Unternehmen Thomas Busch: „Die fatale Entscheidung, an der Qualität zu sparen“

Thomas Busch, 74, Beiratsvorsitzender und Hauptgesellschafter des Solinger Versandhauses Walbusch, über die fatale Entscheidung, an der Qualität zu sparen.

Wir waren damals mitten in un­serer Sturm-und-Drang-Periode, 1996 setzten wir mit 500 Mitarbeitern 130 Mio. Euro um. Als erfolgsverwöhnter Unternehmer wollte ich ­weitere Marktanteile gewinnen. Da machte ich einen schlimmen Gedankenfehler: Ich kam auf die Idee, Kunden einen kostenlosen Tragetest anzubieten. Wer wollte, konnte sich ein Hemd mit Kragen ohne Knopf bestellen, es zehn Tage lang testen und dann entscheiden, ob er es ­zurückschickt oder behält – für 25 D-Mark.

Das Problem war: Für diese Summe konnte man keine Qualität liefern. Also speckten wir das Testhemd ab, mit schlechterem Gewebe und anderen Nähten. Ein Kardinalfehler. Wir bekamen zwar körbeweise Zuschriften von Leuten, die ein billiges Hemd bestellten, aber sie hatten kein Interesse an weiteren Produkten. Und die Kunden, die wir mit unserer Marke sonst ansprachen, waren von der Qualität enttäuscht. So stürzte die Wiederkaufsrate ab, die für uns als Versandhaus enorm wichtig ist; wir leben davon, dass Erstbesteller erneut bei uns kaufen. Der Umsatz brach um fünf Prozent ein – ein Debakel: Zuvor waren wir zweistellig gewachsen.

Anzeige

1998 wurde uns klar, dass wir auf dem Holzweg waren, ein Jahr später beendeten wir die Aktion. Durch das fürchterliche Experiment waren Kunden in unsere Kartei gerutscht, zu denen wir nicht passten. Es dauerte Jahre, bis das ­bereinigt war. Erst im Jahr 2000 nahmen wir langsam wieder Fahrt auf. Dieser Fehler ist mir eine wichtige Lehre gewesen. Die Führung, eine kleine Mannschaft, war damals ganz auf mich ausgerichtet, den alleinigen Inhaber. Die Mitarbeiter vertrauten mir, schließlich hatte ich die Firma von kleinsten Anfängen zu respektabler Größe geführt. Heute würde uns solch ein Fehler nicht mehr passieren, weil wir stärker im Team entscheiden und bei wichtigen Weichenstellungen jeweils Sparringspartner haben.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 09/2012.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe des Unternehmermagazins impulse jeden Monat frisch nach Hause geliefert. impulse gibt es auch zum Download als PDF sowie in einer mobilen Version für Tablets und Smartphones als impulse-App für Android und iOS.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...