Leben Der Unermüdliche: Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wird 75 Jahre alt

Dieter Hundt ist noch Arbeitgeberpräsident

Dieter Hundt ist noch Arbeitgeberpräsident© BDA

Dieter Hundt ist der bisher am längsten amtierende Präsident der deutschen Arbeitgeberverbände. Wenn er in diesem Jahr abtritt, prägte er fast zwei Jahrzehnte lang die Wirtschaftspolitik in Deutschland.

Eine seiner größten Stärken? „Ich bin ein sehr regenerativer Typ“, sagt Dieter Hundt über sich selbst. Auch nach Sitzungsmarathons und nächtelangen Tarifverhandlungen habe er bei einem guten Buch oder guter Musik abschalten können. „Ich habe einen hervorragenden Schlaf“, sagt der langjährige Arbeitgeberpräsident.

Dieter Hundt wird heute 75 Jahre alt. 17 Jahre war er Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) – so lange wie keiner vor ihm.

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Pragmatischer Kommunikationsprofi mit langem Atem

Der in Esslingen geborene Schwabe hat die Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik maßgeblich mitgeprägt. Seine großen Verdienste liegen aber Jahre zurück. 2003 schmiedete er das – später gescheiterte – „Bündnis für Arbeit“ und 2004 handelte er den „Ausbildungspakt“ mit der Bundesregierung aus. Zuletzt machte er sich vor allem für die Wiederherstellung der Tarifeinheit stark.

Sein Hang zum Pragmatismus und sein Kommunikationstalent brachten Hundt Anerkennung, vor allem von seinen Verhandlungsgegnern. Als „sehr zuverlässig“ beschreibt ihn sein langjähriger Gegenpart, der ehemalige baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Gerhard Zambelli – „mutig“ sei Hundt. „Er hat auch mal etwas ausprobiert.“

In den verfahrenen Metall-Tarifverhandlungen 1995 wurde Hundt zusammen mit dem damaligen IG-Metall-Vize und späteren Arbeitsminister Walter Riester nach Bayern geschickt. Er löste den Knoten, musste für den hohen Abschluss aber viel Prügel einstecken. Selbst sein Unternehmen, der Autozulieferer Allgaier in Uhingen, wurde von Branchenkollegen geschnitten, erinnert sich Hundt. Trotzdem ist er immer noch stolz, dass er den Arbeitskampf damals abwenden konnte. „Jede Niederlage macht einen stark“, sagt er. Durchhalten – das hat Hundt in den Jahren gelernt.

Die Fähigkeit dürfte ihm vor allem in diesem Jahr geholfen haben. Der eingefleischte VfB-Fan, der in seiner Zeit bei den Metallarbeitgebern im Südwesten deren Kürzel VMI gerne mal mit VfB verwechselte, musste sich dem Ärger der Fans beugen und sein Mandat als Aufsichtsratschef niederlegen. Seiner Unterstützung für den Verein und für den Fußball – Hundt kickte selbst im Maschinenbaustudium als Mittelstürmer bei den Grasshoppers in Zürich – hat das keinen Abbruch getan. Er hoffe, dass der VfB in dieser Saison eine Qualifikation in Europa erreiche, so Hundt.

„Man muss mit seiner Art zurecht kommen, dann hat man große Freiräume“, sagt Allgaier-Chef Helmar Aßfalg, der 2008 Hundts Nachfolge im Unternehmen antrat, Hundt wechselte in den Aufsichtsrat. Geradlinig und direkt, humorvoll, ehrlich und zielstrebig sei er. „Er ist wie ein Perpetuum Mobile“, sagt Aßfalg.

Er will Kürzertreten – aber nur ein bisschen

Zur Ruhe setzen wird sich Hundt tatsächlich nicht, wenn er in diesem Jahr in Berlin als Arbeitgeberpräsident abgelöst wird. Neben diversen Aufsichtsratsposten bleibt Hundt Präsident der Arbeitgeber in Baden-Württemberg und Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich. Vor allem aber wird er sich als Aufsichtsratschef weiter seiner Firma widmen. Hundt und seine Kinder haben in diesem Jahr alle Anteile von der Familie Allgaier übernommen.

Und doch wolle er etwas kürzer treten, sein Leben ein bisschen weniger durchtakten, sagt Hundt. Sein Häuschen in der Steiermark nicht schon am 6. Januar verlassen, auch wenn die Schneeverhältnisse den passionierten Skifahrer noch locken. Ein bisschen mehr Zeit für sich und seine sechs Enkel beanspruchen: Vielleicht begleite ihn jetzt mal seine Frau auf einer seiner Dienstreisen, sagte Hundt. Und vielleicht nehme er sich auch einfach einmal Zeit für einen Abstecher. Denn soviel Hundt in seinem Berufsleben herumgekommen ist: „Ich kenne noch nicht einmal Berlin richtig.“

Seinen Kampfgeist allerdings hat Hundt auch nach Jahrzehnten in der Wirtschaftspolitik nicht verloren. Bevor er im September eine Pressekonferenz betritt, in der er die grün-rote Landesregierung im Südwesten zu seinen Lieblingsthemen Arbeitsmarkt- und Tarifpolitik ins Gebet nimmt, freut er sich sichtlich: „Jetzt geben wir eine Breitseite ab“, schmunzelt er.

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