Unternehmen Der schwere Kampf um die Zukunft

Immer mehr Modefachhändler müssen ihre Geschäfte schließen. Innerhalb von zehn Jahren waren es deutschlandweit 12.000 - mehr als ein Drittel. Und das nicht nur, weil Verbraucher zunehmend online einkaufen statt durch Läden zu schlendern. Viele finden einfach keinen Nachfolger.

Jeden Tag schließen zwei bis drei Modefachhändler in Deutschland für immer ihr Geschäft – weil sie keinen Nachfolger finden oder mangels Erfolgsaussichten aufgeben müssen. In den Jahren 2000 bis 2010 ging die Zahl der Modefachhändler bereits drastisch um 12.000 auf 23.000 zurück, wie der Branchenverband BTE in Köln berichtete. Das Abschmelzen des Modefachhandels um etwa 1000 Unternehmer pro Jahr werde sich nach dem umfangreichen Abbau in den vergangenen Jahren tendenziell aber eher verlangsamen.

Aktuell bereiten vielen Unternehmern vor allem die wachsende Konkurrenz im Internet und kräftig steigende Energiekosten Sorgen. Weil Konsumenten zunehmend in der virtuellen Welt unterwegs sind statt durch Läden zu schlendern, sinken die Chancen der Modehändler, die Kundinnen und Kunden mit ihren Waren zum Lustkauf zu verführen.

Anzeige

Der deutsche Modefachhandel verzeichnete 2012 nach BTE-Schätzung ein Umsatzminus von etwa zwei Prozent auf rund 30 Milliarden Euro. Über die Ladentische gingen aber deutlich weniger Bekleidungsstücke. Die Preise für Bekleidung stiegen 2012 im Schnitt dagegen um ungefähr drei Prozent. Außerdem verändert ein Teil der Fachhändler das Sortiment zugunsten der oberen Preislagen. Den Männer wird bescheinigt, Mode-mutiger geworden zu sein – die Geschäfte mit der Herrenbekleidung blieben stabil. Der mehr als doppelt so große Markt für Damenmode schrumpfte dagegen deutlich.

Ein Umsatzrückgang um wenige Prozente kann nach Schilderung des Verbandes schon entscheiden, ob ein Fachhändler Gewinn oder Verlust erzielt. Bei jedem dritten Unternehmer verschlechterte sich 2012 die Ertragssituation. Aber fast ebenso vielen Händlern gelang es auch, ihre Ertragssituation zu verbessern. Auch bei den Umsatzerwartungen für 2013 ist das Bild gespalten, Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage. Der BTE erwartet 2013 ein kleines Umsatzplus für die Branche, wenn das Wetter mitspielt. Mildes Wetter hatte dazu geführt, dass Ende 2012 bei Wintermode schon frühzeitig die Preise purzelten.

Modekonzerne und große Ketten mit einem Jahresumsatz ab 100 Mio. Euro bauten ihren Marktanteil in den Jahren 2000 bis 2010 schon um fast 12 Prozentpunkte auf 48 Prozent aus. Pro Einwohner und Jahr kommt im deutschen Einzelhandel laut BTE ein Quadratmeter Verkaufsfläche hinzu. Große Modehändler hätten daran einen guten Anteil. Der Modefachhandel beschäftigt rund 330.000 Mitarbeiter.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...