Unternehmen Die Gratwanderung des Air-Berlin-Chefs

Flugzeug, Air-Berlin, Lufthansa

Ein Flugzeug am nahezu wolkenlosen Himmel.© Mirpic - Fotolia.com

Am 17. April sitzt Wolfgang Prock-Schauer 100 Tage auf dem Chefsessel von Air Berlin. Experten trauen ihm die Sanierung der krisengeschüttelten Airline zu. Doch seine Strategie ist umstritten.

Er war gerade eine Woche im Amt, da musste Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer eine Hiobsbotschaft verkünden: Fast jede zehnte Stelle fällt weg. Kein leichter Start für einen Mann der sonst eher leisen und vorsichtigen Worte. Der Österreicher mit dem schlohweißen Haar und der markanten schwarzen Brille sieht sich eher als ruhigen Brückenbauer. Nach 100 Tagen im Amt trauen Experten dem besonnenen Mittfünfziger eine Sanierung der Fluggesellschaft zu.

Prock-Schauer sei vom Typ her fast ein Muster-Airline-Chef, meint Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. „Die Passagiere wollen keinen Schausteller oder Schreihals“, sagt er mit einem Seitenblick auf Vorgänger Hartmut Mehdorn. Prock-Schauer vermittele – ähnlich wie Lufthansa-Chef Christoph Franz – vor allem ein Gefühl der Sicherheit. Im Luftverkehr keine schlechte Eigenschaft.

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Doch die Euphorie bei Air Berlin ist gebremst. Obwohl die Fluggesellschaft 2012 erstmals nach vier Jahren wieder schwarze Zahlen auswies, bleibt die Prognose bestenfalls grau. „Schnelle Erfolge wird es nicht geben“, sagte Prock-Schauer vor kurzem dem „Handelsblatt“. Er fährt einen harten Kurs: Streckennetz, Flotte und Personal, alles muss schrumpfen. Ob dieser Sparplan ausreicht, will Air Berlin nicht beantworten – genauso wenig wie Fragen zum Stellenabbau und wichtigen Veränderungen im laufenden Jahr.

Das Sanierungsprogramm „Turbine“ sei der richtige Ansatz, sagt Aktionärsschützer Malte Disselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Bevor es 2012 gelang, habe Air Berlin über Jahre immer wieder schwarze Zahlen versprochen, die Ziele dann aber doch nach unten korrigiert. Statt zu sparen seien Schulden gemacht worden.

Ein Umdenken ist bei Air Berlin auch auf anderer Ebene zu spüren: Die Mitgliedschaft in der Oneworld-Allianz kocht seit längerem nur noch auf Sparflamme. Sie seien da „pragmatisch“, meint Prock-Schauer. Eine Allianz sei „wie ein Club, in dem man sich die Partner suchen kann“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Kooperation mit dem arabischen Großaktionär

Stattdessen setzt die Fluggesellschaft auf die Kooperation mit dem arabischen Großaktionär Etihad, die im vergangenen Jahr 50 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz brachte. Im arabischen Raum sehen Experten mit Dubai und Abu Dhabi die neuen Drehkreuze im Luftverkehr. Mit Etihad ist Air Berlin zudem so eng vernetzt, dass sogar Piloten ausgeliehen und gemeinsam Sitze angeschafft werden. Das Wort „Tochter“ hört Prock-Schauer in diesem Zusammenhang zwar ungern, gibt aber frei zu, dass es ohne die Partnerschaft schlecht aussähe.

Auch das Wort „Hybrid-Airline“ möchte Prock-Schauer am liebsten ausradieren – und mit ihm wohl auch die Kritik vieler Experten an der Positionierung der Airline irgendwo zwischen Geschäfts- und billigen Touristenflieger. Während auch Disselhorst in dieser Mischausrichtung einen Erfolgsfaktor sieht, sagt Schellenberg deutlich: Air Berlin muss sich entscheiden. Von der einen Seite drücke inzwischen Lufthansa mit günstigen innerdeutschen Germanwings-Angeboten, von der anderen neue Low-Cost-Airlines wie Vueling aus Südeuropa.

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