Unternehmen Die dunkle Drohkulisse der digitalen Welt

Viele Redaktionen leiden unter sinkenden Anzeigezahlen, aber auch mittelständische Druckunternehmen kommen stärker in Bedrängnis. Die Betriebe fragen sich: Wohin mit all den Mitarbeitern?

Der Boom bei elektronischen Medien macht den mittelständischen Druckunternehmen in Deutschland immer mehr zu schaffen. Im vergangenen Jahr konnte die Industrie nicht vom allgemeinen Wirtschaftsaufschwung profitieren und verlor Umsätze, teilte der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) mit. Im laufenden Jahr stünden die Zeichen auf Stagnation. Seit Jahren setzte sich auch der Stellenabbau stetig fort. 2010 fiel die Zahl der Beschäftigten erstmals unter die Marke von 160.000 – mit 158.750 Menschen waren 7150 weniger in der Branche beschäftigt als ein Jahr zuvor.

Im Boomjahr 2010 erwirtschafteten die rund 10.000 Unternehmen der deutschen Druckindustrie einen Branchenumsatz von etwa 20,3 Mrd. Euro – ein Minus von 2,5 Prozent im Vergleich zum schwachen Vorjahr, während das verarbeitende Gewerbe insgesamt um 14,5 Prozent zulegte. „2010 hat sich die Druckindustrie von der guten Entwicklung der Gesamtwirtschaft abgekoppelt“, sagte bvdm-Präsident Rolf Schwarz. Hinzu komme, dass steigende Kosten für Papier und Energie die Ertragslage in den Betrieben belasteten. In der Druckindustrie gehe es frühestens 2012 wieder leicht um 1,5 Prozent bergauf, sagte Schwarz – vorausgesetzt, die dynamische Konjunkturentwicklung hält an.

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Talsohle muss erst erreicht werden

Der Konsolidierungszwang in der Druckindustrie wird in den kommenden Jahren anhalten, etwa weil sich Internetmedien zulasten der Drucker ein immer größeres Stück vom wichtigen Werbekuchen abschneiden, sagte bvdm-Hauptgeschäftsführer Paul Albert Deimel: „Wir müssen erst die Talsohle erreichen, um uns dann auf geringerem Niveau zu stabilisieren.“ Die Branche dürfe jedoch nicht schlechtgeredet werden – obwohl sie nach den Angaben in den vergangenen zehn Jahren 3879 Betriebe und mehr als 64.000 Beschäftigte verlor.

Der Stellenabbau werde sich schon wegen des technologischen Fortschritts fortsetzen, durch den immer weniger Beschäftigte an den Maschinen gebraucht würden, sagte Verbands-Volkswirtin Nora Lauterbach. Nach jeweils minus rund 4 Prozent in den vergangenen zwei Jahren werde sich der Jobverlust allerdings verlangsamen.

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