Unternehmen Der tragische Wirtschaftskrimi Beluga

Vom Weltmarktführer zur Privatinsolvenz: Vertragliche Details werfen neues Licht auf die Rolle von Oaktree im Beluga-Skandal. Der zweiter Beluga-Geschäftsführer Emilio Reales-Bertomeo äußert sich erstmals öffentlich.

Während sich die Betrugsvorwürfe gegen Beluga-Gründer Niels Stolberg weiter erhärten, wirft die Rolle des amerikanischen Investors Oaktree neue Fragen auf. Nach Recherchen des Wirtschaftsmagazins ‘impulse‘ (Ausgabe 9/2011, EVT 25. August) wusste Oaktree schon früh von den Finanzproblemen bei der mittlerweile insolventen Reederei. Noch während der Verhandlungen im Sommer 2010 über einen Einstieg von Oaktree bei Beluga gewährte der Investor einen Überbrückungskredit in Höhe von 22,5 Millionen Euro. „Das ist, als wenn Sie Ihr Date schon beim zweiten oder dritten Treffen anpumpen“, so Beluga-Insolvenzverwalter Edgar Grönda gegenüber ‚impulse‘. Ohne diesen Kredit hätte PricewaterhouseCoopers die Bilanz 2009 nicht testiert.

Parallel zu den Vertragshandlungen durchkämmte Ernst & Young im Rahmen einer Due Diligence mehrere Monate das Unternehmen. Weder Ernst & Young noch Oaktree wollten Stellung dazu nehmen, ob sie bereits während dieser Prüfungsphase auf Unregelmäßigkeiten gestoßen sind. Bei Beluga sollen spätestens seit 2009 Umsatzzahlen im großen Stil manipuliert worden sein.

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Mit dem Vertrag zwischen Beluga und Oaktree, der im Oktober 2010 unterzeichnet wurde, erwarb der Investor 37,5 Prozent der Anteile am Unternehmen für lediglich 9,5 Millionen Euro. Dafür aber sagte Oaktree zu, 165,5 Millionen Euro Fremdkapital über eine luxemburgische Gesellschaft ins Unternehmen zu pumpen. „Es war ein sehr unüblicher Vertrag“, sagt einer, der maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt war. So wurden Trigger-in-Klauseln in das komplizierte Vertragswerk geschrieben, die es Oaktree erlaubten, die Kontrolle bei Beluga zu übernehmen, wenn bestimmte Rendite-Ziele nicht erreicht wurden.

Maßgeblich verhandelt hat das Vertragswerk für Beluga Emilio Reales-Bertomeo, der zweite Geschäftführer der Beluga Group, gegen den die Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt. Reales hat sich gegenüber ‚impulse‘ erstmals öffentlich geäußert. Er bestreitet, an Bilanzfälschungen beteiligt gewesen zu sein. Die Strukturen bei Beluga beschreibt er als chaotisch: Als er 2009 ins Unternehmen gekommen sei, habe das Organigramm de facto aus zwei Rechtecken bestanden: „Ein kleines ganz oben, das war Stolberg. Ein zweites großes darunter, das war der Rest.“ Auch die Unternehmenssoftware sei rückständig gewesen: „Außer Excel und Outlook gab es nichts.“ Eine Aussage, die sich mit dem Statement der Staatsanwaltschaft deckt, dass ein „strukturiertes Ablagesystem“ bei Beluga nicht existierte.

Im Februar 2011 kam es zu einem zweiten Vertrag zwischen Oaktree und Beluga, der im kleinsten Kreis verhandelt wurde: Reales-Bertomeo war bereits nicht mehr im Unternehmen, auch die Rechtsabteilung von Beluga war nicht involviert. Das Ergebnis: Oaktree erhöhte seine Anteile auf 49,5 Prozent, Stolberg verlor die Hälfte seiner Bezüge und durfte die Beluga Group nicht mehr allein vertreten. Warum Stolberg diesen Vertrag unterschrieb und ob Oaktree bereits von Unregelmäßigkeiten im Unternehmen wusste, ist unklar.

Stolberg bestreitet indes, Geld beiseite geschafft zu haben, das von der von ihm angemeldeten Privatinsolvenz verschont bleibt. „Das habe ich nicht gemacht. Ich habe einfach immer nur gearbeitet.“ Die Staatsanwaltschaft wird frühestens Ende des Jahres entscheiden, ob sie gegen Stolberg Anklage erhebt.

VorabmeldungDen ganzen Artikel lesen Sie in der impulse-Ausgabe 09/2011.

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