Unternehmen Durch den Knopf-Markt geht ein Riss

Knöpfe gibt es in jeder Farbe, Form und Größe. Doch einen passenden Ersatzknopf sucht man oft vergebens. Grund dafür ist der geteilte Knopfmarkt. Einzelhändler werden mit anderen Produkten beliefert als die Bekleidungshersteller.

Hilfe! Ein Knopf ist weg! Die Suche nach einem Ersatz kann schwierig bis unmöglich sein. Warum nur gibt es unter den unzähligen Knöpfen im Geschäft nicht auch einen, der zu den anderen passt? „Ganz einfach: Weil wir es mit zwei verschiedenen Märkten zu tun haben“, erklärt Martin Dolleschel, Geschäftsführer von Union Knopf in Bielefeld. Die Einzelhändler werden mit anderen Knöpfen beliefert als die Bekleidungshersteller. „Das eine richtet sich an den Endkunden, das andere an den Geschäftskunden.“

Anzeige

Die Knöpfe für die Industriekunden sind auf Masse produziert, während der Handel meist Röhrchen mit fünf bis 15 Stück abnimmt. Das spiegelt sich auch in den Preisen wider: Während die Knopf-Preise in der Industrie sich im Cent-Bereich bewegen und sich oft gar nicht auf den Einzelknopf herunterrechnen lassen, koste ein Knopf im Fachgeschäft durchschnittlich zwei Euro, sagt Hans Dill, Inhaber der Knopffabrik Dill im bayerischen Bärnau. „Das hängt ganz vom Material ab, ob der Knopf zum Beispiel aus Kunststoff, Holz oder Echtmetall ist.“

Das Familienunternehmen Dill mit seinen 80 Mitarbeitern produziert jährlich rund 300 Millionen Knöpfe. Die Firma beliefert nach Angaben des Inhabers Designer, Schneider und Ateliers, vor allem aber Stoffgeschäfte und Kurzwarenabteilungen. „Unsere Kunden suchen höherwertige Knöpfe“, sagt Dill. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren leicht gestiegen.

Wer im Fachhandel Knöpfe kauft, sei oft Hobbynäher oder wolle eine Jacke oder Bluse durch neue Knöpfe aufpeppen. „Es gibt sogar Kunden, die kaufen ein neues Kleidungsstück und tauschen dann gleich alle Knöpfe gegen schönere aus“, sagt Dill. „Wir nennen das „Knopf-Tuning“.“ Der Knopf-Austausch mache das Hauptgeschäft des Unternehmens aus, das seine Umsatzzahlen für sich behält.

„Im Fachhandel wirkt der Knopf für sich selbst, in der Industrie dagegen muss er zu einem Gesamtbild passen“, erläutert Union-Knopf-Chef Dolleschel. Der nach seinen Angaben führende europäische Knopfhersteller beliefert beide Segmente, wobei der Industriebereich den größeren Teil ausmache. Dabei arbeitet das Bielefelder Unternehmen, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert, eng mit den Bekleidungsherstellern zusammen.

Außer in Deutschland produziert Union Knopf mit seinen 750 Beschäftigten auch in Polen und China. Da die meisten Bekleidungsfirmen aus Kostengründen ihre Herstellung ins Ausland verlagert hätten, sei es billiger und zeitsparender, auch die Knöpfe dort zu produzieren, sagt Dolleschel. „Als Zulieferer müssen wir möglichst nah beim Kunden sein.“

Zweimal im Jahr bringt Union Knopf eine neue Kollektion mit jeweils bis zu 500 neuen Knöpfen heraus. Die Knopfmode wechselt ständig. Das ist typisch für die Branche, sagt Hauptgeschäftsführer des Modehersteller-Verbands Germanfashion, Thomas Rasch. „Alle Unternehmen in der Bekleidungsbranche streben danach, anders zu sein als andere. Das geht eben schon beim Knopf los. In jeder Saison muss der anders aussehen.“

Für Verbraucher, die einen Knopf verloren haben, macht das die Sache nicht leichter. Zum Glück sind bei vielen Kleidungsstücken von vornherein ein oder zwei Ersatzknöpfe eingenäht. Ist das nicht der Fall und ein Knopf ist weg, sollten Verbraucher direkt beim Bekleidungshersteller nach einem passenden Ersatzknopf fragen, rät Rasch. Das sei meist effektiver als die verzweifelte Suche im Knopf-Geschäft.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...