Unternehmen Drogeriekette Schlecker ist pleite

Das Schwergewicht der Branche geht in die Knie. Grund sind auch die Erfolge der Rivalen dm und Rossmann. Ein Großteil der Arbeitsplätze soll laut Schlecker-Management erhalten bleiben.

Die Sanierung des Drogeriekonzerns Schlecker ist vorerst gescheitert. Das Unternehmen geht nach eigenen Angaben vom Freitag in die Planinsolvenz. Der Antrag werde kurzfristig eingereicht. Ziel sei der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der etwa 30.000 Jobs in Deutschland. Der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen. Ein Insolvenzantrag werde spätestens am Montag eingereicht, meldete die Nachrichtenagentur dpa. Ein Sprecher des Amtsgerichts Ulm sagte, noch seien keine Unterlagen eingetroffen.

Aktuell habe eine geplante Zwischenfinanzierung nicht sichergestellt werden können, teilte Schlecker mit. Daher könnten die weiteren Schritte der laufenden Restrukturierung nicht so umgesetzt werden wie geplant. Um welchen Betrag es geht, wollte ein Sprecher nicht sagen.

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In seinem Insolvenzantrag will Schlecker den Gläubigern Vorschläge unterbreiten, wie es mit dem Konzern weitergehen kann. Die Mitarbeiter wurden ebenfalls am Freitag informiert. „Wir glauben an die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, sagte der Sprecher.

Berichte über Lieferengpässe und Zahlungsschwierigkeiten hatte die Kette zuletzt immer wieder dementiert. Die Unternehmenserben Meike und Lars Schlecker hatten auch daran festgehalten, nach jahrelang roten Zahlen bald wieder Gewinn zu machen.

Schlecker war in den vergangenen Jahren immer tiefer in Schwierigkeiten geraten. Zuletzt hatte das Unternehmen zahlreiche Filialen geschlossen und begonnen, sein altes Netz zu sanieren. Ziel ist es, mit attraktiveren Läden mit den Konkurrenten dm und Rossmann mithalten zu können.
Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz um rund 650 Mio. Euro auf 6,55 Mrd. Euro gesunken. Für 2011 rechnete der schwäbische Familienkonzern erneut mit sinkenden Erlösen. Neuere Zahlen hatte Schlecker bisher nicht genannt. Angaben zu Gewinn und Verlust macht die Kette traditionell nicht.

Die Insolvenz von Schlecker kommt aus Sicht des Konkurrenten Rossmann nicht unerwartet. Gründer Dirk Roßmann sagte der dpa: „Die Insolvenz ist eine Katastrophe für die Mitarbeiter und die Inhaberfamilie, die ich seit über 35 Jahren persönlich kenne.“ Die rückläufigen Erlöse und der geringe Durchschnittsumsatz der einzelnen Filialen hätten die Entwicklung in der Branche absehbar gemacht. Hintergrund sei der heftige Wettbewerb im deutschen Einzelhandel, der den Verbrauchern insgesamt zugute komme, sagte der Unternehmer.

Neben Rossmann machen vor allem die Karlsruher dm-Drogerien dem schwäbischen Familienkonzern schwer zu schaffen. Beide Mitbewerber hatten ihre Umsätze zuletzt gesteigert – und haben aus Sicht von Branchenexperten ein erfolgreicheres Ladenkonzept und Sortiment.

Angreifer dm und Rossmann

dm Die Karlsruher Kette ist auf dem besten Weg an die Drogeriemarkt-Spitze. Auch hier gibt es keine Zahlen zum Ergebnis. Das ebenfalls in Familieneigentum befindliche Unternehmen gibt sich aber nach eigenen Angaben mit einem Prozent Rendite zufrieden – und steckt das Geld ansonsten in soziale Projekte. Erlöst hat dm im Geschäftsjahr 2010/11 rund 6,17 Mrd. Euro. Das war ein Plus von 9,3 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahr. Von den 2536 Filialen liegen 1256 in Deutschland. Ihre Grundfläche ist grundsätzlich größer als die der Konkurrenz, insbesondere die der Schlecker-Läden. Von den rund 39.100 Beschäftigten arbeiten 25.450 in Deutschland.

Rossmann Die drittgrößte deutsche Drogeriekette hat 2011 erstmals in ihrer 40-jährigen Firmengeschichte die Umsatzmarke von 5 Mrd. Euro geknackt. Das hat das Unternehmen vor zwei Wochen bekanntgegeben. Der Umsatz lag bei 5,12 Mrd. Euro, ein Plus von 10,5 Prozent. Zum Ergebnis macht das Unternehmen aus Burgwedel in Niedersachsen keine Angaben. Für 2012 wird ein Gesamtumsatz von 5,6 Mrd. Euro erwartet. Rossmann betreibt in sechs europäischen Ländern 2531 Märkte und beschäftigt rund 31.000 Mitarbeiter. In Deutschland will Rossmann in diesem Jahr 110 neue Verkaufsstellen eröffnen. Dabei sollen rund 1000 neue Arbeitsplätze entstehen.

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