Unternehmen Der Umkrempler

Ohne jemals selbst Brötchen gebacken zu haben, übernahm Axel Franzen zwei Filialen von Backwerk in Düsseldorf. Und machte sie mit neuen Ideen zu Vorzeigebetrieben. Franzen kam beim Preis Franchise-Gründer des Jahres 2012 auf den dritten Platz.

Er ist der Shootingstar unter den Franchisenehmern von Backwerk: Axel Franzen verwandelte zwei durchschnittlich laufende Filialen der SB-Backkette in Vorzeigebetriebe. In einem Geschäft steigerte er den Umsatz binnen einem Jahr um 25 Prozent, in dem anderen um sechs Prozent. Backwerk plant bereits eine weitere regionale Expansion mit ihm.

Bevor Backwerk und Franzen zueinander-fanden, arbeitete der 40-Jährige als Filialleiter für eine Autovermietung, später betreute er Filialen bei Western Union und baute den US-Exportmarkt für ein deutsches Softwareunternehmen auf. In Amerika lernte er viele erfolgreiche Franchisebetriebe kennen und beschloss, sich ebenfalls als Partner in einem System selbstständig zu machen.

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Vor dem Start durchleuchtete er Dutzende Anbieter – und stieß dabei auf planlose Betreiber „mit ebenso schillernden wie unrealistischen Expansionsplänen“, wie Franzen sagt. Bei Backwerk fühlte er sich auf der gleichen Wellenlänge wie die Gründer. Die Prognosen und Perspektiven erschienen ihm realistisch. „Es zahlt sich aus, wenn Interessenten Franchisesysteme gründlich prüfen, bevor sie einen Vertrag unterzeichnen“, sagt Martin Ahlert, Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Franchising und Cooperation an der Uni Münster und Mitglied der Jury, die Franzen auf den dritten Platz der besten Franchisegründer wählte. „Schnellschüsse gehen oft nach hinten los.“

Backwerk übergab Franzen zwei Geschäfte in Düsseldorf, der Vorbesitzer war auf eigenen Wunsch ausgeschieden. „Existierende Franchisebetriebe zu übernehmen ist eine genauso große Herausforderung wie der Aufbau von neuen Läden“, sagt Franzen. „Dort gibt es festgefahrene Strukturen, die sich nicht immer leicht aufbrechen lassen.“ Franzen erhöhte die Qualitätsstandards, optimierte Arbeitsabläufe, verlängerte die Öffnungszeiten und stellte an einem Standort Stühle und Tische raus. Nicht alle Angestellten waren bereit, dem neuen Kurs zu folgen. So trennte sich Franzen von einem großen Teil der Belegschaft.

Heute beschäftigt er 15 Mitarbeiter, denen er vertraut. Trotzdem arbeitet er selbst täglich in beiden Filialen. „Management aus der Ferne – das kann nicht klappen“, sagt Franzen. Deshalb pendelt er morgens und abends je 70 Kilometer von Troisdorf bei Köln, wo er mit seiner Frau und seinen drei Kindern wohnt, nach Düsseldorf. Die Kunden ahnen davon nichts. Franzens Autokennzeichen beginnt mit dem vertrauten Buchstaben „D“. Schließlich würde kaum ein Düsseldorfer aus freien Stücken bei einem Kölner einkaufen.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 05/2012.

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