Unternehmen Druck auf Amazon wächst

Amazon kommt nicht zur Ruhe. Die Kritik an dem Online-Händler wegen des Umgangs mit Leiharbeitern reißt nicht ab. Ärger droht nun auch an anderen Fronten - zum Beispiel vom Bundeskartellamt.

Der Internet-Händler Amazon gerät in Deutschland immer stärker unter Druck – nicht nur wegen des Umgangs mit Leiharbeitern. Das Bundeskartellamt kündigte an, die Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler zu prüfen, die Waren über Amazon anbieten. Der Drogeriekonzern dm will die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen.

„Wir prüfen für alle unsere Kooperationspartner immer wieder, wie die Kooperation von unserem eigenen Anspruch her einzuschätzen bzw. gegebenenfalls kritisch zu hinterfragen ist“, sagte dm-Chef Erich Harsch nach Angaben des Konzerns. Der Konzern habe „die Vorwürfe sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen“, sagte Harsch weiter. „Selbstverständlich werden wir mit Amazon darüber sprechen und darum bitten, die eigenen Erkenntnisse und Haltungen deutlich zu machen.“

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Der Kunst- und Literaturverlag Ch. Schroer in Lindlar bei Köln und der Mainzer VAT Verlag beendeten unterdessen ihre Verträge mit Amazon. Verleger Christopher Schroer beklagte, dass der Internet-Händler seine „Marktmacht“ gegenüber seinen Partnern rigoros ausnutze, VAT-Verleger André Thiele beklagte „katastrophal schlechte Konditionen für Kleinverleger. Hohe Rabattforderungen und ein immenser Verwaltungsaufwand machten den Vertrieb der Bücher über Amazon unrentabel. Von Amazon war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Das Kartellamt kündigte an, 2400 Händler über das Internet zu befragen. Es geht dabei um die sogenannte Preisparitätsklausel bei Amazon: Händler, die die Plattform nutzen, dürften ihre Produkte nicht an anderer Stelle im Internet etwa bei eBay billiger anbieten, so das Kartellamt. Möglicherweise verstoße die Klausel gegen das allgemeine Kartellverbot, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Bei der Prüfung droht Amazon einem Kartellamtssprecher zufolge keine Strafe. Falls sich eine rechtlich bedenkliche Praxis abzeichne, werde die Behörde auf eine Änderung der Vertragsbedingungen dringen.

Der Online-Händler Amazon war Ende vergangener Woche nach einem ARD-Bericht über schlechte Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter in die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen hatte daraufhin die Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsdienst und einem Dienstleister gekündigt, der für die Unterbringung von ausländischen Saisonarbeitern zuständig war.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) warf dem Personaldienstleister Trenkwalder unterdessen Verstöße gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz vor. Diese seien bei einer Sonderprüfung festgestellt worden, erklärte die Behörde. Details nannte die BA nicht. Trenkwalder hatte am Dienstag Vorwürfe im Zusammenhang mit der Behandlung von Leiharbeitern bei Amazon zurückgewiesen. „Die Prüfung der Bundesagentur für Arbeit hat die öffentlich vorgebrachten Anschuldigungen nicht bestätigt“, hieß es in einer Mitteilung.

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