Unternehmen Deutsche Solarbranche kämpft um ihre Zukunft

Solarenergie - für Bosch zu unrentabel

Solarenergie - für Bosch zu unrentabel© digitalstock - Fotolia.com

Zahlreiche deutsche Solarfirmen sind in den letzten Monaten in die Insolvenz geraten. Zuletzt verkündete Bosch das Aus für seine Sparte. Eine Hoffnung der Branche liegt nun auf EU-Strafzöllen für die chinesische Konkurrenz. Ob diese die strukturellen Probleme lösen, ist fraglich.

„Sonnenkönig“ Frank Asbeck kämpft. „Wenn wir
diesen Markt aufgeben, dann haben wir uns für die nächsten Jahrzehnte
nicht richtig verhalten“, sagt der Chef des Photovoltaik-Pioniers
Solarworld. Er ist einer der letzten Überlebenden der Branche.

Fast alle seiner Konkurrenten hat Asbeck in den vergangenen
Monaten in die Knie gehen sehen. Solon, Q-Cells, zuletzt verkündete
selbst der Technologieriese Bosch das Aus seiner Solarsparte. Auch
Solarworld hat massive Probleme, Asbeck verhandelt derzeit mit
Gläubigern über einen Restrukturierungsplan.

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In der Bundesregierung wird die Entwicklung der Solarbranche mit
großer Sorge gesehen: „Das ist die letzte große Firma“, heißt es über
Solarworld. Trotz drei Rekordjahren in Folge mit über 22.000 Megawatt
an installierter Solarleistung in Deutschland geht der Abwärtsstrudel
der deutschen Solarindustrie wegen der China-Konkurrenz ungebremst
weiter.

Hoge Überkapazitäten

Ein Grund sind gigantische Überkapazitäten. 60.000 Megawatt
Kapazitäten stehe nur eine halb so große Nachfrage gegenüber, rechnet
Bernd Schüßler vom Solar-Fachmagazin Photon vor.

Für die Aktionäre der schwer gebeutelten Solarfirmen war 2012 ein
schweres Jahr. Die unrühmliche Liste der „größten Kapitalvernichter“
in Deutschland führt die insolvente Centrotherm Photovoltaik AG aus
dem schwäbischen Blaubeuren an, wie die Deutsche Schutzvereinigung
für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag in Frankfurt berichtete. Unter
den Top-Ten der Kapitalvernichter rangieren vier weitere Unternehmen
aus der Solarbranche. Diese hänge am „Subventionstropf der
Regierung“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Auch wegen der Euro-Schuldenkrise fehlen aber bisher große neue
Absatzmärkte, da es fast allen Ländern in der EU an Geld mangelt, um
üppige Förderprogramme für erneuerbare Energien aufzulegen. Der
deutsche Markt ist zudem bald erschöpft, bei 52.000 Megawatt
installierter Leistung soll die Förderung auslaufen. Derzeit sind es
bereits rund 33.000 Megawatt – bei voller Sonneneinstrahlung
entspricht dies der theoretischen Leistung von 24 Atomkraftwerken.

Deutscher Solarboom made in China

In diesem Jahr werden bereits Einspeisevergütungen für den
deutschen Solarstrom von 10,1 Milliarden Euro erwartet. Doch all die
finanzielle Unterstützung konnte nicht verhindern, dass der deutsche
Solarboom zuletzt vor allem „made in China“ war. Und nach Auslaufen
der Förderung ist unklar, ob es noch einen nennenswerten Markt für
Solarmodule in Deutschland geben wird. Hinzu kommen neue
Energietrends, wie der Boom beim Gas-Fracking in den USA, der eine
globale Trendwende zu erneuerbaren Energien abbremsen könnte.

Fieberhaft wird an Ideen zur Rettung der einstigen Vorzeigebranche
gefeilt. Bei der IG Metall denkt man aktuell über einen
Zusammenschluss europäischer Solarfirmen nach, um sie gegen den
Wettbewerb von außen zu wappnen. Schon Bundesumweltminister Peter
Altmaier (CDU) hatte ein europäisches Solar-Konsortium ins Spiel
gebracht, um Synergien zu nutzen. Da es sich aber um Unternehmen der
freien Wirtschaft handelt, müsse die Initiative dazu letztlich von
dort ausgehen, sagte sein Ministeriums-Sprecher am Dienstag.

„Firmen brauchen Zugang zu Kapital“

Aus der Branche wird die Forderung nach finanzieller Unterstützung
in Form von Bürgschaften oder Förderkrediten laut: „Die Firmen
brauchen Zugang zu Kapital, um diese Durststrecke zu überwinden“,
sagt Milan Nitzschke, Präsident der Initiative EU Prosun. Die
deutschen Firmen machen die chinesische Konkurrenz mit ihrer
aggressiven Preispolitik für ihre Misere verantwortlich. „Die Wurzel
des Übels sind die staatlich geförderten Darlehen für die
chinesischen Unternehmen“, glaubt Nitzschke.

Die größte Hoffnung liegt deshalb auf einem Dumping-Zoll der EU.
Die Kommission prüft eine Klage der europäischen Solarbranche gegen
chinesische Firmen. Anfang Juni könnte eine Entscheidung fallen. Aber
ob Strafzölle die Rettung wären, gilt als äußerst fraglich. Viele
deutsche Firmen arbeiten eng mit den Chinesen zusammen, liefern etwa
Maschinen für die Panelproduktion in Fernost. Höhere Preise für
Solar-Panels könnten zudem die Nachfrage einbrechen lassen.

Branchenverband hofft auf Selbstheilung

Wolfgang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung warnt
vor übertriebenen Hoffnungen: „Die Anti-Dumping-Zölle kommen zu spät.
Außerdem können sie über Taiwan umgangen werden“, sagt er. Beim
Branchenverband Solarwirtschaft hofft man immer noch auf die
Selbstheilung der Branche. In den USA und Asien wachse der Markt,
sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. „Im Ausland entstehen erste
sich selbst tragende Märkte.“

Ob das den verbleibenden Firmen hilft, ist offen. Inzwischen hat
die weltweite Pleitewelle selbst chinesische Firmen erreicht. Der
chinesische Solar-Gigant Suntech meldete vergangene Woche Insolvenz
an. Solarworld-Chef Asbeck kann die weltweite Misere nur noch
mit Galgenhumor nehmen: „Die Chinesen haben soviel kopiert, jetzt
kopieren sie sogar schon die Firmenpleiten.“

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