Unternehmen Eon muss Milliarden abschreiben

Das Geschäft in Südeuropa ist Deutschlands größtem Versorger ein Klotz am Bein. Durch die Wirtschaftskrise sanken die Margen bei Strompreisen enorm. Eon muss die Bilanz korrigieren. Anleger regieren nervös.

Den Energiekonzern kommt seine milliardenschwere Einkaufstour in Südeuropa teuer zu stehen. Der größte deutsche Versorger muss auf Geschäfte in Italien, Spanien und Frankreich rund 2,6 Mrd. Euro abschreiben. Die Märkte hätten sich in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise schlechter entwickelt als erwartet, begründete Eon die Wertberichtigung am Mittwoch. Der Konzern hatte die Geschäfte nach der Niederlage 2007 im Bieterkampf um den spanischen Energiekonzern Endesa erworben. Die Wertberichtigungen belasten zwar den Überschuss. Der Konzern bekräftigte jedoch seine Prognosen für 2010, die sich auf bereinigte Ergebniszahlen beziehen, aus denen Sondereffekte herausgerechnet sind.

Anleger reagierten zunächst enttäuscht. Die Aktien rutschten zu Handelsbeginn um 2,4 Prozent ins Minus und gehörten damit zu den schwächsten Werten im DAX. Später drehten die Papiere aber wieder ins Plus. Ein Börsianer bezeichnete die Zahlen als enttäuschend. Er bezweifelte, dass Eon angesichts der Abschreibungen die Gesamtjahresziele erreichen könne. Auch Equinet-Analyst Michael Schaefer wurde mit seinen Prognosen zurückhaltender. Er rechne im Gegensatz zu Eon mit einem Rückgang beim operativen Gewinn.

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Der seit Mai amtierende Vorstandschef Johannes Teyssen krempelt derzeit den Versorger um. Am 10. November will er seine Strategie und die Zahlen zum dritten Quartal vorstellen.

Am Mittwoch legte Eon schon mal das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für die ersten neun Monate vor. Es stieg um neun Prozent auf 8 Mrd. Euro. Neben dem schwächelnden Gasgeschäft und den Belastungen durch die Atomsteuer hat Teyssen nun mit dem Südeuropa-Geschäft eine weitere Baustelle. „Die Entwicklung von Strom- und Rohstoffpreisen führt in den genannten Märkten zu zum Teil signifikant geringeren Margen und Auslastungen“, teilte Eon mit.

Bernotats Erbe

Die Ergebniserwartungen in den Ländern hätten sich mittel- bis langfristig verschlechtert. Daher ergebe sich ein Wertberichtigungsbedarf von 1,1 Mrd. Euro auf Firmenwerte und von rund 1,5 Mrd. Euro auf sonstiges Anlagevermögen. Im Wesentlichen handele es sich dabei um die von Enel, Acciona und Endesa erworbenen Aktivitäten in Italien, Spanien und Frankreich.

Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat hatte sich mit den italienischen Energiekonzern Enel und dem spanischen Baukonzern Acciona einen erbitterten Bieterkampf um Endesa geliefert. Obwohl Bernotat bereit war, mehr als 40 Mrd. Euro für Endesa hinzublättern, zog er 2007 – auch wegen des politischen Widerstands in Spanien – den Kürzeren.

Nach der Niederlage erwarb Eon für über 10 Mrd. Euro Geschäfte von den Siegern und Endesa. Auch in anderen Märkten, etwa in Skandinavien und Russland, ging Bernotat auf Einkaufstour, ehe er im Zuge der Wirtschaftskrise wegen der hohen Schuldenlast die Bremse zog. Inzwischen hat Eon eigene milliardenschwere Geschäfte verkauft, etwa das deutsche Höchstspannungsnetz und die US-Tochter.

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