Unternehmen „Du kannst machen, wozu du Lust hast!“

Arel Moodie vermisst etwas: Unternehmergeist. Und das ausgerechnet in Amerika. Damit sich daran etwas ändert, gastiert er mit seiner "Extreme Entrepreneurship Tour" an Universitäten in den USA und vermittelt Studierenden Unternehmertum.

Interview: Nikolaus Förster und Felix Wadewitz

Arel Moodie wuchs in einem Sozialbau im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf, wo seine Eltern von der Wohlfahrt lebten. Auf dem College gründete Moodie sein erstes Startup. Heute lehrt er Unternehmertum – und macht daraus ein erfolgreiches Geschäft. Seine „Extreme Entrepreneurship Tour“ gastiert an Hochschulen überall in den USA. Das US-Unternehmermagazin „Inc.“ zählte den 28-Jährigen vergangenes Jahr zu den „Top 30 unter 30“.

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Mr Moodie, mit Verlaub: Was ist „Ex­treme Entrepreneurship“?

Wir gehen in die Hochschulen und bringen Studenten mit erfolgreichen Jungunternehmern zusammen, damit sie selbst gründen.

Klingt nicht sehr extrem.

(lacht) Einer unserer Redner ist Scott Becker, der seine Werbe-Webfirma Invite Media für 80 Mio. Dollar an Google verkaufte, als er selbst erst 23 Jahre alt war. Wir sind extrem, weil wir Studenten dazu bringen, sofort zu gründen. Und nicht erst irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist. Dann kommt sie nämlich nie! Aber wir reden nicht nur über Erfolge, sondern auch über Pleiten. Aus denen lernt man am meisten. Und wir sagen: Als Unternehmer kannst du machen, worauf du Lust hast!

Dabei dachten wir, Amerikaner hätten ohnehin alle eine Art Unternehmergen. Aber Sie müssen sie ja erst überzeugen.

Im Moment spüre ich nicht viel von diesem berühmten Spirit. Sonst würde es uns ja nicht geben. Tatsächlich ist die reale Arbeitslosigkeit seit Jahren sehr hoch, die Leute verharren wie in Schockstarre. Viele sehen schlicht nicht, wie einfach es ist, ­etwas aufzubauen. Wussten Sie, dass Einwanderer rein statistisch viermal so oft Millionäre werden wie in Amerika Geborene?

Sie selbst sind ja in Amerika geboren. Wie wurden Sie zum Entrepreneur?

Als ich 16 war, hatte ich es nicht leicht. ­Eines Tages fuhr mein Vater mit mir nach Bensonhurst, so einem New Yorker Villenvorort. Er sagte mir: In so einem Haus kannst du auch wohnen. Er war vielleicht der einzige Mensch, der an mich glaubte. Am College gewann ich dann meinen ersten Businessplan-Wettbewerb und legte los.

Kann jeder Unternehmer werden?

Das ist auch eine Typfrage. Schauen Sie mich an: Ich stamme aus keiner reichen Familie. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie Entrepreneurship wirklich gibt. Bis ich aufs College ging … Unsere Vision ist, dass jeder Student zumindest in unternehmerischem Denken geschult wird. Wer immer nach besseren Wegen sucht, etwas zu vollbringen, wird auch als Angestellter mehr ­Erfolg haben als jemand, der nur tut, was man ihm sagt.

In Deutschland bevorzugen die meisten Menschen eine sichere Stelle gegenüber dem Risiko.

Ich kenne keinen, der einen Job länger als fünf Jahre gemacht hat. Schwups, kommt wieder irgendeine Krise. Ein eigenes ­Geschäft aufzubauen, das funktioniert, ist langfristig doch viel sicherer, weil man selbst bestimmt, wie lange man es macht.

Und was für ein Geschäft sollte das sein?

Entrepreneurship bedeutet für mich, die Probleme anderer Leute zu lösen, ihnen das Leben leichter zu machen – und dabei Geld zu verdienen. Sie sollten also nicht nach einmaligen Möglichkeiten suchen, sondern nach Problemen. Deren Lösung ist dann die einmalige Möglichkeit!

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