Unternehmen Deutsche Banken kommen ohne Staatsgeld aus

Die europäische Bankenaufsicht signalisiert den deutschen Geldhäusern eine solide Kapitalausstattung. Um die Bewertung von Staatsanleihen ist unter den Euro-Ländern ein Streit entbrannt.

Deutschen Banken wird nach dem Blitz-Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA voraussichtlich kein frisches Staatsgeld aufgezwungen. „Es fehlen bei keiner Bank aufregend hohe Kapitalbeträge“, hieß es am Dienstag in Aufsichtskreisen. Die deutschen Institute profitierten davon, dass sie vergleichsweise hohe Summen in deutsche Staatsanleihen investiert hätten, die zuletzt stark im Wert gestiegen sind. Die Bundesbank hatte den Banken dieser Tage signalisiert, wie die Proberechnung der europäischen Bankenaufsicht EBA für die einzelnen Institute ausgefallen ist.

Innerhalb der Euro-Länder gibt es nach Informationen der Financial Times Deutschland aber noch heftigen Streit über die Bewertung von Staatsanleihen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob Banken ihre unrealisierten Kursgewinne bei Bundesanleihen mit den abgewerteten Krisenanleihen verrechnen dürfen.

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Vor allem Länder, deren Anleihen nicht gestiegen sind, begehren dagegen auf. Dem Vernehmen nach gab es dazu am Dienstagabend eine Abstimmung im Verwaltungsrat der EBA. Setzen sich die betroffenen Länder mit ihrer Forderung durch, müsste die EBA noch einmal neu rechnen. Wie in den vergangenen Tagen wollte sich die EBA auch am Dienstag nicht dazu äußern.

Am Wochenende hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU darauf verständigt, dass die größten europäischen Banken ihr Kapital aufstocken müssen, notfalls durch staatliches Zwangskapital. So sollen sie die Schuldenkrise besser überstehen. Die EBA hatte dazu in den letzten Wochen von den größten europäischen Banken die Investitionen in Staatsanleihen abgefragt. Um die potenziellen Verluste der Banken zu ermitteln, hatte sie die aktuellen Kurse europäischer Staatsanleihen unterstellt. Die Vertreter der Euro-Länder werden auf dem EU-Gipfel am Mittwoch über das weitere Vorgehen verhandeln.

Um als sicher zu gelten, müssen die Institute voraussichtlich ab Mitte 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent ihrer nach Risiken gewichteten Bilanzsumme vorweisen. Mit Blick auf die Debatte um staatliches Zwangskapital hatten die deutschen Banken schon Anfang der Woche Entwarnung gegeben. So hatte der Dachverband der Landesbanken, der Verband öffentlicher Banken (VÖB), den zusätzlichen Kapitalbedarf für die betroffenen deutschen Institute mit 5,5 Mrd. Euro beziffert.

Der Kapitalbedarf dürfte sich auf mehrere Häuser verteilen. Bleibt es bei der Marktbewertung von Bundesanleihen, gehen die meisten Institute davon aus, die Quote innerhalb der Frist aus eigener Kraft – etwa durch einbehaltene Gewinne oder Bilanzabbau – zu erreichen. So bekräftigte die Deutsche Bank am Dienstag, die Kernkapitalquote bis Juni 2012 zu erreichen.

Nach Informationen der Financial Times Deutschland wird unter den Landesbanken voraussichtlich die Nord/LB Kapital benötigen. Die Landesbank hatte schon den letzten Stresstest nur bestanden, nachdem ihre Träger frisches Stammkapital nachgeschossen hatten. Aber auch die Nord/LB wird die Quoten bis 2012 wohl aus eigener Kraft erhöhen könne. Ebenfalls knapp werden könnte es für die Landesbank Baden-Württemberg, die ein großes Volumen an kritischen Staatsanleihen hält. Laut Finanzkreisen könnten deren Träger bei Bedarf stille Einlagen in hartes Kapital wandeln. Keinen Kapitalbedarf haben dem Vernehmen nach HSH Nordbank und BayernLB. Die Helaba hofft darauf, dass ihre bald „gehärteten“ stillen Einlagen anerkannt werden und sie den Test besteht.

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