Unternehmen Deutscher Schiffbau sortiert sich neu

Die deutschen Werften haben angestammte Marktsegmente verloren und müssen sich neu orientieren. Die Branche setzt auf Innovation und den zukunftsträchtigen Offshore-Markt. Eine Studie ergab: Die Chancen stehen gar nicht so schlecht.

Die Schifffahrts- und Finanzkrise hat den deutschen Schiffbau deutlich Substanz gekostet. Allein in den vergangenen fünf Jahren mussten acht Werften sowie eine Reihe von Zulieferbetrieben aus dem Markt ausscheiden, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC PricewaterhouseCoopers, deren erste Ergebnisse am Mittwoch in Hamburg vorgestellt wurden. Der Containerschiffbau, einst eine Domäne deutscher Werften, ging völlig verloren.

Dennoch habe die Branche gute Zukunftschancen im Spezialschiffbau und bei der Offshore-Energiegewinnung von Wind, Öl und Gas. „Die Schiffbauindustrie hat sich bis heute insgesamt wacker geschlagen“, sagte PwC-Experte Holger Jandke, der Autor der Studie im Auftrag der fünf Küstenländer und des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM). „Die Branche wirtschaftet trotz massiver Nachfrage- und Preiseinbrüche ganz überwiegend profitabel und verfügt über eine gute Bonität.“ Ein Schlüsselrolle spiele neben Finanzierungsfragen und Kostenkontrolle vor allem die Innovationskraft zur Verlängerung des technologischen Fortschritts und zur Erschließung neuer Märkte.

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Im Vorfeld der 8. nationalen maritimen Konferenz in Kiel (8./9.4.) äußerte der Bremer Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) heftige Kritik an der Berliner Politik. „Die Küstenländer sind keineswegs zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung“, sagte er. Die Krise hinterlasse tiefe Spuren in der maritimen Wirtschaft, ohne dass die Wirtschaftspolitik darauf angemessen reagiere. Notwendig sei eine schlüssige Strategie für den gesamten maritimen Sektor, entsprechend seiner Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft.

Heino Bade von der IG Metall Küste kritisierte vor allem den schleppenden Ausbau der Offshore-Windenergie, der weit hinter den gesetzten Zielen zurückbleibe. „Wir haben praktisch ein Moratorium“, sagte er. Die Politik spreche nur über Strompreise, nicht aber über Chancen, Investitionen und viele tausend qualifizierte Arbeitsplätze in Norddeutschland durch den Ausbau der Offshore-Windenergie. Die Bundesregierung müsse durch aktives Handeln diese Chancen ergreifen. Die Gewerkschaft fordere ein industrielles Bündnis für erneuerbare Energien und Arbeitsplätze in Norddeutschland.

VSM-Vorsitzender Harald Fassmer wies auf die Überkapazitäten von 50 Prozent auf den globalen Schiffbaumärkten hin. „Die Situation ist brutal, die Überkapazitäten bauen einen enormen Druck auf.“ Es koste Zeit, die Betriebe von der Serien- auf Einzelfertigung umzustellen; Projekt- und Konstruktionsabteilungen müssten in den Unternehmen teilweise erst aufgebaut werden. Manche Unternehmen hätte auch zu spät die Wende vom Fracht- zum Spezialschiffbau vollzogen. Dennoch sei er zuversichtlich, dass die Kapazitäten der deutschen Werften auch in einigen Jahren noch ausgelastet seien.

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