Unternehmen Die Welt braucht 26.000 neue Flugzeuge

Airbus erhöht seine Erwartungen für den weltweiten Flugzeugmarkt der nächsten 20 Jahre. Um fast fünf Prozent dürfte die Nachfrage steigen. Noch optimistischer ist der US-Rivale Boeing.

Der europäische Flugzeughersteller Airbus erhöht zwar seine Vorhersage für den weltweiten Flugzeugmarkt leicht – ist aber weniger optimistisch für die Luftfahrtbranche als der US-Konkurrent Boeing. Airbus prognostizierte am Montag in Colomiers in Südfrankreich bis 2029 einen Bedarf von weltweit 26.000 neuen Verkehrsflugzeugen, was einem Auftragsvolumen von 3200 Mrd. Dollar in den nächsten 20 Jahren entspräche und einem jährlichen Wachstum von 4,8 Prozent. Vor einem Jahr hatte Airbus ein Plus in diesem Zeitraum von 4,7 Prozent in Aussicht gestellt.

Boeing erwartet über die nächsten 20 Jahre einen globalen Bedarf an 30.900 neuen Jets mit einem Auftragsumfang von 3600 Mrd. Euro und rechnet im Passagierverkehr mit einem Durchschnittswachstum von 5,3 Prozent.

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Bei diesen Daten geht es um die weltweite Nachfrage insgesamt – also nicht darum, mit wie viel Bestellungen die beiden Hersteller jeweils rechnen. „Die Markterholung fällt kräftiger aus als prognostiziert“, sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy.

Beide Unternehmen sind sich in einem einig: Der Trend zu neuen, sparsameren Modelle sowie ein dynamisches Wachstum in Schwellenländern wie China, aber auch Indien oder Lateinamerika schafft enormen Bedarf.

„Der Inlandsverkehr in Indien wächst mit 9,2 Prozent so schnell wie kein anderer wichtiger Markt und weist insgesamt die dritthöchste Wachstumsrate hinter dem Verkehr zwischen dem Nahen Osten und Südamerika sowie zwischen Nordafrika und der Volksrepublik China auf. Sieben der 20 am schnellsten wachsenden Verkehrsströme verbinden China mit dem Rest der Welt“, heißt es in der Airbus-Prognose. Insgesamt dürfte sich die weltweite Flotte der Passagierflieger bis 2029 um 14.000 auf dann 29.000 Flugzeuge mehr als verdoppeln, schätzt die EADS-Tochter.

Wie sich Riesen-Flugzeuge künftig verkaufen

Die Perspektiven für Mega-Flugzeuge wie den Airbus A380 schätzt der europäische Hersteller auf mehr als 1700 Passagier- und Frachtvarianten im Wert von über 570 Mrd. US-Dollar.

Das Zentrum des Wachstums liegt bei so genannten Standardrumpf-Flugzeugen. Das sind Kurz- und Mittelstreckenmaschinen mit einem Gang. Die sind schon heute Verkaufsschlager bei beiden Herstellern, auch wenn ihre Modelle Boeing 737 und Airbus 320 schon etwas in die Jahre gekommen sind.

Fluggesellschaften in aller Welt müssen aber auf Nachfolgemuster vorerst noch warten. Sowohl Boeing als auch Airbus modernisieren ihre Erfolgsmodelle zwar stetig, scheuen angesichts anderer Prioritäten aber die Kosten für die völlige Neuentwicklungen. Airbus gab erst vor kurzem bekannt, seinen A320 mit neuen Triebwerken und spritsparenden Knickflügeln aufzurüsten, die es bei der Boeing 737 allerdings schon seit längerem gibt.

Unklar ist in den Prognosen bisher noch, inwieweit aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien und China, aber auch Russland mit ihren modernen Flugzeuge-Entwicklungen künftig das Duopol von Boeing und Airbus angreifen werden. Derzeit drängen sie mit Macht in das Segment der Kurz- bis Mittelstreckenjets.

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