Unternehmen Einstigem Möbel-König Demuth droht Haftstrafe

Die Schieder-Holding war immens verschuldet. Durch gefälschte Bilanzen soll sich deren Chef Kredite erschlichen haben. Doch auch damit konnte er die Holding nicht retten. Nun steht Rolf Demuths Verurteilung bevor – er muss mit mehr als zwei Jahren Freiheitsstrafe rechnen.

Der Betrugsprozess um die Millionenpleite des einstigen Möbel-Giganten Schieder steht vor dem Abschluss. Nach gut 30 Verhandlungstagen könnten am 14. April die Urteile verkündet
werden. Dazu müsste an diesem Donnerstag die Beweisaufnahme abgeschlossen sein. Dem steht aber kaum noch etwas im Wege: Richter Michael Reineke ist dafür, Verteidigung und Ankläger wollen keine Beweisanträge mehr stellen.

Rolf Demuth und drei seiner Ex-Manager haben der Anklageschrift zufolge Bilanzen gefälscht und so von Banken und Investoren immer wieder frisches Kapital erschlichen. Die Schieder-Möbel Holding GmbH mit europaweit fast 11.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp einer Mrd. Euro machte 2007 pleite und wurde zerschlagen. Den Schaden bezifferten die Ermittler mit mindestens 234 Mio. Euro. Die Anklage lautet auf schweren Betrug und Kreditbetrug.

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Mit viel Elan waren die Ermittler und das Gericht in den Prozess
eingestiegen. Die Verteidiger der vier angeklagten Ex-Manager, unter ihnen der Unternehmensgründer Rolf Demuth, gingen in Abwehrstellung. 38 Prozesstage waren zum Auftakt im August 2010 angesetzt, viele weitere bis September 2011 standen in Aussicht. Trotz der ungeheuren Menge von Unterlagen – die Anklage hat mehr als 230 Seiten, allein die Haupakte zählt 10.000 Blatt – wurde Optimismus verbreitet, Licht ins Dunkel bringen zu können.

Jetzt, ein halbes Jahr später, wirken die Ermittler ernüchtert. Zahllose Zeugen wurden gehört, kryptische Schriftstücke verlesen, schwarze Listen hin und her gewendet. Zeugen, ehemalige Mitarbeiter einer polnischen Schieder-Tochter, wollten per Liveübertragung aus
einem polnischen Gericht aussagen und verweigerten in letzter Minute doch noch die Aussage. Die Hoffnung auf entscheidende neue Beweise scheint verflogen zu sein.

Der bisherige Prozessverlauf legt die Deutung nahe, dass die Angeklagten mit allen Aktionen das Unternehmen retten, aber keine Kreditgeber schädigen wollten. Alle vier legten mit einiger Überzeugungskraft dar, dass sie nie mit einer Insolvenz gerechnet hätten.
Demuth verlor 40 Mio. Euro seines Privatvermögens. Dies könnte sich entlastend auswirken, denn die Banken haben es dem Konzern offenbar leicht gemacht. „Die standen doch Schlange bei Schieder, die wollten doch Kredite geben“, sagte ein Insider.

Richter Reineke deutete schließlich an, womit viele bereits fest
rechnen: Es geht nicht mehr um besonders schweren Betrug, sondern nur noch um eine Verurteilung wegen Kreditbetrugs. Betrug wird mit bis zu fünf Jahren, im besonders schweren Fall mit bis zu zehn Jahren pro Tat bestraft – Kreditbetrug „nur“ mit höchstens
drei Jahren pro Tat.

Wie hoch der Schaden letztlich war, weiß selbst nach so vielen Verhandlungstagen keiner. Nach der Pleite wurden Grundstücke für zig Mio. Euro verkauft. Der Investor Nicolas Berggruen kaufte Teile des insolventen Möbelriesen mit 3500 Mitarbeitern. Für die
Verurteilung die Schadenshöhe jedoch keine Rolle spielen.

Für die Angeklagten also ein Happy End? Wohl kaum. Von einem Freispruch geht keiner der Beteiligten mehr aus. Der 72-jährige Demuth und sein ehemaliger Finanzchef müssen mit einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren rechnen. Die anderen beiden
Angeklagten können auf Bewährungsstrafen hoffen.

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