Unternehmen Der Pionier

Stefan Sievers war frustriert. Sein Einkommen stagnierte, obwohl er immer mehr schuftete. Dann wurde er der erste Partner eines neuen Franchisesystems für Physiotherapeuten namens Elithera. Sievers kam beim Preis Franchise-Gründer des Jahres 2012 auf den zweiten Platz.

Die Zukunftsaussichten für Stefan Sievers‘ alte Praxis waren wenig vielversprechend. Der Physiotherapeut und seine Frau arbeiteten viel, nicht selten „bis zum Anschlag“. Ihr Einkommen stagnierte trotzdem. „Noch mehr zu arbeiten wäre wohl der einzige Weg gewesen, den Umsatz zu steigern“, sagt der 44-Jährige rückblickend. „Das war keine wirklich befriedigende Perspektive.“

Die Wende brachte eine Begegnung, an die Sievers sich erinnerte. Bei einem Seminar für Qualitätsmanagement hatte er vor Jahren mit dem Dozenten diskutiert, Karsten Wegener, ebenfalls Physiotherapeut. Beide waren sich damals einig: Wachsen müsste man, aber nicht allein. Nach dem Seminar gingen beide Männer wieder ihrer Wege, blieben jedoch in Kontakt. Wegener begann mit der Planung eines Franchisesystems. Im Oktober 2010 unterschrieb der erste Partner bei Elithera: Stefan Sievers. Er eröffnete seine neue Franchisepraxis im schleswig-holsteinischen Marne.

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„Sievers leistet Pionierarbeit“, sagt Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer beim Deutschen Franchise-Verband und Mitglied der Jury, die den Physiotherapeuten auf Rang zwei der besten Franchisegründer setzte. „Elithera ist das erste zarte Pflänzchen in einer Branche, in der es bislang keine Franchisesysteme gab.“ Unter der Dachmarke arbeiten inzwischen 20 Praxen und Therapiezentren.

Die Jury würdigte auch, dass sich Sievers frühzeitig um das Qualitätsmanagement kümmerte. Ein Jahr nach dem Start ist sein Unternehmen bereits nach der ISO-Norm 9001:2008 zertifiziert. Zudem habe sich Sievers in einem schwierigen Umfeld durchgesetzt. Die Region Dithmarschen, in der seine Praxis liegt, hat viele Probleme: eine hohe Arbeitslosenquote, geringe Wirtschaftskraft, Entvölkerung. Dennoch ist der Umsatz im Vergleich zu früher deutlich gewachsen, auf rund 250 000 Euro in den ersten zwölf Monaten. Das liegt zum einen daran, dass Sievers nun Physiotherapie, Ergotherapie und medizinisches Gerätetraining unter einem Dach anbietet. Seine neue Praxis ist mit 640 Quadratmetern viermal so groß wie die alte. Zum anderen hilft ihm das Franchisesystem bei der Vermarktung und Werbung, auch bei arbeitsrechtlichen Fragen und der Verwaltung. „Ich habe jetzt nicht weniger Arbeit, aber sie fällt mir dank der Leistungen der Zentrale leichter“, sagt Stefan Sievers.

Anderthalb Jahre nach Vertragsabschluss ist er ein überzeugter Franchiser – und versucht, andere Partner auf Branchentreffen anzuwerben. Sein liebstes Argument für die Zusammenarbeit im System: In einer Studie habe er gelesen, dass Franchisenehmer seltener geschieden werden als andere Selbstständige, erzählt Sievers und lacht. „Ich bin jetzt 19 Jahre verheiratet – und das soll auch so bleiben.“

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 05/2012.

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