Unternehmen Davos: Elitetreffen ohne Merkel

Davos: Hier beraten in der kommenden Woche rund 40 Staats- und Regierungschefs

Davos: Hier beraten in der kommenden Woche rund 40 Staats- und Regierungschefs© wikimedia/Flyout/CC BY-SA 3.0)

Wann immer sie in Davos war, hat Angela Merkel die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gezogen. Diesmal dürfte Irans Präsident Hassan Ruhani im Mittelpunkt stehen - zumal die Kanzlerin der hochkarätigen Konferenz überraschend fern bleibt.

Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt nimmt in der kommenden Woche wieder ein Präsident des Iran am Treffen der politischen und wirtschaftlichen Weltelite in Davos teil. Von Präsident Hassan Ruhani werden beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) Aussagen zum Atomprogramm sowie Werbung für Investitionen im Iran erwartet. Das verlautete am Mittwoch am WEF-Sitz in Cologny bei Genf.

Insgesamt wollen in Davos mehr als 40 Staats- und Regierungschefs nach Lösungen für brennende internationale Probleme suchen, erklärte WEF-Präsident Klaus Schwab. Allerdings wird diesmal Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht an dem Treffen von Spitzenpolitikern und Top-Managern teilnehmen. „Wir bedauern ihren Skiunfall“, sagte Schwab. Merkel gehöre normalerweise „zu den regelmäßigen Teilnehmern“.

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„Neugestaltung der Welt“

Die Beratungen in der kommenden Woche (22. bis 25. Januar) stehen unter dem Motto „Die Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft“. Insgesamt werden rund 2500 Teilnehmer aus fast 100 Ländern erwartet. Die Bundesregierung wird durch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vertreten. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich angesagt.

Als politischer Höhepunkt gilt der Auftritt des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani. Er ist der erste Regierungschef Teherans seit 2004, der an dem Elitetreffen in den Alpen teilnimmt. Ruhani wird zum Thema „Der Platz des Iran in der Welt“ sprechen. Erwartet wird, dass er zu Investitionen in seinem Land aufruft. Der Iran leidet stark unter den Folgen der wegen des iranischen Atomprogramms verhängten Sanktionen.

Angesagt hat sich in Davos auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Ob es zu einer direkten Begegnung mit dem Iraner kommt, ist jedoch unklar. Israel hat das vorige Woche erreichte Zwischenabkommen der Weltmächte mit Teheran über die Begrenzung des iranischen Atomprogramms kritisiert. Der Iran werde weiter nach Atomwaffen streben, hatte Netanjahu gewarnt.

„Die Krise wirkt spürbar nach“

Zeitlich parallel zum WEF-Treffen ist in der Schweiz die Syrien-Friedenskonferenz geplant, die am 22. Januar in Montreux beginnen und dann in Genf fortgesetzt werden soll. Viele der am Auftakt der Syrien-Konferenz teilnehmenden Außenminister werden anschließend auch in Davos erwartet.

Schwab sagte, von der 44. WEF-Jahrestag sollten wichtige Impulse für ein stärkeres Wirtschaftswachstum und für die Überwindung der Finanzkrise ausgehen. „Wir brauchen einen Neustart.“ Die Krise wirke immer noch spürbar nach. Dies zeige sich an nur geringen Wachstumsraten, die deutlich unter dem Niveau der Zeit vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 lägen. „Es ist, als ob wir alle beim Gehen einen schweren Rucksack tragen.“

Allerdings gebe es Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Dies zeige auch der jüngste Bericht der Weltbank zur Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Weltbank prognostiziert für 2014 ein Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung von 3,2 Prozent gegenüber 2,4 Prozent im Vorjahr prognostiziert.

Zu den wichtigsten Themen werden in Davos auch die anhaltend hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern sowie die nahezu weltweit wachsende Kluft zwischen Arm und Reich gehören. Auch mit den Gefahren der Datenspionage sowie durch Manipulierung und Raubkriminalität mit Hilfe des Internets wollen sich die Teilnehmer beschäftigen. Zu den in Davos erwarteten Regierungschefs gehören auch David Cameron (Großbritannien), Enrico Letta (Italien) sowie Shinzo Abe (Japan) und Tony Abbot (Australien).

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