Unternehmen Die Allzweckwaffe jeder Hausfrau

"Wer klug ist, nimmt – hat er die Wahl – für alle Zwecke nur Neutral." Diesen Satz beherzigte ab den 50er Jahren jede gute Hausfrau in der DDR. Umsichtige Gattinnen und Mütter begleitete das Waschmittel sogar auf Reisen – ob ins FDGB-Ferienheim Graal-Müritz oder zum Camping nach Baabe.

„Linda“. Der Name prangt schon auf dem Schild am Werkstor in Schwerin-Zippendorf, als sich der Kosmetikhändler Emil Dünfründ 1947 dort einquartiert. Gemeinsam mit einem auf Reinigungsmittel spezialisierten Geschäftspartner produziert er Zahnpasta, Haushaltschemie und Bohnerwachs. Um die Produktion aufrechtzuerhalten, muss Dünfründ in den ersten Jahren als Schieber tätig werden: Auf dem Schwarzmarkt handelt er über alle Besatzungsgrenzen hinweg mit Naturalien. Butter gegen Zigaretten, Zigaretten gegen Benzin, Benzin gegen Fett für Seifen. Als die Engpässe zu drückend werden, steigt die Stadt Schwerin ins Unternehmen ein.

Gemeinsame Forschung im Waschmittelkombinat

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Dünfründ wird Ende der Vierziger Jahre enteignet, das Werk ab 1951 als Volkseigener Betrieb weitergeführt. Zwei Jahre später sind rund 70 Mitarbeiter in der Produktion tätig. Die Kosmetikherstellung wird komplett ausgelagert, fortan forschen die Chemiker an einem Waschmittel, das auch bei niedrigen Temperaturen nahezu alle Flecken beseitigen kann. Sie verzichten auf Oxidations- und Konservierungsmittel, auch Aufheller sind tabu. Schließlich ist die richtige Rezeptur gefunden – und die wird bis heute streng geheim gehalten.

Ab 1954 wird die Waschpaste in Serie hergestellt. Im ersten Produktionsjahr verlassen 20 Tonnen Linda Neutral die Fabrik, verpackt in Hartpappschachteln mit buntem Etikett. Schon bald sind die Dosen aus den ostdeutschen Haushalten nicht mehr wegzudenken. Auf ihrem Deckel prangt ein geschwungenes L, umrahmt von einer Schaumwolke. Ein Jahr später wird das haut- und faserschonende Feinwaschmittel in Duroplast-Dosen abgefüllt. Die 150-Gramm-Dose Linda Neutral kostet zu dieser Zeit 1,05 Ost-Mark. 1964 erreicht das Schweriner Linda-Werk ein Produktionsvolumen von 1700 Tonnen Linda Neutral, ab 1980 wird die Waschpaste in 900-Gramm-Dosen zum Preis von 4,35 Ost-Mark vertrieben. Nachdem das Linda-Werk 1981 ins Waschmittelkombinat Genthin aufgenommen wird, forschen und entwickeln die Chemiker gemeinsam mit Kollegen anderer Volkseigener Betriebe der Branche.

Schon kurz nach dem Mauerfall übernehmen der damalige Kombinatsdirektor Günther Deichmann und sein technischer Leiter Peter Willöper den VEB und überführen ihn in die Linda Waschmittel GmbH. Bald darauf wird in einem neuen Werk produziert. 2006 übernehmen der Diplomingenieur Ulf Heyer und der Chemiker Frank Giesel die Geschäftsführung bei Linda. Unter ihrer Ägide wird die Produktion umgestellt und erweitert – mittlerweile werden auch Reiniger und Handreiniger für den privaten und den gewerblichen Bedarf hergestellt.

Heute beschäftigt die Linda Waschmittel GmbH & Co. KG 17 Mitarbeiter. 2008 war für den Waschmittelproduzenten das erfolgreichste Geschäftsjahr seit 1990: Der Umsatz stieg auf 1,7 Millionen Euro.

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1 Kommentar
  • Elke Henze 28. Januar 2015 13:16

    Ich möchte gerne wissen in welche Supermärkte, wie z.B. Kaufland, Linda Flecken weg zu kaufen ist. Bei Pfennig Pfeifer gibt es Flecken weg nicht mehr. Ich benutze dies schon sehr lange und ist fast alle, ich brauche unbedingt neues.

    Mit freundliche Grüsse

    Elke Henze

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