. „Wir haben weniger verkauft, als wir hätten verkaufen können“, erinnert er sich. Der Frust darüber trieb ihn in die Beratung. „Berater war die einzige Zunft, die sich darum gekümmert hat, Dinge auf den Markt zu bringen.“

Ein Missionar

Das Hauptgericht wird serviert: Reh mit Schwarzwurzeln und Kumquats, das Fleisch ist hauchzart und mit einer fein-süßlichen Soße glasiert. „Ich muss viel häufiger hierherkommen“, flüstert der Unternehmer. Dazu müsste er erst mal mehr in Hamburg sein. Da New ­Horizons ein Franchise-System betreibt, mit Standorten im gesamten deutschsprachigen Raum, reiht sich wie in Accenture-Zeiten eine Dienstreise an die andere. Zwischen Termin und Flughafen kaut Scholtissek auf Ideen herum, nicht nur für sein Unternehmen. Deutschland muss besser werden. Das ist und bleibt seine Mission. Wenn Scholtissek sich warm redet, wirkt er wie ein Politiker. In Brasilien bekämen Familien nur dann Hilfe vom Staat, wenn sie ihre Kinder zur Schule schickten, sagt er. „Warum gibt es das nicht bei uns?“

Sein Leben ist eng getaktet. Oft kommt Scholtis­sek spät nach Hause. Ein gemeinsames Abend­essen finde nur selten statt. „Das ist der Preis“, sagt er. Hätte es keine andere Möglichkeit gegeben? Scholtissek ist am Dessert, Kokos mit Opalys-Schokolade. Natürlich, er hätte auch einen Saunabauer übernehmen können, erklärt Scholtissek. Er sei kurz davor gewesen, das zu machen. „Ich hätte aber die ganze Produktion erneuern müssen.“ Das wäre selbst ihm zu stressig geworden.

Küchenwerkstatt
Das kleine weiße Haus an der Alster wirkt von innen wie ein edles, heimeliges Bistro, nicht wie ein Gourmettempel. Dabei gilt Küchenchef Gerald Zogbaum als kreativer Shootingstar unter deutschen Topköchen. Mittags gibt es drei Gänge ab 35 Euro.
New Horizons
Mit 20 Standorten und rund 250 Mitarbeitern ist New Horizons der führende Anbieter von IT-Schulungen in Deutschland. Derzeit wächst das Unternehmen besonders stark mit Videoschulungen und weiteren Angeboten im Internet.
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