Unternehmen Discounter senken Wurst-Preise: Agrarminister spricht von Schweinerei

In München soll wie in Berlin, Kiel und Bonn ein verpackungsfreier Supermarkt eröffnen.

In München soll wie in Berlin, Kiel und Bonn ein verpackungsfreier Supermarkt eröffnen.© Eisenhans - Fotolia.com

Erst Eier, Instant-Kaffee, Fisch, Butter und Fleisch, jetzt Wurst: Aldi hat erneut den Rotstift angesetzt. Manchen Verbraucher mag es freuen, doch Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck und der Bauernverband sind empört.

Der Preiskampf im deutschen Lebensmittelhandel verschärft sich. Discount-Marktführer Aldi läutete am Wochenende eine neue Preisrunde ein und senkte die Preise für zahlreiche Wurstwaren vom Bratenaufschnitt über den Schwarzwälder Schinken bis zur Salami. Mit Norma folgte kurz darauf der erste Rivale und setzte ebenfalls den Rotstift an.

Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck (Grüne) reagierte empört. „Über Fleischwaren einen Dumpingwettbewerb zu führen, ist schlicht eine Schweinerei“, sagte der Minister. Er forderte die Verbraucher auf, verantwortungsvoll zu handeln und diese Waren zu „verschmähen“. Die Discounter müssten aufhören, die Spirale immer weiter zu drehen.

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„Lockangebote, die den Bauern die  Daumenschrauben anlegen und sie zwingen, Masse statt Klasse zu produzieren, zerstören alles, was politisch sinnvoll ist“, sagte der Minister. „Es heizt ein System an, in dem das Wohl des Tieres nachrangig ist, in dem auch durch Gesetzesverstöße auf Schlachthöfen Tieren unnötiges Leid zugefügt wird.“

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt: „Lebensmittel dürfen nicht verschleudert werden“

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) äußerte Kritik: „Unsere wertvoll erzeugten Lebensmittel dürfen nicht verschleudert werden“, sagte Schmidt der Berliner Zeitung „Tagesspiegel“. Es gebe im Handel einige wenige, sehr starke Ketten, die auf viele, oft kleine, nicht organisierte Erzeuger und weiterverarbeitende Betriebe träfen. „Es ist gut, dass Qualität heute für alle bezahlbar ist“, sagte der Minister. „Anders ist es jedoch, wenn Preisschlachten über Lebensmittel geführt werden.“ Hier fehle die Wertschätzung für unsere „Mittel zum Leben“.

Der Präsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, Werner Schwarz, kritisierte den Preiskampf ebenfalls. „Wir fragen uns jetzt schon, was der Lebensmitteleinzelhandel da macht“, sagte Schwarz. Der Druck auf die Erzeuger, billiger zu produzieren, werde durch solche Preissenkungen größer, sagte Schwarz.

Aldi begründete die Preissenkungen zwischen 2,5 und 10 Prozent mit den gesunkenen Einkaufspreisen. Aldi gebe diese Preisvorteile an seine Kunden weiter – ohne Abstriche an der Qualität oder den Tierschutzstandards. Norma begründete die Senkungen mit günstigeren Einkaufspreisen, die umgehend an die Kunden weitergereicht würden. Auch dort geht es um zahlreiche Aufschnittsorten, deren Preis je Packung in der Regel um 10 Cent reduziert wird.

Rotstift-Aktionen setzen Konkurrenz unter Druck

Aldi sorgt zurzeit mit immer neuen Rotstift-Aktionen dafür, dass die Preise im deutschen Lebensmittelhandel erstmals seit Jahren wieder auf breiter Front ins Rutschen geraten. Seit Januar hat Aldi Schlag auf Schlag die Preise für Eier, Instant-Kaffee, Frühstücks-Cerealien, Wein, Fisch, Butter und Fleisch gesenkt und setzt damit die Konkurrenz unter Druck.

Die Rotstift-Aktionen von Aldi haben Auswirkungen auf den gesamten Handel. Denn viele Wettbewerber orientieren sich im Preiseinstiegsbereich am Discount-Marktführer. Vor allem die Preissenkungen bei Rind- und Geflügelfleisch vor einer Woche stießen jedoch bei Tierschützern, aber auch in Teilen des Handels auf Kritik. Der deutsche Tierschutzbund sprach von einer Dumping-Strategie auf dem Rücken der Tiere. Auch Konkurrent Lidl kritisierte in einem für die Branche ungewöhnlichen Schritt aus Tierschutzgründen die Preissenkungen des Marktführers.

Doch ließ sich Aldi von der Kritik nicht beeindrucken, wie die neue Preisrunde zeigt. Für den Marktführer ist es zurzeit wichtig, Preissignale zu setzen. Denn immer wieder sieht sich Aldi  durch Wettbewerber herausgefordert. So unterboten Rivalen wie Lidl oder Rewe in den vergangenen Monaten immer wieder mit Sonderangeboten die Aldi-Dauerpreise und kratzen damit am Billig-Image des Unternehmens.

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