Unternehmen Die Deutschen sind lieber angestellt

Die Bereitschaft sich Selbstständig zu machen ist in Deutschland trotz der Wirtschaftskrise unverändert - niedrig. Das ergibt die Gründerklima-Studie "Global Entrepreneurship Monitor". Doch zumindest auf einem Sektor scheint Besserung in Sicht.

Deutschland ist somit ein Land der Arbeiter und Angestellten und wird es wohl auch bleiben. Denn lediglich vier Prozent aller Erwerbstätigen planen oder gründen ein Unternehmen, womit der Anteil der Gründer seit zehn Jahren unverändert niedrig ist. Mit diesem Ergebnis landet Deutschland im Ranking des am Mittwoch vorgestellten Global Entrepreneurship Monitors (GEM) auf Platz 15 von 20 Ländern der OECD und anderen innovationsbasierten Volkswirtschaften. Die Ergebnisse der Gründerklima-Studie speisen sich in Deutschland aus Antworten von über 6.000 Erwachsenen, die Forscher der Leibniz-Universität Hannover und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ausgewertet haben.

43 Prozent der Befragten entscheiden sich demnach aus Angst zu scheitern gegen eine Unternehmensgründung. 32 Prozent der angehenden Unternehmer gaben an, nicht aus Freiheitsliebe oder Selbstverwirklichung, sondern aus Mangel an Erwerbsalternativen diese Laufbahn einschlagen zu wollen. Das zeigen Daten aus dem Report, die die Forscher exklusiv für impulse ausgewertet und zusammengestellt haben.

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Der Nutzen von Förderprogrammen ist fraglich

Auf Seiten der Politik sind Förderprogramme für Unternehmensgründer seit jeher beliebte Stellschrauben wirtschaftlichen Wachstums. Allerdings scheint ihr Nutzen fraglich, wie die GEM-Daten belegen: „Die Hypothese, dass staatliche Fördermittel Gründungsaktivitäten fördern, lässt sich mit den Daten aus den vergangenen zehn Jahren nicht zweifelsfrei belegen“, äußerte Prof. Rolf Sternberg, Leiter des deutschen GEM-Teams, gegenüber impulse. Die Initiativen von Bund, Ländern und der Europäischen Union bildeten ein oft undurchschaubares Netz aus finanziellen Hilfen.

Experten, die für den deutschen GEM-Monitor befragt wurden, wünschen sich eine Steuerreform, die Anreize für Investoren schafft. Sie habe mehr Potenzial, „zur Überwindung des herrschenden Gründungsdefizites“ beizutragen, als weitere Förderprogramme. Die größten Schwächen Deutschlands liegen neben den fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten allesamt im kulturellen Bereich. „Sich als Selfmade-Man ein Unternehmen aufzubauen, gilt in den USA als erstrebenswert“, erklärte Forscher Sternberg dazu. „Die Deutschen wünschen sich dagegen eher, dass alle Menschen einen ähnlichen Lebensstandard haben. Das passt schlecht zusammen mit Wettbewerb und Unternehmertum.“ Unternehmer würden in Deutschland vielfach nicht als Macher, sondern Ausbeuter wahr genommen werden. Das lernten die Kinder schon in der Schule. Veraltete Lehrpläne der Regierung und ihr Einfluss auf Schulbuchverlage unterstützten das feindliche Klima in Schulen gegenüber Firmengründungen, wie Studien belegen.

Ein Hoffnungsschimmer zeichnet sich dennoch ab: Bei den wichtigen Hightech-Gründungen, die hierzulande rund vier Prozent aller Vorhaben ausmachen, liegt Deutschland auf Platz fünf. Da diese Gründungen auf nachhaltiges Wachstum und Arbeitsplätze hoffen lassen, werde laut Sternberg die Schwäche im Gesamtranking teilweise relativiert.

Der Global Entrepreneurship Monitor (www.gemconsortium.org) wird seit 1999 jährlich veröffentlicht. Er erfasst die unternehmerischen Aktivitäten auf nationaler Ebene.

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