Unternehmen Erbschaftsteuer: Das sind die möglichen Szenarien - Seite 2

Szenario 2: Alle müssen weniger zahlen

Das Prinzip: Berlin erneuert die Erbschaft- und Schenkungsteuer von Grund auf. Sie soll einfacher und gerechter werden. Alles Vermögen wird gleichermaßen erfasst (im Steuerjargon: Die Bemessungsgrundlage wird verbreitert) und mit einem niedrigen Prozentsatz versteuert.

Die Lösung: Man schafft die günstigen Verschonungsregeln für Betriebsvermögen und private Immobilien ab. Steuerpflichtig ist somit der volle Unternehmenswert. Ob und wie lange der Nachfolger die Firma weiterführt, und wie viele Mitarbeiter er künftig beschäftigt, spielt keine Rolle. Und für private Immobilien gilt: Alle sind voll steuerpflichtig (bisher nur zu 90 Prozent, selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser sind komplett steuerfrei). Vom Wert der Schenkung oder Erbschaft gehen nur noch die persönlichen Freibeträge von 20000 bis 500000 Euro, je nach Familienstand oder Verwandtschaftsgrad, ab. Im Gegenzug kann der Gesetzgeber die Steuersätze gewaltig senken – auf acht bis zehn Prozent statt bisher bis zu 50 Prozent. Dies alles führt dazu, dass die Bundesländer wie bisher rund fünf Milliarden
Euro pro Jahr einnehmen. Und mehr sollen es nach einer Reform auch nicht sein, haben
die maßgebenden Politiker von Union und SPD versprochen.

impulse-Wertung: Die Abschaffung der vielen Ausnahmen und Privilegien wäre vor allem ein großer Schritt zum Abbau von Steuerbürokratie. Bei den meisten Schenkungen oder Erbschaften könnte dann jedermann ausrechnen, wie viel Steuer an das Finanzamt zu überweisen ist. Für viele Unternehmerfamilien wird die Weitergabe von Betriebsvermögen an die Nachfolger teurer. Da die Steuer sofort fällig wird, können die Erben Zahlungsprobleme bekommen. Auf jeden Fall besteht die Gefahr, dass Investitionen aufgeschoben und Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Um dies zu verhindern, sollte man zumindest die Steuerschuld per Gesetz großzügig stunden.

Realisierungschance: Höchstens zehn Prozent – obwohl Top-Ökonomen und auch der wissenschaftliche Beirat beim Bundesfinanzministerium das Modell favorisieren.

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