Unternehmen Deutsche kaufen sich aus der Krise

Das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft mausert sich zur Konjunkturstütze. Im dritten Quartal leisten die Ausgaben der Verbraucher einen ebenso großen Anteil am Wachstum wie der traditionell starke Export.

Der Aufschwung steht dank steigender Konsumausgaben auf immer stabileren Füßen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts steuerten die Verbraucherausgaben 0,3 Prozentpunkte zum Wachstum von 0,7 Prozent im dritten Quartal bei. Der Anteil war damit genauso groß wie der Außenhandel. Auch die Investitionen der Unternehmen in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen stützten die Konjunktur.

Deutschland bleibt die Wachstumslokomotive der Euro-Zone: Die Währungsunion wuchs nach vorläufigen Berechnungen von Eurostat mit 0,4 Prozent nur gut halb so stark wie ihre größte Volkswirtschaft.

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Die privaten Konsumausgaben stiegen wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit und der Aussicht auf spürbare Lohnerhöhungen um 0,4 Prozent. Das war bereits der dritte Zuwachs in Folge. Experten erwarten, dass das Geld der Verbraucher im kommenden Jahr noch lockerer sitzen wird. Die Zahl der Arbeitslosen soll dann so niedrig sein wie seit 1992 nicht mehr.

„Der größte Impulsgeber ist nicht mehr die Weltwirtschaft, sondern die Binnenwirtschaft“, sagte Unicredit-Ökonom Andreas Rees. „Wir werden unabhängiger vom Auf und Ab der Weltkonjunktur.“ Das sei auch ein sehr starkes politisches Signal, weil Deutschland damit einen Teil zum Abbau der weltweiten Ungleichgewichte leiste.

Trotzdem bleibt der Export einer der wichtigsten Stützen der Konjunktur. Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen stiegen im dritten Quartal um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Importe zogen um 1,9 Prozent an. Die Ausrüstungsinvestitionen kletterten um 3,7 Prozent, während die Bauausgaben um 0,4 Prozent schrumpfen. Die staatlichen Konsumausgaben legten um 1,1 Prozent zu.

„Wir sehen ein typisch deutsches Konjunkturmuster: Die ersten Impulse für den Aufschwung kommen vom Export, springen dann auf die Investitionen über und stimulieren schließlich den privaten Konsum“, sagte SEB-Volkswirt Klaus Schrüfer.

Vergleichen mit dem Vorjahresquartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 3,9 Prozent zu. Die meisten Experten rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum von rund 3,5 Prozent, das sich 2011 auf etwa 2,0 Prozent abschwächen dürfte. 2009 war das Bruttoinlandsprodukt wegen der weltweiten Wirtschaftskrise mit 4,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Im Frühjahr hatte es mit 2,3 Prozent noch das kräftigste Wachstum seit der Wiedervereinigung gegeben, begünstigt allerdings durch eine Reihe von Sonderfaktoren wie einer ungewöhnlich kräftigen Frühjahrsbelebung in der Baubranche. Zu Jahresbeginn betrug der Zuwachs 0,6 Prozent.

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