Unternehmen Die kleine Nascherei für jedermann

Das Kultbonbon aus dem Osten wird in diesem Jahr 55. Zu DDR-Zeiten war die Süßigkeit mit Pfefferminz-, Zitronen- und Himbeergeschmack ein Verkaufsschlager. Nach der Wende drohte dem Dragee das Aus - wenn da nicht Betriebsleiter Wilfried Opitz gewesen wäre.

Jedes Kind kannte die kleinen viereckigen Bonbons. In schmalen Stangen verpackt waren sie bei allen Ausflügen dabei, wurden fleißig in den Schulpausen gelutscht. Und bei einem Preis zwischen acht und zehn Pfennigen war der nötige Nachschub stets erschwinglich. An den Apothekenkassen lagen sie aufgereiht in Pappschachteln mit dem typischen Blumenlogo. Das Lutschbonbon war in der DDR so beliebt, dass Pfeffi zum geflügelten Wort für Erfrischungsdragees wurde. So wie heute Tempo für Zellstofftaschentücher steht. Seit 2000 sind sie wieder erhältlich, produziert in sächsisch-bayerischer Teamarbeit.

Konsü, die Abkürzung für Konsum-Bonbon-Spezialbetrieb, in Markkleeberg bei Leipzig stellte damals die Bonbons her. Bis 1992. Dann wurde der Betrieb geschlossen, die Pfeffi-Stangen verschwanden aus den Läden. Wilfried Opitz, zu DDR-Zeiten Betriebsdirektor des Konsü, wollte jedoch das Produkt wieder auf den Markt bringen, sicherte sich Mitte der 1990er Jahre die Rechte an der Marke. Lange suchte er nach einem Partner, der das Kultbonbon aus der DDR produzieren wollte. Bis er auf die Hoffmanns aus Bayern traf, Inhaber der Pit Süßwaren- und Nährmittelfabrik bei Rosenheim in der Nähe des Chiemsees. Auch sie waren anfangs skeptisch, ließen sich aber schließlich auf das Experiment ein.

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Neben der Suche nach einem Hersteller ergab sich für Opitz jedoch ein weiteres Problem. Die Original-Rezeptur war zwar vorhanden, die Inhaltsstoffe klar benannt. Doch in der DDR gab es keine große Auswahl. Genommen wurde, was man an Rohstoffen für die Produktion kriegen konnte. Nach der Wende stand er auf einmal vor der Entscheidung, zwischen verschiedenen Zutaten und deren Qualitätsunterschieden auswählen zu müssen. Um also den Originalgeschmack wiederherzustellen, musste zunächst gemixt und getestet werden. Opitz ließ die ersten Proben vorkosten – von Freunden, Nachbarn, alten Arbeitskollegen aus der Pfeffi-Produktion. Wichtig war Opitz nicht nur der frühere unverwechselbare Geschmack. Auch die Verpackung sollte möglichst originalgetreu sein. Er ließ deshalb nur kleine Veränderungen an der Bonbonhülle vornehmen.

Opitz erhält regelmäßig Fan-Post

Produziert wird Pfeffi von Pit in Bayern. Seit 1946 stellt das Unternehmen mit derzeit 60 Mitarbeitern Tabletten, Granulate, Pulvermischungen her – für Nahrungsergänzungsmittel, Süßwaren oder Sportlernahrung. Den Vertrieb leitet Opitz allein von Leipzig aus. Hier hat die Pfeffi plus e.K., der die Markenrechte gehören, seit Ende 2008 ihren Sitz. Seine Frau Roswitha Opitz gründete 1999 die Firma, seit Dezember 2004 ist Opitz alleiniger Geschäftsführer. Im letzten Jahr verkaufte Pit 120 Tonnen des Ost-Bonbons, überwiegend in Ostdeutschland. Gegen Ende der 1980er Jahre waren es noch fast 1700 Tonnen jährlich.

Auch heute, neun Jahre nach der Wiedereinführung der DDR-Kultmarke, erhält Opitz regelmäßig Fan-Post. Pfeffi-Freunde, in der DDR aufgewachsen, melden sich aus mittlerweile ganz Deutschland: „…fühlte mich direkt in meine Kindheit zurück versetzt…“, „…ich kenne sie schon seit meiner Kindheit…“, „…20 und mehr Stangen kaufte ich immer…“.

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