Unternehmen Einzelhandel – nach dem Rekord droht der Kater

Die Einzelhandelsbranche hofft zum Jahresende auf einen Weihnachtsumsatz auf Rekordniveau. Zwischen den Feiertagen locken die Geschäfte mit hohen Rabatten. Aber für 2013 sieht der Handel dunkle Wolken aufziehen.

Der deutsche Einzelhandel sieht sich auf gutem Weg zu einem Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft. „Wir rechnen zwischen den Feiertagen mit vollen Innenstädten, weil viele Kunden Urlaub haben und ihre Geldgeschenke oder Gutscheine einlösen werden“, sagte der Sprecher des Branchenverbandes HDE, Stefan Hertel, am Donnerstag in Berlin. „Das sind sehr umsatzträchtige Tage.“ Der HDE ist deshalb optimistisch, dass der Weihnachtsumsatz um 1,5 Prozent auf das Rekordniveau von 80,4 Mrd. Euro steigen wird. „Wir halten an unserem Ziel fest“, sagte Hertel.

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Rabatt zwischen zehn und 20 Prozent

In der Woche vor Heiligabend hatte das bis dahin durchwachsende Weihnachtsgeschäft nach Angaben des Einzelhandelsverbandes deutlich an Schwung gewonnen. „Besonders gut lief es im Sporthandel wegen des Wintereinbruchs“, sagte Hertel. „Auch Haushaltswaren, Glas, Porzellan und Keramik sowie Schmuck, Parfüm und Elektronik wie Smartphones oder Tablet-Rechner waren gefragt.“

Gleich nach den Weihnachtstagen können sich die Verbraucher auf viele Preisnachlässe freuen. Die Einzelhändler setzen vielerorts den Rotstift an, diesmal besonders bei warmen Textilien und Wintersportartikeln. Vor allem große Textilhäuser werden mit Rabatt locken, kündigte Jürgen Dax, Geschäftsführer des Bundesverbands des Textileinzelhandels, an. Teils kräftige Reduzierungen werde es auch bei Skiern, Schlittschuhen, Skistiefeln und Wintersportkleidung geben, heißt es beim Sportfachhändlerbund Intersport.

Der HDE rechnet zudem mit vollen Geschäften und Einkaufsstraßen, da viele Menschen dann ihre Gutscheine und Geldgeschenke einlösen. „Zwischen den Jahren ist noch heiße Phase des Weihnachtsgeschäft“, sagte Branchensprecher Kai Falk. Viele Kunden nutzten auch die Ferien zum Shoppen.

Laut Jürgen Dax sind in der ersten Reduzierungswelle Rabatte von 10 bis 20 Prozent zu erwarten. Aufgrund des überwiegend milden Winterwetters liege noch genug Winterware in den Regalen. Es herrsche aber kein übertriebener Lagerdruck. Die Sale-Aktionen werden sich im neuen Jahr fortsetzen und ihren Höhepunkt beim freiwilligen Winterschlussverkauf Ende Januar finden. Auch bei Online-Angeboten seien viele Rotstiftpreise zu finden.

Dass es in diesem Jahr nur wenige Verkaufstage zwischen den Feiertagen gebe, müsse für den Handel nicht schlecht sein, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer im Handelsverband Berlin-Brandenburg, Günter Päts. „Viele Arbeitgeber haben deswegen ganz geschlossen, dadurch sind viele Kunden unterwegs.“

Kaum Grund zum Jubeln hatten die Einzelhändler im abgelaufenen Jahr. In den ersten drei Quartalen setzten sie zwar mit 310,7 Mrd. Euro nominal 1,5 Prozent mehr um als im Vorjahr, preisbereinigt bedeutete dies allerdings ein Minus von 0,5 Prozent. Und auch auf das gesamte Jahr gesehen wird das Geschäft real in ähnlicher Größenordnung schrumpfen. Die endgültigen Ergebnisse aus dem Weihnachtsgeschäft kommen frühestens Ende Januar.

Geringere Konjunkturerwartungen

Im Dezember waren die Konjunkturerwartungen nach drei Monaten mit leichten Zuwächsen erstmals wieder etwas gesunken. Auch die Konsumstimmung in Deutschland trübte sich ein – zum zweiten Mal in Folge. Die Euro-Schuldenkrise und die Eintrübung auf dem Arbeitsmarkt bereiteten den Verbrauchern Sorgen, hieß es zur Begründung vom Marktforschungsunternehmen GfK in Nürnberg. Vor allem die Probleme in den Euro-Schuldenstaaten hätten dafür gesorgt, dass die Menschen die künftige konjunkturelle Entwicklung etwas negativer einschätzten als in den Vormonaten. Davon beeinflusst sei auch die Konsumneigung zurückgegangen.

Der von der Gesellschaft für Konsumforschung ermittelte monatliche Konsumklimaindex für Januar ging auf 5,6 Punkte zurück, nach revidiert 5,8 Punkten im Dezember. Bereits im Vormonat war der Wert gesunken. Damit kehrt sich der seit längerem andauernde Aufwärtstrend bei der Verbraucherstimmung um. „Trotz der moderaten Verluste bleibt das Niveau des Konsumklima-Indikators aber weiter zufriedenstellend“, schrieben die GfK-Experten.

Bange Erwartungen für 2013

Dem kommenden Jahr sieht die Branche daher mit Bange entgegen. Steigt die Konsumlaune der Deutschen wieder? Und wo geben sie ihr Geld aus – verstärkt online? Diese Fragen bewegen die 400.000 deutschen Einzelhändler. 2013 dürfte nicht einfach werden.

In der Branche vollzieht sich durch das Internet und neue Technologien ein drastischer Wandel. Zudem drücken Euro-Krise und steigende Energie- und Rohstoffpreise. Der HDE sieht die Euro-Krise als das „größte Risiko für den Einzelhandel“. Angesichts der Kosten der Finanzkrise müsse die Haushaltskonsolidierung zwar oberste Priorität haben, sagt Verbandsgeschäftsführer Stefan Genth. Allerdings dürften Verbraucher und Unternehmen nicht endlos belastet werden. Dämpfend auf den Konsum würden schon jetzt die steigenden Energiekosten wirken.

Laut der GfK spielen die sich eintrübenden Aussichten auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle bei der Konsumfreude der Verbraucher im Jahr 2013. „Der Arbeitsmarkt ist eine ganz entscheidende Größe für die Konsumentscheidung und auch das Konsumverhalten der Verbraucher“, hieß es in dem jüngsten Stimmungsbericht. Schließlich hänge daran nicht nur das zur Verfügung stehende Einkommen, auch der psychologische Effekt sei enorm. „Die Verbraucher gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten eine schwierigere Phase durchleben wird“, erläuterte die GfK. Zurück ging auch die Bereitschaft zu teureren Anschaffungen zurück, zeigte die repräsentative Studie.

Überaus zuversichtlich sind die Prognosen für den anhaltend boomenden Internet-Handel. „In den kommenden Jahren wird die Branche weiter wachsen“, prognostiziert der Bundesverband des Deutschen Versandhandels. Die Verschmelzung von On- und Offline nehme weiter zu.

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