Unternehmen Durchbruch in Verhandlungen um VW-Haustarif

Eine Mitarbeiterin im VW-Werk in Chattanooga, USA

Eine Mitarbeiterin im VW-Werk in Chattanooga, USA© Volkswagen

Kurz und geräuschlos ist Europas größter Autobauer durch die Verhandlungen für seinen Haustarif gekommen. Details des Kompromisses mit der IG Metall sind zwar noch unklar. Fest steht aber schon: Die rasche Einigung ohne längere Proteste der Belegschaft ist ein Erfolg.

In den Verhandlungen um einen neuen Haustarif bei Volkswagen ist Arbeitgebern und Gewerkschaft ein Durchbruch geglückt. „Die Einigung steht so gut wie“, sagte ein Sprecher der IG Metall am frühen Dienstagmorgen in Hannover. Zwar gelte es noch, letzte Details zu klären, und dementsprechend fehlten noch die Unterschriften unter dem neuen Vertragswerk. Doch der Kompromiss stehe ganz grundsätzlich. Ein Konzernsprecher bestätigte die Angaben der Gewerkschaft, machte aber ebenfalls keine näheren Angaben zur Einigung. Beide Seiten verwiesen auf eine gemeinsame Pressekonferenz am Vormittag um 10 Uhr.

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Der Haustarif bei Europas größtem Autobauer Volkswagen regelt die Bezahlung von insgesamt rund 102 000 Mitarbeitern aus den sechs westdeutschen Werken Braunschweig, Emden, Hannover, Salzgitter, Wolfsburg und Kassel sowie bei der VW-Bank. Zum Start der zweiten Verhandlungsrunde am Montag hatte VW erstmals ein Angebot gemacht, jedoch nach außen noch keine Details zu dieser Offerte verraten.

Mit der raschen Einigung noch in Gesprächsrunde zwei scheint es sehr wahrscheinlich, dass das nun erzielte Ergebnis über dem Niveau des branchenweiten Flächentarifes liegt. Ein solches Sahnehäubchen hatte die IG Metall nämlich vehement gefordert und andernfalls mit Aktionen gedroht, die dem Ziel dann Nachdruck verleihen würden. Einen Vorgeschmack darauf lieferten Zehntausende Mitarbeiter Mitte Mai im Wolfsburger VW-Werk, als sie ihre Arbeit ruhen ließen und für eine sogenannte Informationsveranstaltung vors Vorstandshochhaus zogen.

Friedenspflicht verhindert Warnstreiks

Warnstreiks kamen nicht infrage, weil die Friedenspflicht noch läuft. Die IG Metall hatte sich dafür entschieden, die Gespräche über den VW-Haustarif parallel zu den Flächentarifverhandlungen zu führen. Dort erkämpfte die Gewerkschaft vor kurzem mit einem Pilotabschluss in Bayern, dass es nach zwei anfänglichen Nullmonaten ohne Erhöhungen ein zweistufiges Plus von 5,6 Prozent gibt. Der neue Vertrag läuft insgesamt 20 Monate. Die IG Metall könnte das gewollte Sahnehäubchen für den VW-Haustarif nun über mehrere Hebel realisiert haben – etwa über den Wegfall von Nullmonaten oder mittels Einmalzahlungen.

Die Arbeitgeber hatten noch am Montag auf die heikle Lage der Autobranche verwiesen. VW müsse mit einem maßvollen Abschluss darauf achten, die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns nicht zu beschädigen.

Vor rund einem Jahr hatte es im VW-Haustarif dasselbe Plus wie im Flächentarif der Metaller gegeben – 4,3 Prozent. Jedoch fiel für die VW-Beschäftigten, anders als bei den Kollegen in der Fläche, ein anfänglicher Nullmonat weg. Das bescherte ihnen das Bonbon einer früheren Erhöhung. Da die IG Metall jetzt den Verhandlungstisch nicht wieder verließ und mit größeren Protestaktionen drohte, ist ein ähnliches Sahnehäubchen wieder wahrscheinlich.

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