Unternehmen Deutschland kein optimaler Standort für Familienunternehmen

Familienunternehmen finden in Deutschland nicht die besten Voraussetzungen. Im Ranking von 18 Ländern landet die Bundesrepublik nur auf Platz 11. Minuspunkte gibt es vor allem wegen des komplexen Steuersystems und hoher Energiepreise.

Trotz guter wirtschaftlicher Lage ist Deutschland kein optimaler Standort für Familienunternehmen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt hat.

Kritik übten die Forscher zum Beispiel an der Bürokratie in Deutschland und dem komplexen Steuersystem. 221 Arbeitsstunden im Jahr brauchen Familienunternehmen in Deutschland laut Studie im Durchschnitt, um ihre Steuer- und Abgabepflichten zu erledigen – rund 20 Stunden mehr als vor zwei Jahren. In Luxemburg sind es zum Beispiel nur 59 Stunden. In der Schweiz käme eine Firma mit 63 Stunden aus. Französische Unternehmen brauchen im Schnitt 132 Stunden.

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Ein „gravierender Standortnachteil“ ist laut Studie auch die Erbschaftsteuer. Sieben Länder in Europa (Luxemburg, Österreich, Schweden, Schweiz, Polen, die Slowakische Repu¬blik und die Tschechische Republik) verzichten demnach auf die Besteuerung von Erben. Andere gewähren weitgehende Steuerfreiheit für nahe Verwandte wie Ehegatten oder Kinder.

Ein großer Nachteil für Familienunternehmen sind auch die hohen Energiekosten. Strom ist in Deutschland zum Teil deutlich teurer als in den meisten untersuchten Ländern. Eine Kilowattstunde kostet hierzulande den Angaben zufolge durchschnittlich 11,4 Cent. Nur in Italien (13,9 Cent) und in der Slowakei (11,8 Cent) kostet Strom noch mehr. Am günstigsten ist der Strom in den USA (5 Cent/KWh). Dafür fällt in Deutschland der Strom nicht so häufig aus wie in anderen Ländern, durchschnittlich 19 Minuten im Jahr. In Polen und der Slowakei sind es sechs bzw. sieben Stunden.

Auch für die hohen Arbeitskosten gab es Abzüge. Pro geleistete Arbeitsstunde müssten deutsche Unternehmen im Schnitt rund 34 Euro zahlen, polnische Unternehmen dagegen zum Beispiel lediglich sechs Euro. Am teuersten ist die Arbeitnehmerstunde mit 40 Euro in der Schweiz.

Beim Thema Finanzierung steht Deutschland dagegen deutlich besser da. Bei der Frage, wie gut sich Familienunternehmen Geld für Investitionen oder Betriebsmittel beschaffen können, erreicht es immerhin Platz 7. Bei der Transportinfrastruktur schafft es Deutschland sogar auf Platz 5. Im Vergleich zum Ranking in 2010 überholte Frankreich allerdings in dieser Kategorie – dank besserer Noten für die Fluginfrastruktur.

Deutschland solle sich nicht zu selbstzufrieden geben, fassen die Forscher zusammen. „Unser Land ist als Standort von Familienunternehmen zehn anderen Staaten klar unterlegen“, sagte Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.
„Im Kontrast zu anderen Ländern zeigt sich: Die ökono¬mische Robustheit Deutschlands ist in vielen Fällen nur gefühlte Stärke.“

Die Studie wurde bereits zum dritten Mal vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung durchgeführt. Auch beim letzten Ranking in 2010 belegte Deutschland Platz 11. Spitzenreiter des Länderrankings ist die Schweiz vor Finnland und Dänemark. Italien liegt auf dem letzten Platz.

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