Unternehmen Die Qualitätsfanatiker

Immer besser - dieses Motto treibt das Familienunternehmen Miele seit mehr als 100 Jahren an. Die Gütersloher schaffen, wonach sich andere nur sehnen: Die Kunden zahlen höhere Preise.

Rund 30 Unternehmer starren ratlos auf eine Waschtrommel. Sie sollen „Miele-Qualitätsinspektor“ spielen, den angeblichen Kratzer finden. Sie lassen einen Finger über die Trommel gleiten, doch der Kratzer lässt sich weder sehen noch fühlen. Trotzdem sagt der eilig durch die Halle führende Miele-Mitarbeiter in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldet: „Das ist nicht gut. Das ist nicht Miele-Qualität.“

Spätestens jetzt wissen die Unternehmer, die der Einladung nach Gütersloh zum dritten impulse-Netzwerktreffen gefolgt sind, dass sie es bei Miele mit bedingungslosen Fanatikern zu tun haben: Qualitätsfanatikern. Was auf den ersten Blick fast zwanghaft wirkt, ist seit Jahrzehnten das Erfolgsrezept des Haushaltsgeräteherstellers. Miele schafft, wonach sich so viele andere Unternehmen sehnen: Die Kunden zahlen gern einen höheren Preis – weil es eben Miele-Qualität ist.

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Wie Miele das geschafft hat, wird beim Gang durch das Firmenmuseum mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Markus Miele deutlich. Alles begann mit einer Buttermaschine, 1900 von Carl Miele entwickelt. Nur zwei Meter weiter: die erste Waschmaschine. „Das gleiche technische Prinzip“, sagt Miele, „ein großer Holzbottich, in dem sich etwas bewegt.“ Nur eben keine Butter mehr, sondern Wäsche.

Schon auf der Buttermaschine lässt sich das Motto von Miele nachlesen: „Die Beste“ ließ der Unternehmensgründer eingravieren. Doch er wusste, dass es nicht allein auf technische Perfektion ankommt. Deshalb holte er sich Reinhard Zinkann als Gesellschafter an Bord, einen Vertriebsmann. Der kommunizierte Miele von Anfang an als „Weltmarke“. „Obwohl der Verkauf damals wohl nur bis Herford reichte“, wie Markus Miele beim Rundgang zugibt.

Noch immer führen die Familien Miele und Zinkann das Unternehmen gemeinsam. „Bisher haben wir es die 113 Jahre gut miteinander ausgehalten“, sagt Miele. Das liegt auch daran, dass man sich in puncto Qualität immer einig war. „Sie steht über all unserem Handeln.“ Eine Konsequenz: Das Unternehmen macht fast alles selbst. Ob Elektronik oder Trommelrückwand – eine Waschmaschine entsteht zu 100 Prozent in Gütersloh. Der Mitarbeiter, der durch die Produktion führt, sagt es so: „Miele makes the machine that makes the machine.“

Im roten Miele-Bus geht es über das Werksgelände. Zeit für kritische Fragen. Wie es denn mit dem Stromverbrauch aussehe, will eine Unternehmerin wissen. Die Antwort: Ja, bei manchen Produkten, etwa Trocknern, erziele die Konkurrenz zum Teil bessere Werte. Aber das liege, natürlich, an der Qualität. Viele Miele-Trockner haben zwei Motoren: einen für die Trommel, einen fürs Gebläse. Das fresse zwar etwas mehr Strom, sorge aber für eine noch schonendere Trocknung und weniger Knitter.

Noch immer gilt bei Miele: nicht nur ständig besser werden, sondern das auch offensiv vermarkten. „Qualität beschränkt sich nicht auf das Produkt“, sagt Miele. „Dazu gehört auch die Präsentation.“ 2011 hat er in Berlin Unter den Linden die Miele Gallery eröffnet. Auf 650 Quadratmetern können Händler und Endkunden die Geräte nicht nur ausprobieren, sie werden auch mit Kochevents, Weinproben und Modeschauen an die Marke gebunden. Schließlich, sagt Miele, sei eine Waschmaschine für den Kunden erst mal nur ein weißer Kasten. Und Miele-Produkte stünden im Handel stets ganz links oder ganz rechts, am oberen Ende der Preisskala. Warum es sich dennoch lohnt, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, müsse man immer wieder neu begründen.

Ob es nicht verlockend sei, auch ins Geschäft mit günstigen Produkten einzusteigen, will ein Unternehmer wissen. Dazu sei man gar nicht in der Lage, sagt Miele, viel zu sehr sei jedes Detail auf Qualität ausgerichtet.

Wer bei Miele zur Toilette geht, kann das bestätigen. Zum Händetrocknen gibt es keine grauen Papiertücher oder ein röchelndes Luftgebläse, sondern flauschige Handtücher mit Miele-Schriftzug, die man einmal benutzt und dann in einen Schlitz unter dem Waschbecken wirft. Ein dekadenter Luxus? „Quatsch“, sagt Miele, „wir waschen und trocknen hier ja. Das sind Testhandtücher. Kein Scherz.“ Bei Miele ist es eigentlich egal, wonach man fragt. Die Antwort lautet sowieso immer: Qualität.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 05/2012.

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