Unternehmen Peter Thonet: „Ein Flop aus Kunststoff“

Peter Thonet, 64, über den gescheiterten Versuch des für klassisches ­Design bekannten Möbelbauers, mit dem Zeitgeist zu gehen.

Als wir Ende der 90er-Jahre bei ­Thonet die Entscheidung trafen, einen Kunststoffstuhl, den K 818, zu entwickeln, war uns nicht klar, dass dies ein großer Fehler war, ein sehr großer sogar.

Ich erinnere mich noch an den Tag, als der Designer uns erstmals das Gipsmodell präsentierte. Es war im Sommer 1998. Wir waren alle begeistert, zumal uns klar war, dass Montage und Material preiswert sein würden. Kunststoffstühle erfordern zwar eine hohe Investition in Werkzeuge, verkauft man hinterher aber viele Stücke, so kann man auch viel Geld verdienen. Nur: Dazu kam es nicht, der Stuhl geriet zum Flop.

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Er war formal und funktional nicht auf dem gleichen Niveau wie die Möbel, für die Thonet bekannt ist: Bugholz- und Stahlrohrklassiker der Bauhaus-Zeit oder zeitgenössische Möbel von namhaften zeitgenössischen Designern und Architekten. Wir kannten uns aus mit Holz, Stahlrohr und in begrenztem ­Maße auch mit Kunststoffteilen, aber wir hatten noch nie zuvor einen kompletten Kunststoff­stuhl produziert, zudem folgten wir im Design einem gewissen Zeitgeist. Es ist schon enttäuschend, wenn man von einer Investition überzeugt ist, sich der Markt aber dann – auch mit Sondervertriebsaktionen – nicht dreht.

Das nagt an einem. Und für ein mittelständisches Unternehmen wie unseres war das eine grenzwertige Situation, immerhin hatten wir ungefähr 400 000 D-Mark investiert. Glücklicherweise haben wir aus dem Fehler gelernt. Uns ist klar geworden, wie wichtig es ist, frühzeitig Feedback aus dem Markt einzuholen, also mit unseren wichtigen Handelspartnern zu reden. Beim Kunststoffstuhl hatten wir nur ein, zwei Händler gefragt. Vor allem aber konzentrieren wir uns seitdem auf Materialien und Verfahren, die wir kennen und beherrschen: Unsere Kunden erwarten von uns funktionale Möbel mit ­einem zeitlosen Design.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 10/2011.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

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