Unternehmen Deutscher Wirtschaft droht Einbruch Ende 2011

Düstere Prognose von der OECD: Für das Schlussquartal rechnen die Volkswirte mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes. Trifft die Vorhersage zu, wäre Deutschland zum Jahresende die schwächste große Industrienation der Welt.

Der deutschen Wirtschaft droht nach Einschätzung der OECD zum Jahresende 2011 ein Einbruch. Für die letzten drei Monate prognostizieren die Volkswirte der Industriestaatenorganisation einen auf das Jahr hochgerechneten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,4 Prozent. Gegenüber dem dritten Quartal 2011 entspricht die dies einem „echten“ Minus von 0,3 Prozent.

Anfang des Jahres legte die heimische Wirtschaft noch um kräftige 1,3 Prozent von Quartal zu Quartal zu. Im Frühjahr schaffte sie nur noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent.

Anzeige

Sollten die am Donnerstag in Paris vorgestellten Prognosen eintreffen, wäre Deutschland im Schlussquartal 2011 die schwächste große Industrienation der Welt. Für Länder wie die USA, Frankreich oder Kanada sagen die Volkswirte noch Wachstum voraus.

Die Regierungen in Washington und Paris können von Oktober bis Ende Dezember beispielsweise ein auf das Jahr hochgerechnetes Quartalswachstum von 0,4 Prozent erwarten.

Schlechte Aussichten für Italien

Auch für das hoch verschuldete Italien gibt sich die OECD skeptisch und sagt für das dritte Quartal eine annualisierte Rate von minus 0,1 Prozent voraus. Die G7-Staaten – ohne Japan – dürften im zweiten Halbjahr im Schnitt um weniger als ein Prozent zulegen. Für Japan gilt eine Sonderkonjunktur. Denn der Wiederaufbau nach der Katastrophe mit Erdbeben und Flutwelle werde für ein überdurchschnittliches Wachstum sorgen.

Die OECD betonte bei der Vorstellung des Berichts, dass die Unsicherheit der jüngsten Prognosen relativ hoch sei. Hintergrund seien beispielsweise die ungewissen Folgen des in Deutschland geplanten Atomausstiegs.

An den Aktienmärkten wurde die Prognose gelassen aufgenommen. Der DAX fiel zwar vorübergehend um rund 30 Zähler, legte danach aber wieder zu und hielt sich rund ein Prozent im Plus. Auch der Euro Stoxx 50 knickte nur kurzzeitig ein und notierte 1,3 Prozent über dem Vortagsniveau.

Nach Ansicht der OECD sollten die Notenbanken in den Industriestaaten bei anhaltender Konjunkturflaute ihre Zinsen senken. Sollte es dafür keinen Spielraum mehr geben, könnten die Währungshüter weitere Eingriffe etwa auf dem Anleihenmarkt vornehmen.

Die Organisation nannte jedoch konkret keine Notenbank, dürfte aber die Europäischen Zentralbank und die US-Fed gemeint haben. Die EZB stützt mit ihren umstrittenen Anleihe-Käufen hoch verschuldete Euroländer wie Italien und Spanien.

Die Fed erwägt, ein drittes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen aufzulegen, um der schwächelnden US-Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Sollte sich die Lage in der USA verschlechtern, könnte eine weitere Lockerung der Geldpolitik angebracht sein, sagte OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan.

Europas Notenbank berät derzeit über ihr Vorgehen und wird ihre künftige Ausrichtung am Nachmittag auf einer Pressekonferenz darlegen. Sie wird nach Einschätzung von Fachleuten signalisieren, dass sie in ihrem Zinserhöhungszyklus vorerst eine Pause einlegt. Grund dafür sind wohl die unerwartet kräftige Konjunkturabkühlung und die Verunsicherung nach den Börsen-Turbulenzen.

Die OECD betonte, die Wirtschaft in den Industriestaaten wachse deutlich langsamer als noch vor drei Monaten gedacht. In einigen Länder sei fast der Stillstand erreicht. „Aber wir glauben nicht, dass sich hier die Rezession von 2008/09 wiederholt“, sagte Padoan. Sollten sich die Wachstumsaussichten weitern verschlechtern, müsse die Politik rasch handeln. Von den G7- und G20-Staaten müssten starke Signale kommen, um verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, forderte Padoan. Hoch verschuldete Länder sollten ihre Schuldenberge abtragen und mit wachstumsfördernden Strukturreformen flankieren.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...