Unternehmen Ein Königreich für eine Firma

Jeden Tag wagen Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit. Im Handelsregister finden sich die Geburtsurkunden ihrer Firmen. impulse stellt jeden Monat eine Gründung vor - ausgewählt nach dem Zufallsprinzip.

Herr Tomte, was ist Ihre Geschäftsidee?

Tomte: Mein Ziel ist, die beruflichen Chancen von Migranten zu verbessern. Ich biete für sie Sprachkurse, Umschulungen, Weiterbildungen, Trainings, ­Coachings und Akquiseseminare an.

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Akquiseseminare? Wollen Sie Migranten auch zu Unternehmern fortbilden?

Tomte: Warum nicht? In erster Linie richten sich die Kurse aber an Arbeitnehmer.

Sie sind jetzt selbst Unternehmer. Warum?

Tomte: Ein selbstständiges Leben war immer mein Traum. Mein Großvater war König der Bamiléké, ein Volk im Westen Kameruns. Die Bamiléké gelten als scharfsinnige Händler und haben im Vergleich zu anderen Ethnien großen Einfluss auf Kameruns Politik und Wirtschaft. Die Karriere eines jungen Bamiléké beginnt üblicherweise mit dem Einstieg in ein kleines Geschäft. Mit dieser Geisteshaltung bin ich aufgewachsen.

Dennoch haben Sie sich für ein Studium in Deutschland entschieden.

Tomte: Nach dem Tod meines Großvaters sollte mein Vater die Nachfolge antreten. Aber er hatte andere Vorstellungen und verzichtete auf den Thron. ­Wäre ich in Kamerun geblieben, wäre ich vielleicht wie mein Vater Unternehmer geworden, vielleicht hätte ich seine Verpackungsfirma übernommen. Aber ähnlich wie er damals wollte ich ein eigenes Leben aufbauen. Deswegen habe ich zugunsten meiner Geschwister auf die Erbschaft verzichtet und bin mit 22 nach Deutschland gekommen, um Pädagogik und Soziologie zu studieren.

Viele Deutsche sind lieber angestellt.

Tomte: Der Weg in die Selbstständigkeit ist nicht einfach. Man muss eine gewisse Portion Mut haben.

Was sagt Ihre Familie zu Ihrer Gründung?

Tomte: Meine Frau Laurice ist auch selbstständig, sie ist Zahnärztin. Wir haben das so arrangiert, dass sie zuerst in die Selbstständigkeit geht. Eine Praxis aufzubauen ist mit vielen Kosten verbunden. Danach bin ich Unternehmer geworden. Das ist unser Beitrag zur Integration in Deutschland! (lacht)

Und wie laufen die Geschäfte?

Tomte: Gut. Ich habe vier Angestellte und werde bald mit einem Qualifizierungsprojekt für afrikanische Migranten anfangen, das von der Stadt gefördert wird.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 07/2012.

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